Das Alte Reich wird auch die "Pyramidenzeit" genannt. Es besteht von 2640 bis 2200 v. Christus. In seiner Anfangszeit ist Ägypten noch ein Reich des Friedens. Die Pharaonen sind als die größten Herrscher der Alten Welt anerkannt. Sie glauben an ein Weiterleben nach dem Tod und wollen ihre Macht über ihre Untertanen auch über den Tod hinaus aufrecht erhalten. Die Pharaonen verlangen deshalb größere Grabmäler als die kleinen "Mastabas", Erdhügel, unter denen sie früher bestattet wurden. Sie wollen hoch hinaus und lassen sich prächtige Grabmäler errichten. Alle Welt soll sehen, wie reich sie sind und zu welchen Meisterleistungen ihre Bauherren fähig sind.
Das Reich der Pharaonen erstreckt sich von der Mittelmeerküste im Norden Afrikas bis zum 1. Katarakt im Süden. Es besteht hauptsächlich aus dem Niltal und dem Nildelta. Die Schifffahrt ist wichtig für die Ägypter. Der Nil wird benutzt wie eine Autobahn, auf der Waren und Waffen transportiert werden können. Die Pharaonen haben nicht viele Feinde zu befürchten. Die Stromenge am 1. Katarakt verhindert, dass die Nubier aus dem Süden in das Reich einfallen können. Im Osten liegt die Sinai Halbinsel mit ihren weiten Wüstengebieten. Für die Syrer, die Bewohner des Zweistromlandes östlich von Sinai, eine große Hürde. Im Westen erstreckt sich die Lybische Wüste. Auch sie ist für die damaligen großen Armeen schwer zu überwinden.

Als erste Pyramide gilt die Stufenpyramide von Pharao Djoser. Er lässt sie bei Sakkara bauen. Nach ihm kommt der tyrannische Herrscher Cheops an die Macht. Sein Grabmal sollte noch großer und schöner werden als die von Djoser. Er läßt im heutigen Stadtbezirk von Kairo Giza eine 146 m hohe Pyramide errichten. Die Cheopspyramide wurde später zu einem der sieben Weltwunder der Antike erklärt und ist das einzige der damaligen Weltwunder, das noch besteht. Cheops Sohn Chephren und sein Enkel Mykerinos errichten für sich nahe bei Cheops ein ebenso stattliches Grabmal. Noch heute ragen ihre Pyramiden nahe bei Kairo in den Himmel. Ein Sphinx mit einem freundlichen Löwenkopf bewacht die riesigen Grabmäler. Der Pharao galt als Sohn des Sonnengottes Re, der obersten Gottheit des Reiches. Zahlreiche Tempel entstehen im ganzen Land, die Re geweiht sind.
Im Niltal gibt es kaum Holz und wenig Erze. Pharao Snofru erweiterte das Reich nach Westen und Süden. Er liess die ägyptische Armee über den ersten Katarakt hinaus in den Süden vorstoßen, nach Nubien. Die Armeen waren mit Eselskarawanen unterwegs. Zu der Zeit gab es noch keine domestizierten Kamele in Ägypten. Aus Nubien brachten sie Gold und Granit zurück. Im Norden wagten sich die Ägypter in die Wüste Sinai vor. Sie wollten Türkis und Kupfer abbauen, die es dort in Hülle und Fülle gab. Im Roten Meer drangen die Schiffe der Ägypter nach Punt vor, das heutige Äthiopien. Von Punt kehrten sie mit Weihrauch, Ebenholz und Leopardenfellen zurück.
Das Alte Reich brach unter Pharao Pepi II. zusammen, dem letzten König der 6. Dynastie. Eine Dynastie bestand aus einer Herrscherfamilie. Wenn eine Familie ausstarb, endete die Dynastie und eine andere Familie kam an die Macht. Pepi hatte die längste Regierungszeit der Geschichte. Er bestieg den Thron mit sechs Jahren und herrschte 94 Jahre lang. Während seiner Herrschaft verfiel die Macht der Pharaonen. Die ägyptischen Provinzen stritten sich um die Vorherrschaft. Drei Jahrhunderte lang erschütterten Bürgerkriege das Land, das Reich zerfiel wieder in Ober- und Unterägypten. Historiker nennen diese Zeit die erste Zwischenzeit.
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