Apartheid in Südafrika

Südafrikanisches Mädchen vor Apartheidzeichen (c) earthlyissuesWann begann die Apartheid? Vermutlich nach dem zweiten Weltkrieg. Der Einfluss der europäischen Kolonialmächte schwand. Viele afrikanischen Länder erlangten um 1960 ihre Unabhängigkeit. Am 31. Mai 1961 wurde auch Südafrika unabhängig von der britischen Kolonialmacht. Die schwarzen Bewohner Südafrikas hofften auf eine gerechtere Welt, in der sie die Politik ihres Landes endlich selbst bestimmen durften. Doch die weißen Machthaber im Land unternahmen alles, um die schwarze Bevölkerung von der Regierung fernzuhalten.

 

Die Apartheid Gesetze

Getrennte Toiletten für Weiße und Nichtweiße (c) wikicommons Britische und niederländische Siedler vereinten sich, um die schwarzen Völker vom politischen Leben auszuschließen. Ihre Partei war die "National Party", ihre Politik zielte auf eine strenge Rassentrennung. Nach einer Volkszählung im Jahr 1950 wurden alle Südafrikaner in Schwarze, Weiße und sogar Farbige eingeteilt. Farbige waren Inder, Indonesier und Nachkommen von Paaren, von denen ein Partner weiß und der andere schwarz war. Eine verrückte Einteilung! Nicht-Weißen wurde der Zutritt zu bestimmten Gebieten untersagt. Der Kontakt zwischen Schwarzen und Weißen wurde verboten, Heirat unter Strafe gestellt. In öffentlichen Einrichtungen wurden die Menschen strikt nach Rassen getrennt. Schwarze Kinder durften nicht mit weißen Kindern die Schule besuchen. Die schwarzen Südafrikaner wurden in Homelands umgesiedelt. Die Homelands verlegte man in den Nordosten, in die landwirtschaftlich unfruchtbaren Gebiete. Nur mit Pass durften sich die Schwarzen in den übrigen Gebieten bewegen. Sie nannten diesen Ausweis "Dummenpass". Links im Bild ist ein Toiletten-Schild, auf dem Nicht-Weiße eine eigene Toilette zugewiesen bekommen. Selbst da sollten Weiße von Schwarzen getrennt sein.

Der Widerstand gegen die Apartheid

Die Gesetze der Weißen

Straßenszene in einem Homeland (c) Heinz Josef Lücking

 

Die Rassentrennung war ungerecht und entwürdigend. Sie machte die Südafrikaner mit schwarzer Hautfarbe zu Menschen zweiter Klasse. Schwarze wurden aus dem sozialen und politischen Leben ausgeschlossen. Kein Wunder also, dass die schwarze Bevölkerung immer wütender wurde. Männer und Frauen, Kinder und Jugendliche, alle nahmen am Widerstand gegen die Gesetze der weißen Regierung teil.

 

Aus einer Protestbewegung wird eine Partei

Nelson Mandela verbrennt den Die Widerstandsbewegung der Schwarzen bekam mehr Gewicht, als sich schwarze Widerstandskämpfer zusammen schlossen und eine Partei gründeten, den "African National Congress". Die Abkürzung lautete ANC. Der ANC wurde zur stärksten Gruppierung der schwarzen Bevölkerung. Der Anwalt Nelson Mandela schloss sich dem bewaffneten Widerstand der Jugendbewegung des ANC an. Er liess sich als Widerstandskämpfer ausbilden. Nelson Mandela, auf dem Foto rechts, verbrennt aus Protest gegen die Apartheid seinen Paß, den "Dummenpass". Er zeigte den Weißen auf diese Weise, dass sie ihn nicht daran hindern konnten, sich überall aufzuhalten, wo es ihm gefiel.

 

Nelson Mandela und die Jugendbewegung des ANC

Je radikaler die schwarze Bevölkerung aus dem sozialen und politischen Leben ausgeschlossen wurde, um so mehr wehrte sie sich dagegen. Die Jugendorganisation des ANC organisierte Protestmärsche, beschädigte Regierungsgebäude und sabotierte Industriebetriebe. Jeder Schwarze, der dabei fest genommen wurde, wurde hart bestraft. Nelson Mandela wurde er zu einer treibenden Kraft im bewaffneten Widerstand. Er war mutig und entschlossen, er konnte gute Reden halten und war beliebt. Bald wurde er zum Staatsfeind der weißen Regierung. Sie verfolgte Nelson Mandela, Spione wurden auf ihn angesetzt. Doch er war klug und gewann viele Mitstreiter und Freunde, die ihn schützten. Er floh von Versteck zu Versteck. Schließlich wurde er doch entdeckt und verhaftet. Nach einer langen Gerichtsverhandlung wurde er zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt. Denn er schwor der Gewalt nicht ab. Nelson Mandela landete hinter Gittern, lebenslang. Doch der Widerstand ging weiter.

 

Die Studentenproteste und das Massaker von Sharpville

1960 war ein schwarzes Jahr für die Widerstandsbewegung. In Sharpville erhob sich die schwarzen Studentenschaft gegen die Gesetze der Rassentrennung. Der Medizinstudent Steve Biko war eine Schlüsselfigur für die Schüler- und Studentenproteste. Er hielt flammende Reden gegen die Ungerechtigkeiten der weißen Regierung und organisierte Studentenproteste gegen die Regierung. Immer mehr folgten seinem Aufruf zum Widerstand. Für die Regierung wurde er gefährlich. In dem Protestmarsch der Studenten in Sharpville kam es zur Konfrontation mit den Polizeikräften der weißen Regierung. Die Polizei schlug die Jugendlichen mit brutaler Gewalt nieder. Es gab viele Tote. Steve Biko wurde jeder öffentliche Auftritt verboten. Biko hielt sich nicht an das Verbot, er kämpfte weiter für die Rechte der Schwarzen. Er wurde verfolgt, 1976 verhafteten ihn Polizeikräfte. Über 100 Tage war er in Haft. Er starb am 12. September 1977. Polizisten hatten ihn in seiner Zelle in Port Elizabeth zu Tode geprügelt. Peter Gabriel setzte ihm später mit seinem Song "Biko" ein musikalisches Denkmal; 1987 erschien der Film "Schrei nach Freiheit" von Richard Attenborough über Steve Bikos Leben.

 

Der Schüler-Aufstand von Soweto

Im Juni 1976 rebellierten Schüler in Soweto gegen das südafrikanische Regime. 10.000 bis 20.000 Teilnehmer von über 200 Schulen protestierten dagegen, dass sie nicht mehr in ihrer Volkssprache unterrichtet werden sollten. Die neue Unterrichtssprache war Afrikaans, die Sprache der weißen Apartheid-Regierung. Sie wurden dadurch benachteiligt. Aber sie wurden auch gedemütigt.  Durch die Straßen hallten Protestlieder, auf Schildern stand "Zur Hölle mit Afrikaans". Ihr Aufstand wurde blutig niedergeschlagen. Hunde wurden auf die Demonstranten gehetzt. Chaos brach aus, Schüsse fielen. Eines der Opfer war der 12jährige Hector Pieterson. Er hätte nicht an den Demonstrationen teilnehmen dürfen. Sie war für die Schüler der Oberstufen geplant. Ein Fotograf hielt die letzten Augenblicke von Hector Pieterson fest. So wurde der junge Schüler zum Helden der Anti-Apartheid-Bewegung. Der Schüleraufstand von Soweto war der Anfang vom Ende der Apartheid-Regierung. Links im Bild ist Hector Pieterson zu sehen, der bei dem Aufstand von der südafrikanischen Polizei erschossen wurde. Neben ihm ist seine Schwester.

Schon gewusst? Der Tag des afrikanischen Kindes am 16. Juni ist den Schülerinnen und Schülern des Aufstands von Soweto gewidmet.

Protestbewegungen im Ausland

Auch im Ausland wuchsen die Proteste gegen die Apartheid. Politiker, Künstler und Popgruppen solidarisierten sich mit Nelson Mandela und den südafrikanischen Freiheitskämpfern. 1974 wurde das Apartheidregime von Südafrika aus der Weltgemeinschaft ausgeschlossen. Es war ein wichtiger Schritt. Trotzdem vergingen noch 15 Jahre, bis die schwarze Bevölkerung von Südafrika wieder Herr im eigenen Land wurde. 1990 wurde die weiße Minderheitsregierung gezwungen, die Gesetze der Rassentrennung abzuschaffen.

Das Ende der Rassentrennung

Schwarze und weiße Kinder werden wieder zusammen unterrichtet (c) history commons 1990 kam Friedrich William de Klerk von der National Party an die Macht. Unter seiner Regierung wurden schwarze Parteien legalisiert. Alle inhaftierten Widerstandskämpfer wurden entlassen. Unter ihnen befand sich Nelson Mandela, nun 72 Jahre alt. Er verliess am 11. Februar 1990 mit erhobener Faust das Gefängnis. Er war zum Symbol des Widerstandes geworden. Nach 27 Jahren Haft zeigte er, dass der Kampf noch nicht zu Ende ist. Die Homelands wurden abgeschafft, die Verbotszeichen für Schwarze aus der Öffentlichkeit verbannt. 1994 wurde die Verfassung neu geschrieben, freie Wahlen wurden abgehalten. Die schwarze Bevölkerung konnte zum ersten Mal an der Wahlurne entscheiden, wie die Zukunft aussehen sollte. Sie wählte Nelson Mandela zum ersten schwarzen Präsidenten ins Amt. Es war ein Triumph ohnegleichen. In ganz Südafrika herrschte Volksfeststimmung.

Der Roman Im Schatten des Zitronenbaumes von Kagiso Lesego Molope erzählt über die Schule am Ende der Apartheid

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