Der Niger ist der drittlängste Fluss Afrikas. Er entspringt im Bergland von Guinea. Dort lassen ihn mehrere Nebenflüsse bereits nach 200 km zu einer beachtlichen Breite anwachsen. Er fliesst 4180 km weit durch Westafrika, bevor er in den Atlantik mündet. Er ist die Lebensader von Westafrika. Der Fluss bildet den wichtigsten Verkehrsweg zwischen der Sahara, dem Sahel und den tropischen Wäldern im Südwesten des Kontinents.
Der Name Niger stammt vermutlich vom lateinischen Wort für schwarz. Schon Ptolemäus berichtete über den „schwarzen Fluss“, der einmal im Jahr mit seinen Überschwemmungen die Ufer und Täler mit schwarzem Schlamm bedeckte. Der Niger bildet in den Trockensavannen des Sahel ein riesiges Binnendelta, das auf der Karte rechts oben als grünes Gebiet markiert ist. Es ist das Niger River Basin. Ganz ähnlich wie der Nil einmal jährlich die Wüste Ägyptens fruchtbar macht, sorgt der Niger im Sahel für fruchtbare Böden. War das der Grund, weshalb sich schon in der Frühzeit auch am Niger Hochkulturen gebildet haben? Manche Historiker vermuten das. Der Niger durchläuft vier Länder: Guinea, Mali, wie auch Niger und Nigeria, jene zwei Länder, die sich nach dem „großen Fluss“ nennen.
Im oberen Niger ist der Fluss schiffbar. In kleinen Pirogen gehen die Männer auf Fischfang. Sie müssen auf der Hut sein, denn Flusspferde stellen eine große Gefahr für kleine Boote dar. Wenn ein Fischer ihrem Revier zu nahe kommt, tauchen die Flusspferde plötzlich auf und können das Boot schnell zum kentern bringen. In der Gegend von Mopti, dem "Venedig Afrikas" fliessen der Bani und der Niger zusammen. Der Fluss zerstreut sich in einem riesigen Binnendelta, siehe auf der Karte oben. Das Land ist hier so flach, dass das Wasser nicht so recht weiß, wohin es fliessen soll. Es verliert sich in unzähligen Armen und Rinnsalen, bevor es sich am Ende als großer Strom Richtung Norden wendet.
Im Bereich des „Nigerknies“ verkehren keine Schiffe. In einem Bogen gelangt der Niger bis an den Rand der Sahara, in die Nähe der Wüstenstadt Timbuktu. Erst an einem Hafen in der Nähe von Timbuktu setzt der Schiffsverkehr wieder ein. Hier befindet sich auch ein wichtiger Knotenpunkt für den Salzhandel.



Im Hafen von Timbuktu wird Salz, das die Tuareg aus den Salzseen von Touadennie durch die Wüste transportierten, in Schiffe verladen und in den Süden transportiert. Hier macht der Fluss einen Knick und fliesst munter nach Süden.
Der Niger zieht an Dörfern vorbei, die häufig überragt sind von weiß verzierten Lehmmoscheen. Dazwischen tauchen Hirsefelder auf, Mangohaine und Baobab-Bäume mit ihren wuchtigen Früchten. Eisvögel und Milane, Fischreiher und Kormorane jagen nach Fischen.



Frauen waschen ihre Wäsche im Fluss, Holzhändler transportieren mit Eselskarren dünnes Buschholz in die Dörfer. Wanderhirten aus dem Stamm der Fulbe treiben ihre Ziegen- und Rinderherden am Ufer des Niger entlang.
Das Wasser des Niger wird für die Bewässerung der Felder und für Stromerzeugung genutzt. Auf seinem langen Weg von der Quelle in Guinea bis zum Mündungsgebiet in Nigeria ermöglicht der Niger mit seinen Nebenarmen den Reis- und Hirseanbau in fünf Ländern. Mit seinem Nebenfluss Pendjari sichert er den Erhalt ausgedehnter Wildparks und Naturschutzgebiete. Wegen seiner vielen Stromschnellen eignet er sich nur abschnittsweise für die Schifffahrt. In Nigeria wird der Fluss immer tiefer und breiter. Er durchfliesst dichte, tropische Wälder. Je mehr man südwärts auf dem Niger reist, um so mehr Flussnomaden begegnen einem. Die Nomaden leben in Booten auf dem Niger und treiben Handel mit Waren aus dem Norden und "Bushmeat" aus dem Süden. Als Bushmeat bezeichnet man Fleisch von Wildtieren aus den Regenwäldern Nigerias, das zwischen den Dörfern am Fluss und den Flussnomaden gehandelt wird. Schließlich verteilt sich der Fluss in viele Arme und bildet ein riesiges Delta, bevor er am Golf von Guinea in den Atlantik mündet. Das von ihm bewässerte Nigerbecken ist dreimal so groß wie Frankreich.
Die Völker am Niger erzählen Legenden über den Fluss und seine Götter, denn er speist das Leben in Westafrika. Der Afrikareisende Michael Obert hat eine Legende über den Wassergott Gboloma gesammelt, der über die Quelle des Niger herrscht. Sie besagt, dass Gboloma all die, die über seine Quelle springen, mit seiner Rache verfolgt. Deshalb wirst du nie einen Einheimischen über die Quelle springen sehen.