Die Griots, die afrikanischen Geschichtenerzähler

Griot in Westafrika (c) Katja Gilaberte

Wie können Voelker über viele Generationen hinweg Informationen bewahren, ohne sie nieder zu schreiben? In Afrika südlich der Sahara gab es vor der Kolonialzeit keine Schrift. Die Afrikaner hatten deshalb Gedächtniskünstler. Jede Gemeinschaft, jedes Dorf hatte seinen professionelle Erzähler, der nichts anderes zu tun hatte als Geschichten zu bewahren und zu erzählen. In Westafrika nennt man diese Profis Griots, sie erzählen wahre Geschichten und kennen tausende Märchen.

Der einträgliche Beruf des Geschichtenerzählers

Griots sind bestrebt, mit Lob ihre Kasse aufzubessern. Doch sie können scharfzüngig sein, wenn sie an  Geizhälse geraten. Sie üben Kritik an den Reichen und Mächtigen, die auf das einfache Volk herabsehen. Jeder Griot hat einen Lehrling, dem er die Kunst des Gedächtnistrainings beibringt, ihn lehrt eines oder mehrere Instumente zu spielen und ihm die Geschichten des Volkes und der Familien vermittelt. Die meisten beginnen schon als Kinder die Lehre bei einem Griot.  Sie müssen viele Jahre lernen, bis sie selbst ein professioneller Griot sind.  

Die Griots - die Berater der Mächtigen

Griot in Niger (c) RolandIn früheren Zeiten hatte jeder Fürst einen Griot in Diensten, der ähnlich wie heute ein PR Berater das öffentliche Bild einer Herrscherfamilie prägte. Er rührte für sie die Werbetrommel oder schirmte sie vor der Neugier der Untertanen ab. Der Beruf des Griots wird von den Vätern auf die Söhne und von den Müttern auf die Töchter übertragen. Sie sollen dafür sorgen, dass künftige Generationen die Herkunft des Clans, dessen Wahlspruch, Wappen und Totems bewahren und ehren.

Mehr über Totems

Griots sind Erzähler und Musiker

Die Kora (c) Steve EvansGriots beherrschen mehrere Instrumente wie Trommeln, Holzflöten, das Balafon, das ähnlich klingt wie unser Xylophon, oder die Kora, die afrikanische Harfe. Eine Geschichte, die jeder Griot erzählt, ist die über den Löwenkönig Sundiata Keita