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Westsahara

Flagge von Westsahara (c) SKoppWestsahara liegt im Nordwesten von Afrika. Es besitzt einen Küstenstreifen am Atlantik. Auf einer Fläche von 266 000 Quadratkilometer leben 405.000 Einwohner.

Lage

Karte von Westsahara (c) CIA WFBWestsahara ist ein Wüstengebiet am Atlantik. Im Norden liegt Marokko, im Süden Mauretanien. Der Osten wird von Algerien begrenzt. An der Küste gibt es nur zwei Städte. Ajun, auf der Karte Laayoune geschrieben, ist die Hauptstadt des Landes. Sie liegt im Norden, etwa 25 km von der Küste entfernt.

Landschaften

Westsahara -Landschaft im Norden (c) StAn CC BY SA 3.0Westsahara besteht aus einer beeindruckenden Wüstenlandschaft mit palmenbewachsenen Oasen und tiefen Flusstälern. Der größte Teil der Landschaft besteht aus einer Stein-und Felswüste. Viele Landesteile sind auch von Sandwüste bedeckt. Das südliche Gebiet wird von Trockenflusstälern durchzogen, Wadis genannt. Sie führen nur in der Regenzeit Wasser. Der Saguia el Hamra ist der längste Fluss des Landes. Er mündet in den Atlantik und ist für die Oasenwirtschaft von großer Bedeutung. In Westsahara herrscht Wüstenklima. Am Tag kann es über 50 ° heiß werden, nachts kühlt es auf 10° ab. Typisch für das Wüstenklima ist, dass es sehr selten regnet. In Küstennähe kommt häufig Nebel auf.

Tiere

Mönchsrobbe (c) Cornaire Jean Mamrie CC BY SA 3.0In dieser Wüstenlandschaft muss man ganz aufmerksam sein, um einige Wildtiere beobachten zu können. Mit etwas Glück entdeckt man Wüstenantilopen, den Wüstenfuchs, die Dornschwanz-Agame oder die Wüstenspringmaus. Natürlich gibt es eine Vielzahl von Käfern, Spinnen und Schlangen, die sich im Sand verstecken. Eine besondere Attraktion sind die Mittelmeer Mönchsrobben. Die vom Aussterben bedrohten Robben sind sehr menschenscheu, denn sie wurden beinahe ausgerottet. Nur etwa 400 bis 500 Tiere gibt es noch weltweit. Sie leben geschützt in den Höhlen an der Atlantikküste, vor allem auf der Cabo-Blanco Halbinsel.

Ajun - die größte Stadt in Westahara

Geschäftsstraße in Ajun (c) Bertramz CC BY SA 3.0Die größte Stadt der Westsahara ist El Aaiùn oder auch Ajun genannt. Die spanischen Besatzer hatten Ajun einst als Garnisonsstadt gegründet. Als vor etwa 70 Jahren mit dem Phosphatabbau begonnen wurde, wuchs der Ort zu einer modernen Stadt heran. Die europäischen Geschäftsleute wollten schicke Hotels, Bars, Einkaufszentren und bequeme Unterkünfte. Heute zählt die Wüstenstadt fast zweihunderttausend Einwohner.  Ajun liegt 25 Kilometer von der Atlantikküste entfernt in einer welligen Wüstenlandschaft. Der Name El Aaiùn bedeutet "die Quellen", denn in dem Wüstengebiet spendet nur der Trockenfluss Saguia el Hamra mit seinen Grundwasservorkommen Wasser. Nur hier wächst dichtes Buschwerk mit Tamarisken. Der Fluss staut sich am Ende der Regenzeit zu einem See. Es ist der einzige größere Süßwassersee des Landes. Ajun liegt an der einzigen größeren Straße, die Marokko mit Mauretanien verbindet.

Völker und Sprachen

Die Bewohner von Westsahara werden Sahrauis genannt. Der Name stammt von dem arabischen Wort Sahara. Denn die Lebensgrundlage der Sahrauis war in früheren Zeiten der Karawanenhandel durch die Wüste. Noch heute lebt die Mehrzahl von der Kamelzucht, sowie von Schafen und Ziegen. Früher war die Gesellschaft sehr hierarchisch geprägt, es gab sogar Sklaven. Doch seit der Befreiungsbewegung im vorigen Jahrhundert gibt es keine Leibeigenen und keine krassen Hierarchien mehr. Die offizielle Amtssprache ist Arabisch. Die meisten sprechen jedoch Hassania, einen arabisch-berberischen Dialekt. Die Menschen gehören dem Islam an. Sie sind sehr kontaktfreudig und gastfreundlich. Viele leben in Zeltstädten.

Mann auf Eselswagen in Dakhla (c) DavidStanley_Nanaimo CC BY SA 2.0

Sahraui auf Kamelen (c) Saharauiak CC BY SA 3.0

Frauen sind miteinander glücklich in der besetzten Westsahra Aminatou Haidartin (c) Ayuda CC BY SA 2.0

Musik spielt eine große Rolle bei den Sahrauis. Sie kennen zehn verschiedene Musikinstrumente. Manche Instrumente werden nur von Männern gespielt wie die Langhals-Spießlaute Tidinit, und manche nur von Frauen wie die Bogenharfe, Ardin. Beide Instrumente waren schon im alten Ägypten bekannt. Frauen begleiten ihre Gesänge meist mit einer Kesseltrommel, T'bal genannt.

Schulen in Westsahara

Schule in Westsahara (C) EuropeanCommission DG ECHOKoranschulen, Flüchtlingsschulen, internationale Schulen, alle Arten von Schulen finden sich in Westsahara. Nur normale Schulen,wie wir sie kennen, findet man hier kaum. In den Zeltlagerstädten haben die Sahrauis ein gut funktionierendes Schulsystem aufgebaut. Der Unterricht wird hauptsächlich von den Frauen organisiert. Sie machen die Unterrichtspläne und unterrichten auch. Selbst für die Kleinsten ist gesorgt, sie besuchen Kindergärten und erhalten dort geregelte Mahlzeiten. Die Frauen versuchen, in der Schule Ordnung zu stiften als Ausgleich für die ungewisse Zukunft ihrer Kinder.

Was Kinder in Westsahara spielen

Kinder bei m Fußballspielen (c) betterplaceJungs spielen Fußball, auch wenn sie keine Schuhe besitzen. Fußballschuhe schon gar nicht.Die meisten Eltern haben kein Geld, um Spielzeug, Schuhe oder Bastelwerkzeug zu kaufen. Doch Kinder sind erfinderisch. Mädchen lernen Instrumente spielen oder  machen Handarbeiten wie Stoffe weben und Teppiche knüpfen.

Wirtschaft und Bodenschätze

Fischverkäufer in Dakhla (c) David Stanley CC BY SA 2.0Die Mehrheit der Sahrauis lebt vom Fischfang. Viele der einstigen Karawanenführer und Händler schauten anfangs auf die Fischer herab. Aber inzwischen können viele davon leben. Erdöl und Phosphat sind die wichtigsten Bodenschätze von Westsahara. Sie werden erst seit einigen Jahrzehnten abgebaut. Leider profitiert fast nur Marokko davon. Marokko beutet auch die Fischgründe vor der Küste der Westsahara aus. Die Sahrauis sind wütend darüber, dass Marokko in der Landwirtschaft und der Fischereiindustrie Zuwanderer aus Marokko beschäftigt. Sie dagegen sind in der Mehrheit arbeitslos.

Sehenswürdigkeiten in Westsahara

Dakhla Surfer auf Dragon Island (c) Nomadz CC BY SA 3.0In den Städten von Westsahara kannst du alte Kirchen und Moscheen besichtigen. Weit spannender ist die  Wüstenlandschaft, die du mit Kamelen oder mit dem Jeep erkunden kannst oder in Zelten schlafen kannst wie richtige Nomaden. Im Süden kannst du  windsurfen. Besonders im Winter sind die Windbedingungen sehr günstig und die Wassertemperatur liegt bei durchschnittlichen 25 Grad. Ideal für kleine und große Wassersportler.

Geschichte

Insel Rio_de_Oro bei Dakhla (c) Hugues CC BY SA 2.0Berber bewohnten die Westsahara seit vielen Jahrtausenden, bevor der Islam im 7. Jahrhundert die Region eroberte. Ihre Nachfahren bildeten den Kern der Almoraviden. Die Almoraviden waren religiöse Erneuerer. Sie eroberten im 11. Jahrhundert einen großen Teil von Nordafrika und Spanien. Die folgende Blütezeit wirkt in der spanisch-maurischen Kultur und Architektur bis heute nach. Im 13. Jahrhundert zerfiel das Reich der Almoraviden. Arabische Nomaden aus dem Volk der Dui Hassan drangen mit ihren Herden bis an den Atlantik vor und siedelten sich hier an. Sie vermischten sich mit den Berbern und prägten die heutige Sprache in der Westsahara: Hassania.

Westsahara - ein kolonisiertes Land

Kämpfer der Front Polisario (c) Robert laroche gemeinfreiMit den europäischen Seefahrern begann die Herrschaft der Spanier über Westsahara. Zunächst unterhielten sie kleinere Handelsposten an der Küste, bevor ihre Truppen ins Landesinnere vordrangen. Sie erklärten 1884 das Gebiet zu ihrem Protektorat. Bis 1976 herrschten sie über das Land. Als sie die Westsahara verließen, hoffte die Bevölkerung, endlich unabhängig von der einstigen Kolonialmacht zu werden. Doch gleich darauf besetzte Marokko den Norden und Mauretanien den Süden des Landes.

Westsahara - ein besetztes Land

Westsahara Zeltstadt (c) Miquel Garcia CC BYSA 2.5Die freiheitsliebenden Sahrauis waren empört. Männer aus allen Schichten und Regionen verbündeten sich zu einer starken Befreiungsbewegung, die "Frente Polisario". Die Kämpfer konnten die Mauretanier vertreiben. Doch gegen die gut gerüsteten marokkanischen Truppen waren sie machtlos. Marokko blieb beherrschende Kraft im Norden. Die Regierung floh ins Exil nach Algerien. Nach mehreren Kämpfen schlossen Marokko und die Polisario einen Waffenstillstand. Das war im Jahr 1991. Seither hat sich die Lage der Einheimischen nicht gebessert.

Wie lebt man in einem Zelt?

Kaja - Essen im zelt (c) Bonetti CC BY SA 3.0Die Sahrauis wurden früher als "die mit dem schwarzen Zelt" bezeichnet. Tatsächlich sind die Zelte weiß, um die Sonne und die Hitze zu reflektieren. Das Zelt ist eingerichtet wie eine Ein-Zmmer Wohnung. Natürlich steht auch der Teppichkehrer in der Ecke. Allerdings gibt es keine Tische. Man sitzt auf dem Boden und auch das Essen wird ebenerdig serviert, auf einem stilvollen Teppich!

Die Mauer der Scham 

Karte von Westsahara mit Mauer _ Ninane CC BY SA 3.0Marokko hat in den besetzten Gebieten eine 2 700 km lange Mauer errichtet, die teilweise mit Stacheldraht gesichert ist. Teilweise sind die Grenzgebiete vermint. Diese Mauer ist heute die längste der Welt. Die Sahrauis wurden damit ausgegrenzt aus ihrem Gebiet. Die Proteste der Bevölkerung halfen bisher nichts. Die Mauer erinnert an die unsägliche Mauer in Berlin, und daran, dass Mauern fallen. Auf der Karte erkennst du die Mauer an der roten Linie, die das blaue und das braune Gebiet trennt.

Westsahara heute

Sahraui mit Flagge (c) Michele Benericetti CC BY SA 2.0In der Vergangenheit gab es immer wieder Unruhen wegen der Besetzung durch Marokko. Anlass war nicht nur die Herrschaft über das Land. Es geht auch um den Ertrag aus den Erdölvorkommen in Westsahara. Die marokkanische Regierung in Rabat vergibt Bohrrechte an ausländische Firmen, die Westafrika gehören. Die Sahrauis bekommen kaum etwas ab von den Einkünften. So herrscht in dem Land kein Krieg, aber auch kein Frieden. Viele Bewohner sind vor den Kämpfen ins Ausland geflohen. In der Westsahara leben nur noch etwa 300 000 Menschen. Kurz hinter der Grenze, in Algerien, haben sie sich niedergelassen. Heute leben etwa 165.000 Sahrauis in Zeltstädten. Seit dreißig Jahren leben sie ohne Hoffnung auf Rückkehr. Es gibt kaum Ausbildungsmöglichkeiten und wenig Arbeit. Die Jungen haben keine Zukunftsperspektive. Viele ziehen weiter in die angrenzenden Länder oder versuchen nach Europa zu gelangen.

Schon gewußt? Auf offiziellen marokkanischen Karten findet sich kein Hinweis auf die Grenze zu Westsahara. Auf allen anderen Karten ist diese Grenze eingetragen.

Mehr über Afrika erfährst du in:

Der große Diercke Kinderatlas von Ulf Dr. Zahn, Achim Bröger und Johann Brandstetter

Der große Weltatlas von Philip Steele.

Das Bertelsmann Kinder Länderlexikon von Marcus Würmli und Ute Friesen

Meyers Länderlexikon für Kinder von Liane Apelt und Isabel Große Holtforth

Meine große Kinderwelt von Katja Baier

Kinder Weltatlas von Dorling Kindersley

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