Tippu Tip lebte von 1835 bis 1905. Er galt als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten Ostafrikas. Dabei stammte er aus einfachen Verhältnissen. Er war der Sohn eines omanischen Händlers und einer Afrikanerin. Sein Geburtsort war Sansibar. Im Unterschied zu anderen Sansibari war er von ungewöhnlich schwarzer Hautfarbe. Das nützte ihm später bei seinen Sklavenjagden. Er war umtriebig, gelehrig und gewissenlos. Mit siebzehn stieg er in das Händlergeschäft ein. Schnell lernte er, wie man Handelsexpeditionen in Afrika organisierte: Man nahm einen Kredit auf, segelte zum Festland und heuerte bewaffnete Soldaten und Träger an. Mit dieser Kolonne stieß er ins Inland vor und machte Jagd auf Menschen. Er schloss Allianzen mit lokalen Herrschern, die ihm bei seinem verwerflichen Geschäft halfen. Je reicher er wurde, desto tiefer drang er ins Innere des Kontinents vor.
Tippu Tip überquerte den Tanganjika See und ließ sich dort 1860 nieder. Am Oberlauf des Kongo-Flusses baute er ein Handelsreich auf. Er wählte die Handelsstadt Nyangwe zu seiner Residenz und machte sie zum größten Sklavenumschlagsplatz Zentralafrikas. Tippu Tip gebärdete sich wie ein Lokalfürst. Er verbündete sich mit dem Herrscher des Tetela-Volkes, der mit seinen Kriegern auf Menschenjagd ging. Unter den Nachbarvölkern nahm er die Jungen und Arbeitsfähigen zu Gefangenen und verkaufte sie dem ruchlosen Sklavenjäger. Tippu Tip schickte die Unglücklichen an die Küste, wo sie nach Sansibar verschifft wurden. Die Mehrzahl der Gefangenen war für Indien und Arabien bestimmt, viele mussten auch auf den Gewürznelkenplantagen auf Sansibar schuften. 1890 verließ Tippu Tip Kongo und kehrte zurück nach Sansibar. Links im Bild siehst du Tippu Tips Residenz in Kongo
Als Tippu Tip sich auf Sansibar zur Ruhe setzte, war die Insel bereits unter britische Oberhoheit geraten. Das Sultanat verlor seine Macht, der Sklavenhandel wurde verboten. Doch es dauerte noch viele Jahrzehnte, bis die herrschende Schicht Sansibars die Sklaverei aufgab. Für Tippu Tip war das Verbot kein Problem, denn er besass gute Beziehungen zum belgischen Königshaus und zum Deutschen Reich. Er war zu großem Reichtum gelangt und bewohnte ein prächtiges Haus. Er half den Europäern, die in Afrika Kolonien besassen, bei der Beschaffung von Arbeitskräften. Außerdem unterstützte er zahlreiche Forschungsreisende, die den Kontinent erkundeten. Tippu Tip starb 1905 an Malaria. Er hatte eine Biographie über sein Leben geschrieben. Deshalb wissen wir mehr über ihn und das Geschäft mit Menschen in Afrika. Links siehst du Sklavenhändler, die Gefangene begutachten wie ein Stück Ware