Stell dir vor, du musst für ein Krokodil sorgen, es füttern und beschützen! Du würdest das sicher nicht gerne tun, denn Krokodile sind Vielfraße und exzellente Jäger. Sie können Menschen gefährlich werden, denn Menschen gehören zum Beuteschema der Reptilien. Sie lauern unter der Wasseroberfläche und verharren stundenlang völlig bewegungslos. Kein Wasserkräuseln verrät sie. Wenn sich ein größeres Lebewesen nähert, schießen sie plötzlich empor und schnappen mit ihren scharfen Zähnen zu. Doch die Bafokeng, ein südafrikanisches Volk, sind verpflichtet, Krokodile zu schützen und zu füttern. Sie dürfen sie nicht jagen und müssen sie vor Jägern aus anderen Gemeinschaften behüten. Die Bafokeng nannten sich ursprünglich Volk des Krokodils (baKwena) und noch heute verehren sie das Krokodil als Totem.
Viele afrikanische Häuptlinge oder Chiefs verzierten einst ihre Herrscherstühle oder Zepter mit ihren persönlichen Totems. Die meisten Totems sind Tiere wie die Antilope, der Löwe oder Leopard, das Krokodil, ein Vogel, ein Fisch oder sogar ein Insekt wie die Gottesanbeterin. Jedes Mitglied der Gemeinschaft war verpflichtet, das Totemtier zu beschützen oder sogar zu füttern. In afrikanischen Geschichten wird von großen Heldentaten berichtet. Einzelne tapfere Menschen setzten ihr Leben ein, nur um ihre Totems zu schützen. In einigen afrikanischen Gesellschaften wird heute noch das Totem geehrt und umsorgt.
Es ist von großer Bedeutung, dass die Lebensbedingungen für das Totem gut sind. Denn es wird als Teil der eigenen Art betrachtet. Wenn man ein Totem verletzt, so glaubt man, fügt man auch den Ahnen Schaden zu. Jeder wird bestraft, der das Totem eines einzelnen oder einer Gemeinschaft nicht respektiert. Daher haben afrikanischen Gemeinschaften, die an Totems glauben, ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein.