Der kleine Inselstaat liegt vor der westafrikanischen Küste und besteht aus zwei Inseln (dargestellt in den beiden Sternen auf der Flagge) und mehreren Eilanden. Zusammen besitzen die Inseln eine Fläche von 1001 qkm und sind damit kaum größer als Berlin. Mit etwa 160 000 Einwohnern ist der Inselstaat dünn besiedelt.
Die Vulkaninseln Sao Tomé und Principe liegen im Golf von Guinea, 200 km von der Küste von Gabun entfernt. Sie ragen direkt am Äquator aus dem Ozean, entstanden durch vulkanische Aktivität. Die Hauptinseln liegen 144 km voneinander entfernt. Aufgrund der Äquatorlage herrscht ein tropisches Klima. Dichte Wälder bedecken beide Inseln zur Hälfte. Eine riesige Fläche der Inseln wurde unter Schutz gestellt, denn hier befinden sich noch einige ursprüngliche Wälder, Mangrovensümpfe und Savannen. Die Wälder der Inseln sind so einzigartig, dass Wissenschaftler sie zu den zweitwichtigsten von insgesamt 75 Wäldern in ganz Afrika zählen. Laut WWF zählen sie zu den 200 wichtigsten Öko-Regionen der Erde. Im atlantischen Regenwald, dem Obo, gibt es die größte Vielfalt von Pflanzen und Tieren.
Die Inseln wurden im Jahr 1471 von portugiesischen Seefahrern entdeckt, genau am Tag des Heiligen Thomas. Deshalb nannten sie die Seefahrer "Sao Tomé". Die Inseln sind geprägt vom Vulkanismus. Der Pico de São Tomé reckt sich bis auf 2024 Meter empor und ist von einem stattlichen Gebirge umringt. Das Gebirgsmassiv ist überwuchert von unberührtem Regenwald. Die Küsten bestehen aus Sandstränden und weitläufigen Ebenen, wo Kakao-und Kaffee-Plantagen angelegt sind. Das übrige Land ist noch von ursprünglichen, tropischen Wäldern bewachsen. Die malerischen Sandstrände ziehen viele Touristen an.
Die Hauptstadt der Inselwelt ist São Tomé, die mit etwa 60 000 Bewohnern nicht sehr groß ist. Die Stadt wirkt wie ein portugiesischer Ferienort. Die Häuser sind kaum mehr als zwei Stockwerke hoch. Sie sind mit Rundfenstern und verzierten Balkonen ausgestattet. Die Mauern sind in pastellfarbenen Tönen bemalt, wie der Präsidentenpalast links im Bild. An diesen Bauten kann man noch heute den Einfluss der alten Kolonialmacht erkennen. São Tomé ist Mittelpunkt des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Insellebens. Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gehören der Präsidentenpalast, die Fischerkirche und ein Kino. Die Stadt ist bekannt für die große Festungsanlage der Kolonialherren oder das Nationalmuseum, in dem das Leben der Sklaven dargestellt ist, die auf den Zuckerrohr-, Kaffee- und Kakaoplantagen geschuftet haben. Außerdem ist sie für das das Tchiloli-Spiel bekannt, das nur von Männern aufgeführt wird.

Die Bewohner sind Nachkommen von Portugiesen, Sklaven aus Westafrika und Einheimischen. Sie bilden eine eigene Volksgruppe, die Kreolen. Sie nennen sich auf Portugiesisch „Söhne der Erde“ und haben eine eigene Kultur entwickelt. Musik und Tanz spielen auch heute noch bei den kreolischen Kindern und ihren Familien eine große Rolle. Portugiesisch ist Amtssprache und wird an den Schulen unterrichtet. Die meisten Bewohner sprechen "Forro", eine Mischung aus Portugiesisch und Bantusprachen. Die Inselbewohner leben vom Fischfang und vom Tourismus.
Ab dem 8. Lebensjahr sollen alle Kinder vier Jahre die Schule besuchen. Doch die Bevölkerung ist in den letzten Jahren rasch gewachsen und es gibt zu wenige Schulen für alle Kinder. Viele müssen schon in jungen Jahren auf den Feldern mithelfen. Laut UNICEF ist Kinderarbeit ein weit verbreitetes Übel, schon Zehnjährige arbeiten auf dem Bau oder auf den Märkten. Deshalb besuchen nur etwa dreiviertel aller Kinder den Unterricht. Als Folge davon gibt es wieder weniger Kinder als noch vor zehn Jahren, die gut lesen und schreiben können. Aufgrund des Mangels an Schulen und Lehrern gibt es an manchen Schulen "Schichtbetrieb". Je nach Alter besuchen die Kinder in Morgen-, Mittags- und Abendschichten den Unterricht.
Das größte Fest auf der Insel wird am Tag der Unabhängigkeit gefeiert, am 12. Juli. Aus diesem Anlass wird das Tchiloli Spiel aufgeführt, ein Theaterstück, das ausgewählte Männer der Insel aufführen. Die Hauptrollen werden von Generation zu Generation vererbt. Die Spieler tragen afrikanische Masken und europäische Frauenkleider aus dem 16. Jahrhundert. Sie sehen wirklich sehr exotisch aus. Die Schauspieler tragen einen Text und Lieder aus der Renaissance vor, und verbinden so das Erbe aus Europa und Afrika zu einer einzigartigen Show. Viele Menschen aus der ganzen Welt reisen an, um dieses außergewöhnliche Spektakel zu erleben.

São Tomé und Principe ist ein Paradies mit seiner Vielfalt an Bäumen, Blumen und Blüten. Die einzigartige Vielfalt hat eine Vogelwelt angelockt, die ein Naturwunder darstellt: Auf 1.000 qkm leben 157 verschiedene Vogelarten, darunter über 28 endemische Arten. Endemisch bedeutet, dass diese Vögel nur auf dieser Insel vorkommen. Wie außergewöhnlich das ist, kannst du daran ermessen, dass normalerweise auf Inseln ähnlicher Größe nur 1 bis 2 endemische Vogelarten vorkommen.
Über Jahrhunderte waren die Inseln einer der Hauptumschlagplätze des transatlantischen Sklavenhandels. Im sechzehnten Jahrhundert wurden Sklaven auf die Inseln gebracht, die auf den Zuckerrohrplantagen arbeiten mussten. Später wurde auch Kaffee und Kakao angebaut, so daß die Inseln am Anfang des 20. Jahrhunderts zu den größten Kakaoproduzenten der Welt aufstiegen. Diese einzigartige Stellung gründete sich auf die Sklavenhalterwirtschaft. Erst im 19. Jahrhundert wurde Sklaverei abgeschafft. Die einstigen Sklaven wurden als freie Arbeiter angestellt, aber es ging ihnen anfangs nicht viel besser als zur Zeit der Leibeigenschaft. Sie wurden schlecht bezahlt und mußten für ihre Gleichberechtigung kämpfen. Mit dem Niedergang des portugiesischen Weltreiches wurde Sao Tomé und Principe 1975 unabhängig. Zunächst herrschte mehr als ein Jahrzehnt eine kommunistische Regierung. Den weltweiten Zusammenbruch des kommunistischen Systems nutzte die Bevölkerung zu einer Neuorientierung. Sie entschied sich 1992 mit überwältigender Mehrheit für ein demokratisches System mit mehreren Parteien, ähnlich unserer Demokratie in Europa.
Noch ist der Inselstaat ein Paradies für seine Bewohner. Die Kreolen sind stolz auf ihre traumhafte, unberührte Landschaft. Sie genießen die Freiheiten ihres abgeschiedenen Inseldaseins. Für die Kinder ist die Insel ein riesiger Spielplatz zum Austoben und Entdecken. Zwar gilt die Bevölkerung als arm, doch die meisten können vom Fischfang und der Landwirtschaft leben. Dennoch ist São Tomé und Principe seit vielen Jahren von Entwicklungshilfe abhängig. Viele Lebensmittel und Brennstoffe müssen eingeführt werden. Die Güter werden mit dem Export von Kakao bezahlt. Die relative Armut im Land könnte sich bald ändern. Vor der Küste von São Tomé wurde Erdöl entdeckt. Die Nachricht hat dazu geführt, dass immer mehr Touristen ausbleiben. Noch lässt die Erdölexploration auf sich warten. Das ist die einerseits gut. Denn die Umweltschäden werden gigantisch sein, wie Greenpeace befürchtet. Sie vermuten, dass die küstennahe Ölförderung wie in anderen Ländern das Naturparadies zerstört. Doch viele Inselbewohner hoffen, durch das Öl irgendwann unabhängig zu werden von fremder Hilfe.
Mehr über Afrika erfährst du in:
Der große Diercke Kinderatlas von Ulf Dr. Zahn, Achim Bröger und Johann Brandstetter
Der große Weltatlas von Philip Steele.
Das Bertelsmann Kinder Länderlexikon von Marcus Würmli und Ute Friesen
Meyers Länderlexikon für Kinder von Liane Apelt und Isabel Große Holtforth
Meine große Kinderwelt von Katja Baier
Kinder Weltatlas von Dorling Kindersley