Nach den Portugiesen erreichten englische Seefahrer und Händler die Küste von Sierra Leone. Englische Unterhändler planten, auf dem Gebiet einen Stützpunkt der britischen Handelsmarine zu gründen. Erste Kontakte mit Großbritannien entstanden mit dem Versuch der britischen philanthropischen Organisation The Black Poor Society, ehemaligen afrikanischen Sklaven zur Rückkehr in die Heimat zu verhelfen. Kurz nach dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg erwarb die Gesellschaft ein Stück Land auf der Halbinsel zur Ansiedlung von Afrikanern. 1787 wurde die erste Gruppe von 380 freien englischen Schwarzen auf der Halbinsel angesiedelt. Sie sollten die Basis für einen Marinestützpunkt bilden. Als die meisten an Malaria erkrankten, wurde der Plan aufgegeben.
Später diente die Halbinsel als Stützpunkt der britischen Marine im Kampf gegen den Sklavenhandel. Ein zweiter Versuch wurde unternommen, um ehemalige Sklaven auf der Halbinsel von Freetown ansässig zu machen. Diesmal gelang das Experiment. Danach versuchte das britische Königreich, das Gebiet zu kolonisieren. Erst besetzten die Briten die Halbinsel von Freetown, dann 1908 deklarierten sie das gesamte Gebiet als britisches Protektorat. Sie erhoben Steuern. Die einheimischen Völker, die schon seit vielen Jahrhunderten dort lebten, konnten die Abgaben nicht bezahlen. Die 24 Fürsten in der Region schlossen sich zusammen und verweigerten die Zahlung der Steuer. Die Briten beharrten aber darauf. So blieb den afrikanischen Fürsten keine andere Wahl. Unter der Führung der lokalen Fürsten Bai Bureh und Kai Lundu zogen sie in den Krieg gegen die Briten. Der Krieg wurde Hut-Tax-War genannt. Die Afrikaner konnten gegen die übermächtigen, mit modernen Waffen ausgestatteten britischen Armeen nicht viel ausrichten. Sie verloren den Kampf. Es dauerte noch sechzig Jahre, bis das Land seine Unabhängigkeit erhielt. Am 27. April 1961 war es soweit, Sierra Leone wurde ein freies, unabhängiges Land. Auf dem Foto links siehst du Bai Bureh vor seinem Gehöft.
Nach mehreren Militärputschen wurde 1971 in Sierra Leone die Republik ausgerufen. Doch das Land kam nicht zur Ruhe. 1989 war im Nachbarland Liberia ein Bürgerkrieg ausgebrochen. Die Rebellen griffen über auf Sierra Leone. Ihr Ziel war es, die reichen Diamantvorkommen von Sierra Leone zu erobern. Viele Bürger in Sierra Leone waren unzufrieden mit der offiziellen Regierung, denn diese beutete den Reichtum an Diamanten für sich allein aus. Korruption und Misswirtschaft herrschten. So bildeten sich Gruppen von Aufständischen, die sich den Rebellen aus Liberia anschlossen. Mit erbeuteten Diamanten von großem Wert kauften sie Waffen und kämpften gegen die Regierung. Sie hatten leichtes Spiel, denn das Militär war nicht gut ausgestattet. Die Herrschenden wollten verhindern, dass sie vom Militär abgesetzt werden konnten. Gemeinsam mit den liberianischen Kämpfern, angeführt von ihrem Kriegsfürsten Charles Taylor konnten sie das Land destabilisieren. Sie zwangen Kinder dazu, Waffen zu benutzen und gemeinsam mit ihnen Krieg zu führen. Sie verübten schlimme Gräueltaten an der Zivilbevölkerung, um sie einzuschüchtern und von Wahlen abzuhalten. Fast 700.000 Menschen verließen ihre Heimat und flohen in Nachbarstaaten. Auf dem Foto rechts siehst du Ishmeal Beah, der einst von Rebellen gezwungen wurde, in ihren Kampftruppen mitzukämpfen. Er hat ein vielbeachtetes Buch über seine Zeit als Kindersoldat in Sierra Leone geschrieben.

Finanziert wurde der Bürgerkrieg durch den illegalen Handel mit Diamanten. Man nannte diese „Blutdiamanten“, weil damit Waffen gekauft und die Zivilbevölkerung niedergemetzelt wurde. Zehn Jahre dauerte der grausame Bürgerkrieg. Er wurde erst durch das Eingreifen der Vereinten Nationen und Großbritannien, den einstigen Kolonialherrscher, im Jahr 2000 beendet. Am 18. Januar 2002 wurde im Rahmen einer Feierstunde im Nationalstadion das offizielle Ende des Rebellenkrieges verkündet. Dabei wurden mehrere tausend Waffen verbrannt. Links siehst du die Bevölkerung von Freetown vor den Wahllokalen im Jahr 1968.