Mauretanien ist ein islamisch regiertes Land. Alte Berberstämme leben hier, die noch die Geheimnisse der einstigen Wüstenvölker bewahrt haben. Das Wüstenland ist dreimal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland und hat über drei Millionen Einwohner.
Mauretanien liegt im Nordwesten von Afrika. Das Land ist fast vollständig von der Sahara bedeckt, wie seine Nachbarn Algerien, West-Sahara und Mali. Im Süden bildet der Fluss Senegal eine natürliche Grenze zum gleichnamigen Land Senegal. Im Westen grenzt es an den Atlantik. Eine Besonderheit ist die Grenze zu West-Sahara. Die ehemalige Kolonie von Spanien war nach der Unabhängigkeit ein heiß umkämpftes Gebiet zwischen Mauretanien und Marokko. Es wurde von Marokko in Besitz genommen. Doch die Bewohner von West-Sahara wollen einen eigenständigen Staat. Diese Grenze könnte sich also in Zukunft verändern.
Ein Großteil von Mauretanien ist unbewohnbar. Die meisten Mauren leben an der Küste oder am Fluss Senegal ganz im Süden des Landes. Die Küste erstreckt sich über 700 km. Direkt an der Küste beginnt die Wüste. Deshalb gibt es hier keinen Baum, keinen Strauch. Dennoch ist das Gebiet von vielen Vogelarten bevölkert. An der Küste herrscht gleichmäßiges Mittelmeerklima. In der Wüste können die Temperaturen bis auf 57 °C steigen. Befestigte Straßen gibt es kaum.
Nouakchott war eine schlichte Festung am Meer, nur von Wüste umgeben. Sie hatte keine Quelle, kein Süßwasser. Dennoch wurde die Festung 1960 zur Hauptstadt bestimmt. Nach vier Jahrzehnten wuchs der Ort von knapp siebentausend Einwohnern auf über eine Million an.



Niemand hatte mit der rasanten Stadtentwicklung gerechnet. Die nächste Süßwasserstation ist 70 km entfernt. Wie kommt heute Trinkwasser in die Stadt? Mit der Eisenbahn! Vom Bahnhof aus wird das Wasser auf Eselskarren in die Viertel transportiert. Eine Pipeline ist in Planung, aber wann die kommt weiss niemand so genau. Andere große Städte Mauretaniens sind Ouadane und Chinguetti, sie wurden auf dem Adrar-Plateau im 12. Jahrhundert errichtet. Chinguetti ist die siebte heilige Stadt des Islam. Die Siedlung Oualata war für den Salz- und Goldhandel wichtig.
Lernen ist für die Bevölkerung Mauretaniens nicht einfach. Es gibt einige Koranschulen. Ebenso wurden Schulen nach westlichem Vorbild eingerichtet. Doch nur Kinder mit vollständigen Abstammungspapieren dürfen die Schule besuchen. Straßenkinder und Waisen haben keine Chance auf Bildung. So kommt es, dass fast Dreiviertel der Bevölkerung Analphabeten sind. Das bedeutet nicht, dass die Mauren keine Bildung besitzen. Sie verfügen nur nicht über die Voraussetzung für einen modernen Beruf. Und das ist gerade für die junge Generation ein Desaster. Denn die meisten wollen Anschluss an die moderne Welt.
In Mauretanien finden sich die typischen Bewohner und Pflanzen der Wüstensteppe und der Dornsavanne. Die lange Trockenheit überstehen nur kleine Tiere wie Insekten, Spinnen, Echsen und einigen Säugetiere wie Antilopen. Die Salzsümpfe im Küstenland ziehen Flamingos an. Und die Küste ist ein wahres Vogelparadies. Der nördliche Küstenabschnitt wurde deshalb zum größten Vogelschutzgebiete der Welt erklärt. Hier machen über zwei Millionen nordeuropäische Wandervögel Rast. Auch viele einheimische Vogelarten kann man hier beobachten wie Breitschnabel-Sandpfeifer, Pelikane und Seeschwalben. Das Meer um die Inseln ist fischreich, und im Meer leben noch seltene Schildkrötenarten. Der Nationalpark Banc d'Arguin wurde von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt.


Mauretanien zählt zu den armen Ländern. Seine Haupteinnahmen kommen von den reichen Fischgründen vor der Küste und vom Eisenerz, das 60 % der Exporte ausmacht. Außerdem besitzt das Land große Gipsvorkommen. Küstennahe Erdöl- und Erdgasvorkommen können dem Land eine bessere Zukunft bescheren. Aber für die Ölförderung fehlen bisher die Mittel.
Die Mehrheit der Mauren sind nordafrikanische Nomaden. Früher waren viele Viehzüchter, sie zogen mit ihren Kamel- und Ziegenherden durch die Steppen. Doch durch die zuehmende Ausbeitung der Wüste müssen die meisten ihr nomadisches Leben aufgegeben. Sie siedeln sich in den Städten an. Vom Nomadentum Abschied zu nehmen ist für viele nicht leicht. Oft steht neben dem Haus in der Stadt noch die Kaima, das mauretanische Hauszelt.


In dem Zelt wohnt und schläft die Familie. Amtssprache ist Arabisch, doch die meisten sprechen Ḥassānīya, einen arabischer Dialekt. Zwanzig Prozent der Bevölkerung sind Schwarzafrikaner, sie leben vorwiegend im Süden und arbeiten als Bauern oder Angestellte in untergeordneten Positionen. Bis 1980 war Sklaverei in Mauretanien erlaubt. Damit war Mauretanien eines der Länder, das am längsten an der Sklaverei festhielt.
Am 28.11. 1960 wurde Mauretanien unabhängig. Dieser Tag wird mit großen Militärumzügen gefeiert. Der Fastenmonat Ramadan wird von fast allen Mauren eingehalten. Das Hammelfest, das Islamisches Opferfest ist ein wichtiger Feiertag in dem nordafrikanischen Land.



Wenn Fußballspiele angesagt sind, ist die gesamte männliche Jugend auf den Beinen. Jedes Spiel wird gefeiert wie ein Volksfest.
Um 10.000 v. Chr. finden sich erste Hinweise auf eine Besiedelung des Gebietes. Der Landesname Mauretanien stammt vom Volk der Mauren. Das Wort Maure kommt aus dem Griechischen und bedeutet dunkel. Die Araber bezeichneten mit Mauren alle dunkelhäutigen Berberstämme Nordafrikas, die ab dem 7. Jahrhundert islamisiert wurden. Die Mauren trugen den Islam nach Westafrika. Teilweise waren die Berberstämme untereinander verfeindet. Doch irgendwann übernahm ein Stamm, der zwischen dem heutigen Marokko und Mauretanien siedelte, die Vorherrschaft in der Region. Dieser Stamm nannte sich Almoraviden. Sie war islamische Gotteskrieger, radikal und machthungrig. Sie unterwarf einen Stamm nach dem anderen. Sie gründeten zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert das Almoraviden-Reich. Dieses Reich erstreckte sich zwischen dem heutigen Mauretanien, Marokko und reichte zeitweise bis nach Spanien. Mehr zur Geschichte Mauretaniens
Nach vielen Aufständen und Kämpfen erhielt das Land 1960 seine Unabhängigkeit. Das unabhängige Mauretanien strebte eine demokratische Umgestaltung des Landes an. Doch nach einem Putsch regierte eine Militärdiktatur.


Gemäß der Verfassung von 2006 ist Mauretanien heute eine Islamische Präsidialrepublik. Es gilt die Sharia, islamisches Recht. Es ist ein grausames Recht, das bei kleinen Vergehen bereits drakonische Strafen verhängt. Die Situation der Frauen ist wenig geachtet, wie in vielen islamischen Ländern. Die Mädchen auf dem Bild links arbeiten als Hausmädchen bei reichen Familien. Sie erhalten keinen Lohn für ihre Arbeit, sie können nicht einfach gehen, wenn ihnen die Arbeit nicht gefällt. Sie haben kein Recht auf Bildung. Amnesty International berichtet immer wieder von Menschenrechtsverletzungen wie Sklaverei oder willkürlichen Verhaftungen . Es wird sicher noch viele Jahre dauern, bis in Mauretanien alle Menschen in Freiheit leben.
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