Die Massai sind das bekannteste Nomadenvolk Ostafrikas. Einst waren sie gefürchtete Krieger. Sie glaubten, Gott hätte ihnen die Rinder versprochen und deshalb dürften sie ungestraft Jagd auf die Rinder anderer Völker machen. Noch heute gehört es zum wichtigsten Ziel eines Jungen, in die Schar der Krieger aufgenommen zu werden. Früher zogen die Massai mit ihren Herden durch die Hochebenen Kenias und Tansanias. Doch viele Massai sind seßhaft geworden. Sie leben in rundförmig angelegten Dörfern. Die Männer gehen mit den Rindern auf Wanderschaft, wenn das Weidegras knapp wird und ziehen zu fruchtbarem Weideland.
Die Massai sind ein Hirtenvolk. Sie treiben keinen Ackerbau und sie verachten das Handwerk. Ihr einziger Besitz und ihr größter Stolz sind ihre Rinderherden. Je mehr Rinder ein Mann besitzt, um so mehr wird er geachtet. Die Älteren hüten die Rinder, die Jungen kümmern sich um die Kälber. Jedes Rind bekommt einen Namen. Auch wenn eine Herde aus mehr als zweihundert Rindern besteht, hat der Massaihirte alle Namen im Kopf.
Massaikinder haben viele Geschwister. Das liegt daran, dass ihre Väter zwei Frauen haben, manchmal auch mehr. Alle Frauen ihres Vaters sind ihre Mama. Jede Frau hat eine eigene Hütte, in der sie mit ihren Kindern lebt. Die Hütten werden von den Frauen gemeinschaftlich gebaut. Sie bestehen aus Lehm, Kuhdung und sind mit Stroh überdacht. Auch der Vater wohnt in einer eigenen Hütte. Er versorgt die Tiere, und ist Mitglied im Ältestenrat. Die Ältesten regeln die Angelegenheiten der Gemeinschaft und beschließen, wann sie mit den Rindern auf Wanderschaft gehen.
Mädchen und Jungen werden von Kind an unterschiedlich erzogen. Die Jungen bewachen die Kälber und Ziegenherden. Sie melken die Tiere und kümmern sich um das Wasserholen. Die Mädchen lernen Essen zuzubereiten, Feuerholz zu sammeln und Hütten zu bauen. Sie helfen außerdem beim Färben und Herstellen der Kleider. Das traditionelle Kleid heißt Rubeka, es ist von roter Farbe und sehr bequem. Bei den Massai gibt es keinen Friseur! Die Tradition verlangt, dass Frauen und Kinder ihre Köpfe kahl rasieren. Mädchen und Frauen schmücken sich mit bunten Perlenketten und prächtigem Ohrschmuck. Alle Kinder müssen gehorchen. Wenn sie ungehorsam sind, werden sie vom "kneifenden Mann" bestraft. Auch die Schule bei den Massai funktioniert nach strengen Regeln
Die Massai leben in der Savanne, in der es viele wilde Tiere gibt. Aber sie jagen sie nicht. Mit einer Ausnahme: Löwen. Einen Löwen zu erlegen, gilt als wichtige Mutprobe für einen jungen Massai. Hauptsächlich ernähren sich die Massai von dem Fleisch und der Milch ihrer Rinder und Ziegen. Die Sesshaften unter ihnen essen auch Maisbrei und Bohnengerichte. Sie bereiten eine Spezialität zu, die für uns gewöhnungsbedürftig wäre. Sie zapfen ihren Kühen Blut ab, vermischen es mit Milch und trinken es wie einen Cocktail.

Im Norden von Tansania erhebt sich der Ol Doinyo Lengai, der Berg Gottes. Zwischen kahlen Ebenen und Geröllwüsten erhebt sich der 3000 Meter hohe Vulkan. Hier residiert die oberste Gottheit, so glauben die Massai. Der Vulkan entstand in den Anfangszeiten der Erde. Für die Massai stellt er den Wohnsitz ihres Gottes dar. Der Vulkan ist schon lange nicht mehr aktiv. Aber kein Massai würde eine Wette darauf abschließen, dass das so bleibt. Sie haben in der Ebene rund um den Vulkan ihre Dörfer angelegt. Sie bestehen aus einfachen Hütten und sind schnell aufgebaut. Im schlimmsten Fall wäre nicht viel verloren, wenn der Vulkan wieder ausbrechen würde.
Die Massai lernen schon früh, gute Weideplätze für ihre Rinder zu finden. Gute Weideplätze sind Orte, an denen sich wenige Raubtiere aufhalten. Wenn die Kälber mittags schlafen, dann kommt die Zeit zum Spielen. Die Jungen spielen Speerwerfen und üben sich im Jagen. Die Mädchen spielen "Familie" und Versteckspiele. Ein Spiel spielen Jungs und Mädchen gemeinsam. Es heißt Dithwai und dreht sich um Rinder. Du brauchst dazu nur Sand und Steine. Jeder Spieler baut einen Kral für seine „Herde“, die aus 10 Steinen besteht. Der jüngste Spieler prägt sich die Merkmale seiner Steine ein und schließt dann die Augen. Jetzt nehmen die anderen Mitspieler einen seiner Stein und legen ihn in ihren Kral. Der jüngste Spieler muss nun versuchen, seine Steine wiederzuerkennen. Keine leichte Aufgabe. Danach kommen die anderen Spieler an die Reihe. Gewonnen hat, wer am Ende die meisten Steine besitzt, und damit die meisten Rinder.
Hier siehst du einen Video Clip von X-Plastaz, einer HipHop Gruppe aus Tansania. Die Gruppe verbindet traditionelle Massai Gesänge mit HipHop