Unsere Vorfahren entwickelten sich vor etwa sechs Millionen Jahren in Afrika. Diese Urmenschen waren den Menschenaffen noch ziemlich ähnlich. Sie durchstreiften die Savannen und Waldlandschaften Ostafrikas. Sie gingen aufrecht, konnten jedoch den großen Zeh abspreizen und dadurch ebenso gut auf Bäume klettern. Das war wichtig, um Früchte zu essen und sich vor gefährlichen Raubtieren in Sicherheit zu bringen. Sie ernährten sich vorwiegend von Pflanzen, Samen und Früchten. Ihre Kopfform war gedrungen, sie besassen auffällige Wülste über den Augen und ihre Stirn war flach. Ihr Gehirn war noch nicht sehr weit entwickelt.

Die ältesten Überreste unserer Vorfahren wurden in den Felsen und Böden des ostafrikanischen Grabenbruchs und in Kalksteinhöhlen in Südafrika entdeckt. In der Olduvai Schlucht in Tansania wie auch in Kenia und Äthiopien fand man Teile der ältesten menschlichen Skelette. In ihrer Nähe befanden sich bearbeitete Steine, die wie Faustkeile aussahen und unseren Vorahren als Werkzeug dienten. Deshalb nannte man diese Zeit Altsteinzeit. Das Skelett von Lucy, das links im Bild zu sehen ist, gruben Forscher in Äthiopien aus. Es ist etwa 3,5 Millionen Jahre alt.
In dem südafrikanischen Ort Taung ist ein jüngerer Verwandter von Lucy gefunden worden, das „Kind von Taung“. Das Fossil ist mehr als zwei Millionen Jahre alt. Die Forscher vermuten, dass das Kind eine ausgestorbene Zwischenform zwischen Menschenaffen und Menschen darstellte. Denn es besitzt zwar ein affenähnliches Gesicht, sein Gehirn und seine Zähne sind jedoch schon menschenähnlich. Das Kind war vermutlich erst vier Jahre alt, als es ums Leben kam. Woran es gestorben ist? In seinem Schädel fanden sich Hackspuren von großen Greifvögeln, die auch Jagd auf Schimpansen machten. Sie haben das Kind vermutlich geraubt, in die Höhle verschleppt und verspeist.
Die frühesten menschenähnlichen Wesen durchstreiften vor etwa 2,8 Millionen Jahren die Savannen Afrikas. Gut erhaltene Skelette aus dieser Zeit fand man um den Turkana See. Die Forscher nannten diese Frühmenschen "Homo erectus", "die aufrecht Gehenden". Ihre Füße ähnelten schon unseren Füßen, aber sie kletterten noch auf Bäume. Sie hatten massige Körper und waren zwischen 1,40 und 1,80 Meter groß. Auffällig sind ihre großen Wülste über den Augen. Wozu sie die brauchten? Niemand weiß es. Sie begannen zu jagen und sich von Fleisch zu ernähren. Ihre Nachfolger waren die Bastler unter unseren Vorfahren. Die Forscher nennen sie Homo habilis, die "Geschickten", denn sie fertigten entwickelte Jagdwerkzeuge an. Außerdem begannen sie, ihre Toten zu bestatten. Diesen Vorfahren verdanken wir die wichtigste Errungenschaft in der Geschichte der Menschheit: die Nutzung des Feuers!
An einem Fluss in Äthiopien fanden Forscher verfeinerte Werkzeuge wie Steinäxte und verzierte Tierknochen. Sie waren 800 000 Jahre alt! Die Forscher stießen außerdem auf menschliche Schädel, die eine höhere Stirn besassen. Daraus folgerten sie, dass zu dieser Zeit hier in Ostafrika die ersten intelligenten Menschen lebten. Sie konnten Feuer machen und ihre Nahrung kochen. Sie verzehrten größere Mengen an eiweißreicher Nahrung, wodurch ihre Gehirne größer geworden waren. Mit dem Auftauchen des "Homo sapiens", dem denkenden Menschen, ging die Entwicklung sehr schnell. Die Menschen begannen Bilder in Höhlen und auf Felsen zu malen. Sie fertigten sogar einfache Schmuckstücke an. Sie begannen, abstrakt zu denken.
Vor etwa 60 000 Jahren geschah etwas Außerordentliches. Die Frühmenschen machten sich auf Wanderschaft und begannen, den Kontinent zu verlassen. Was war der Grund dafür, dass sie ihre Heimat verlassen? Damals herrschte eine der letzten Eiszeiten. Nahrung war schwer zu finden. Um nicht zu verhungern, entschlossen sich erst einige, dann immer mehr, den Kontinent zu verlassen und Richtung Asien zu wandern. Vermutlich sind sie Tierherden gefolgt, die nach fruchtbaren Weideplätzen suchten. Diese Menschen haben auf ihrem Weg durch die Kontinente genetische Spuren hinterlassen. Diese Spuren finden sich in den Genen der meisten heutigen Menschen wieder. Das bedeutet, dass wir alle Afrikaner sind.
Vermutlich hatten auch unsere europäischen Vorfahren eine schwarze Hautfarbe. Amerikanische Genforscher haben herausgefunden, dass die weiße Hautfarbe erst lange nach der Ankunft des modernen Menschen in Europa entstand. In der Jungsteinzeit "verblasste" die europäische Bevölkerung und bekam eine immer hellere Hautfarbe.
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