
Der ägyptische Name für das Reich der Pharaonen lautete Kemet, er bedeutete "schwarzes Land". Gemeint war der schwarze Schlemmsand des Nils, der mitten in der Wüste die fruchtbarsten Felder der Erde schuf. Die Wüste nannten sie Descheret, das rote Land. Immer mehr Nomaden zogen in das fruchtbaren Niltal und ließen sich hier nieder. Etwa 5000 vor Christus entstanden erste Siedlungen, aus den Siedlungen bildeten sich kleine Königreiche. Um 3.000 v. Christus hatten sich zwei Königreiche herausgebildet, Oberägypten im Niltal und Unterägypten im Nildelta. Oberägyptens Könige trugen eine weiße Krone mit ihrem Totemtier, dem Schmutzgeier. Er symbolisierte die Göttin Nechbet. Die Krone Unterägyptens war rot und mit dem Kopf einer Uräus-Schlange geschmückt. Die Kobra symbolisierte die Göttin Wadjet. Diese beiden Göttinnen blieben die ganze pharaonische Zeit über die Landesgöttinnen von Ober- bzw. Unterägypten. Beide Reiche bekämpften sich, jedes wollte die Vorherrschaft erzwingen.
Archäologische Funde in Unterägypten bezeugen, dass die frühen Reiche von der sumerischen Kultur Mesopotamiens - dem heutigen Irak - beeinflusst waren. Funde in Oberägypten zeigen jedoch eine enge Verbindung zur Kultur Schwarzafrikas. Nubier und Äthiopier prägen diesen Teil des Reiches. Zumal Äthiopien auch das Ursprungsland des Blauen Nils ist. Zu Beginn seiner Geschichte ist Ägypten deutlich nach Afrika orientiert. Der Handel mit innerafrikanischen Erzeugnissen wie Gold, Tiere, Sklaven und Werkzeuge spielt schon im Alten Reich eine große Rolle. In der Spätzeit Ägyptens kommen Schwarzafrikaner aus Nubien an die Macht. Danach herrschen Lybier, dann Griechen über das Reich. Mit ihnen setzt ein Bruch ein. Ägypten orientiert sich zur Welt des Mittelmeers. Alle wichtigen Städte werden im Nildelta gebaut, Oberägypten wird eine Provinz, die afrikanischen Einflüsse schwinden. Aus dieser Zeit stammen die meisten Berichte über Ägypten. Sie prägen unser heutiges Bild über das Reich der Pharaonen. Doch dieses Bild ist nur die Hälfte der Wahrheit!

Nach vielen Kriegen einte König Menes beide Reiche. Die beiden Kronen wurden zur Doppelkrone verbunden, Geier und Kobra befanden sich nun Seite an Seite. Die Historiker zweifeln, ob es diesen König Menes wirklich gab. Oder ob nicht König Narmer, links im Bild, Reichsgründer war. Man sieht ihn oft in Kampfszenen dargestellt. seine Zeitgenossen nannten ihn "Kopfzertrümmerer". Fest steht, dass die künftige Hauptstadt des geeinten Reiches nach König Menes in "Memphis" benannt wurde. Memphis wurde an der Stelle gegründet, wo sich der Nil in die Arme des Deltas auffächert. Die Ägypter nannten die Stadt "Waage der beiden Länder".

Die Gründung des Reiches wurde in unzähligen Abbildungen dargestellt. Die Göttinnen von Ober- und Unterägypten krönen den Parao mit der Doppelkrone, bestehend aus der weißen Krone Unterägyptens und der roten Krone Oberägyptens. Oft drohte das Reich auseinanderzubrechen. Doch immer wieder schafften es die Pharaonen, Frieden zu stiften. So bestand das Reich der Pharaonen fast 3000 Jahre, so lange, wie keine Zivilisation davor und danach.
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