
Die Tutsi errichteten im 17. Jahrhundert ein Königreich in Burundi. Die Residenz der Könige befand sich in der heutigen Stadt Gitega. Der Herrscher wurde mit seiner Einsetzung zur heiligen Person. Er bestimmte das Wohl des Staates. Die Tutsi entschlossen sich zu einem ungewöhnlichen Schritt. Sie übernahmen die Sprache und Religion der Hutu. Doch an der Spitze des Reiches stand der König der Tutsi. Er herrschte über die Hutu. Wahrzeichen des Königreiches waren die heiligen Trommeln, die Karyenda. Wenn sie erklangen, versammelte sich die Bevölkerung vor dem Herrscherhaus. Dann verkündete der König einen neuen Erlass, etwa über die Erhöhung der Steuern oder die Inthronisation eines Nachfolgers. Das "Königtum Urundi" verlieh den Tutsi eine starkes Selbstbewußtsein. Es bewahrte sie davor, von fremden Mächten vereinnahmt zu werden. Weder die europäischen Kolonialmächte noch die katholische Mission konnten später den Nationalstolz der Tutsi brechen. Auf dem Foto rechts siehst du Gitega

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts drangen Europäer in das Gebiet des heutigen Burundi vor. 1884 wurde das Land zusammen mit Ruanda Teil des „Schutzgebietes" Deutsch-Ostafrika. Nach dem Ersten Weltkrieg gelangte es unter belgische Verwaltung. Die Belgier teilten die Bevölkerung in zwei Gruppen ein, in die, die viele Rinder besassen und in die, die wenige Rinder hatten. Die mit den meisten Rindern wurden Tutsi genannt. Diejenigen, die weniger als zehn Rinder besassen, wurden den Hutu zugerechnet. Die Belgier behandelten die Tutsi bevorzugt und übertrugen ihnen eingeschränkte Machtpositionen. So schürten sie die bestehenden Konflikte zwischen Hutu und Tutsi noch mehr. 1959 brachen die Konflikte zwischen den beiden verfeindeten Völkern aus. Hunderttausende kamen in den blutigen Kämpfen um. Das Land war gelähmt
Am 1. Juli 1962 wurde Burundi unabhängig. Das Land wurde eine konstitutionelle Monarchie. Wer der neue König im unabhängigen Burundi war? Ein Tutsi! Kein Wunder, dass ein Jahr später wieder Unruhen zwischen den verfeindeten Völkern ausbrachen. Denn die Hutu waren erneut von der Regierungsmacht ausgeschlossen. Die Hutu stürzten die Monarchie. Doch der Umsturz verbesserte nicht ihre Lage. Es kam zu Bürgerkriegen und Militärputschen, die wiederum Hunderttausenden das Leben kostete. 1990 geschah ein Wandel. Hutu und Tutsi setzten sich zusammen und verabschiedeten eine Charta der nationalen Einheit. Die Mehrheit wollte nach vielen Jahren der Diktatur eine demokratische Regierung. 2005 wurden erstmals freie Wahlen abgehalten. Links im Bild siehst du den Tutsi König Mwambutsa IV.