Die Ägypter verehrten viele Götter und bauten für jede Gottheit einen Tempel. Deshalb war Ägypten reich an prächtigen Tempelbauten und geheimnisvollen Heiligtümern. Der Luxortempel - unten im Bild - war eine weitläufige Tempelanlage mit Innenhöfen und Obelisken. Die prächtigsten Tempel wurden für Amun gebaut, wie der Tempel in Luxor. Tempel waren Stätten der Verehrung, und nur die Pharaonen und Priester hatten Zutritt. Gewöhnlichen Menschen war der Zugang zu den heiligen Stätten verwehrt. Sie sahen die Götter nur an besonderen Festtagen.
Mit dem Bau der Tempel und der darin dargebrachten Opfergaben versuchten die Pharaonen, die Götter zufrieden zu stellen. Als Gegenleistung schenkten die Götter dem Pharao die Macht, damit er die Ordnung und das Gleichgewicht in der Welt aufrecht erhalten konnte. Denn nichts erschien im ägyptischen Glauben verheerender, als dass „Isfet“, das Chaos, Einzug halten würde. Priester hielten durch tägliche Riten den Austausch zwischen den Göttern und den Pharaonen aufrecht. Links siehst du die Pharaostatue im Luxor Tempel.
Ein als Pylon bezeichneter Torbau führte in einen offenen Tempelhof. Der Eingang wurde streng bewacht. In dem Tempel befand sich der Heilige See. Die Priester reinigten sich darin jeden Morgen, bevor sie mit ihren Riten begannen. Der Tempel war ein Symbol des Universums und der Schöpfung. Der untere Teil versinnbildlichte die Erde, aus der drei Pflanzen - Papyrus, Lotos und Palme - in Säulenform hervorsprießen. Die Decke bildete das Himmelsgewölbe und war mit Sternen und Göttervögeln bemalt. Das Heiligtum mit der Kultstatue des Tempelgottes lag im Innersten der Halle. Es war eine Kapelle, die überhöht gebaut war und im Dunkeln lag. Nur auserwählte Priester durften dorthin. In Nebenkapellen standen die Heiligtümer der Nebengötter.
Tempel waren auch Monumente, mit denen die Pharaonen ihre Macht demonstrierten. Schließlich galten sie als Stellvertreter der Götter. Die Tempel von Abu Simbel sind zwei Felsentempel am Westufer des Nassersees. Der große Tempel wurde für Ramses II. gebaut, der kleinere für seine Frau Nefertari. Die Tempel - links im Bild - wurden an der damaligen Grenze zum Reich von Kusch gebaut. Die Pharaonen setzten damit eine Botschaft aus Stein an die Grenze. Der Herrscher von Kusch sollte immer vor Augen haben, dass die Ägypter alles größer und besser machen als die Kuschiter. Die riesigen vier Statuen, die alle den Pharao Ramses II. verkörpern, richteten ihren Blick drohend auf das Nachbarland.
Der Tempel birgt in seinem Inneren eine außerordentliche Besonderheit: Am 21.10. und 21.2. findet das Sonnenwunder statt. Dann steht die Sonne in einem speziellen Winkel zu diesem Bauwerk, so dass das einfallende Sonnenlicht das Heiligtum im Innersten erleuchtet. Es besteht aus vier Statuen: Ptah, Amun-Re, Ramses II. und Re-Harachte (von links).
Zu dem jährlichen Opet-Fest und dem Schönen Fest vom Wüstental wurden die Kultstatuen der Götter aus den Tempeln geholt. Priester trugen sie in heiligen Schreinen zu einem in der Nähe des Tempels gelegenen Kultort. So konnte die Bevölkerung die Götter sehen, und das war Anlass für große Volksfeste. Links ist Maat abgebildet, die Göttin der Gerechtigkeit und der Weltordnung. Sie war die Tochter des Sonnengottes Re. Sie trägt als Kopfschmuck eine Feder. Die Feder der Maat gab beim Totengericht den Ausschlag gab, ob ein Verstorbener ins Jenseits gelangt.