Kairo - das Zentrum der arabischen Welt

Kairo war einst ein Karawanenlager in der Nähe von Memphis, der Hauptstadt des Alten Ägyptischen Reiches. Hier hatten arabisch-islamische Truppen ein Heereslager aufgeschlagen. Der ehemalige sizilianische Sklave Dschauhar, ein erfolgreicher Feldherr, legte an diesem Ort im Jahr 969 den Grundstein für eine Residenzstadt. Dschauhar war zum Islam übergetreten und wollte mit der Stadt ein Siegeszeichen der neuen Religion setzen. Ab diesem Zeitpunkt entwickelte sich Kairo zum Zentrum der arabischen Welt. Memphis als Zentrum des Alten Ägypten verlor seine Bedeutung. Heute erstreckt sich Kairo zwischen den Pyramiden am westlichen Stadtrand und der Mohammed-Ali Moschee auf der Zitadelle am östlichen Stadtrand. Im Zentrum befindet sich der Sitz der ägyptischen Regierung, des Parlaments und aller religiösen Behörden. Kairo ist auch der bedeutendste Verkehrsknotenpunkt Ägyptens.

Die Innenstadt besteht aus einem traditionellen und einem modernen Teil

Kairo nahe dem Khan el-Kahlili Markt (c) Dennis ArcherKairo ist eine Megastadt voller Leben und Geschichten. Von ihrem quirligen Millionenchaos bleibt niemand unberührt. Am Morgen erschallen die Rufe der Muezzins von den hoch aufragenden Minaretten. Bald drauf erwacht das geschäftige Kairo. Zu den Hauptverkehrszeiten steht die Stadt kurz vor dem Infarkt. Abends sind die Straßencafes bevölkert von Studenten, Händlern oder Touristen aus aller Welt."Paris entlang des Nils" wird das Stadtzentrum Kairos genannt. Nach westlichem Vorbild wurde die Innenstadt im 19. Jahrhundert modernisiert. Bis heute bestimmt der westliche Lebensstil das Zentrum. 

Das moderne Kairo - der Tahrir Platz

Der Tahrir Platz am frühen Morgen (c) Frank SchulenburgDas Herz der jungen Stadt schlägt am Tahrir Platz, der vor zwei Jahrhunderten angelegt wurde. Der Tahrir Platz und die Straßenzüge darum herum wurden nach Pariser Vorbild konstruiert. Selbst die U-Bahn ist ähnlich wie die Pariser Metro gebaut. Der Tahrir Platz ist riesig, und nur im Morgengrauen liegt er so ruhig da wie auf dem Foto links. Hier führen die Verkehrsströme der modernen Stadt zusammen. Rund um den Platz finden sich große Universitäten und Hochschulen, Theater, Museen wie auch einige Baudenkmäler. Moderne Gebäude stehen neben Wohnpalästen aus dem vorigen Jahrhundert. Hier kannst du das große Ägyptische Museum besuchen, eine Schatzkammer voller Altertümer auf der Zeit der Pharaonen. Auf diesem Platz versammelten sich vor zwei Jahren die jungen Ägypter, die gegen das alte, autoritäre Regime protestierten. Der "Arabische Frühling" hat die Regierung von Ägypten verändert. 

Alt-Kairo - Leben zwischen Gräbern

Straße in der Kairoer Innenstadt (c) Joonas PlaanIm Süden des Großraums Kairo liegt Alt-Kairo. "Kairo ist die Metropole des Universums," schrieb ein arabischer Historiker vor 600 Jahren. Tatsächlich gibt es in keiner anderen afrikanischen Stadt so viele Kirchen, Museen, historische Stätten und Moscheen. In Alt-Kairo befindet sich etwas Außergewöhnliches, es ist die "Stadt der Toten". Zwischen Grabmälern stehen Häuser, die bewohnt sind. Etwa eine halbe Million Menschen dort leben ganz selbstverständlich inmitten jahrhunderte alter Gräber und finden das normal. Hier schlafen und essen sie, hängen ihre Wäsche auf und feiern ihre Feste. Die meisten haben hier ihre Angehörigen begraben und werden sich dereinst auch hier bestatten lassen. Hier befindet sich Qasr esch-Schama, die "Festung der Kerzen". Die Christen Ägyptens, die sich Kopten nennen, zogen sich in diese Festung zurück, als die Araber Ägypten eroberten. In diesem christlichen Bezirk befinden sich mehrere prächtige Kirchen. In dem Ortsteil soll sich eine der bekanntesten Geschichten der Bibel zugetragen haben. Nach der Überlieferung haben sich hier Josef und Maria mit dem Jesuskind auf ihrer Flucht nach Ägypten in einer kleinen Höhle versteckt.

Die Zitadelle und die Moscheen von Kairo

Die Zitadelle von Kairo ist eines der bedeutendsten Bauwerke von Kairo. Sie befindet sich auf einer Anhöhe östlich vom Nil. Die Zitadelle wurde 1176 von dem Ayyubidenkönig Salah al-Din erbaut, um Kairo gegen die Angriffe der Kreuzritter zu verteidigen. Später war sie Residenz der Sultane der Mamelukenzeit und noch später der Sitz osmanischer Paschas. Als der Palast der Zitadelle durch eine Explosion zerstört wurde, baute Muhammad Ali statt dessen eine Moschee, die Mohammed Ali Moschee, die auch Alabastermoschee genannt wird, denn die Innenwände sind mit Alabaster verkleidet.

                              

Das arabische Kairo umfasst das Gebiet rund um die Al Azhar-Moschee und andere arabische Gotteshäuser. Die Al Azhar-Moschee findest du unten rechts im Bild. Ihre hohen Minarette sind nicht zu übersehen. Die Mohammed Ali Moschee - links unten im Bild - ist die prächtigste Moschee der Stadt. Sie ist Teil der Zitadelle. Die älteste Moschee ist die Amr Ibn al As Moschee in der Bildmitte.

Mohammed Ali Moschee in Kairo (c) Kallerna

Amr Ibn Al As Moschee (c) Buyoof

Al Azhar Moschee (c) Tentoila

 

 

 

 

 

 

 

Die Altstadt von Kairo mit ihren alten kirchlichen Bauwerken ist so bedeutend, dass sie zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

 

Kairo und der größte Basar Afrikas

Kairo, Chan el-Chalili (c) Poco a pocoDer Khan el-Khalili ist ein bunter, turbulenter Basar in der Altstadt von Kairo. Er gilt als der größte Markt Afrikas. Der Markt wurde im 14. Jahrhundert auf dem Gelände eines ehemaligen Friedhofs gegründet. Der Name geht auf seinen Bauherrn zurück, den Emir Dscharkas al-Chalili. Der Markt entführt in die Welt von TausendundeinerNacht. Er ist ein riesiges Labyrinth, in dem man sich leicht verirren kann.  Er besteht aus einer Vielzahl von engen Gassen, Durchgängen, Treppen und Plätzen, ein Laden reiht sich an den anderen. Auf dem Basar erhält man wirklich alles: Stoffe, Lampen, Gewürze, Teppiche, Kleider, Schmuck und vieles mehr. Fliegende Händler bieten Getränke, Gebäck, Eis und Obst. An jeder Ecke steht ein Wasserverkäufer. Überall gibt es einladende Kaffeehäuser. Die Kaffeehäuser sehen etwas anders aus als bei uns, überall dampft und zischt es, viele Männer rauchen die ägyptische Wasserpfeife.

Die Zabbaleen - die Müllsammler von Kairo

Die Zabbaleen oder auch „Müllmenschen“, wie sie genannt werden, gibt es seit etwa achtzig Jahren. Sie siedeln an den Rändern der Stadt. Die größte Siedlung befindet sich in Mokattam, die auch "Müllsiedlung" genannt wird. Wie du dir vorstellen kannst, entstehen in einer Stadt mit 20 Millionen Einwohnern Berge von Müll. Ärmere Bewohner begannen, die immer größer werdenden Anteile aus technischem und Plastikmüll zu sammeln und wieder zu verwerten. Sie arbeiten ganz ähnlich wie unsere Müllmänner.

Die Müllsammler von Kairo (c) Mathhias Feilhauer

Jungs sammeln Müll im Kairoer Stadtteil Moqattam (c) Ayoung Shin

 

 

 

 

 

 

 

Etwa  70 Tausend Müllsammler leben seit mehreren Generationen vom Müllsammeln und Trennen. Sie ziehen mit Eselskarren oder alten Lastern von Haus zu Haus. Sie sind wahre Sammelkünstler, denn sie schaffen es, etwa 80 Prozent von dem gesammelten Müll wieder zu verwerten. Sie sind damit weit effektiver als unsere Müllmänner. Die bringen es nur auf etwa 25 Prozent von wieder verwertbarem Abfall.

Kairo - eine Stadt für Kinder?

Kairo ist eine Megastadt wie Mumbai (Indien), Mexiko Stadt oder Manila (Philippinen) mit einigen reichen und sehr vielen armen Bezirken. Kinder stellen die Mehrzahl der Bewohner Kairos dar. In den reichen und wohlhabenden Bezirken gibt es gepflegte Wohnhäuser, Spielplätze und Kindergärten. Die Schulen sind oft sehr gut ausgestattet. In Kairo wurde sogar ein Museum für Kinder gebaut, wo sie kreativ sein können und mit vielerlei Spielzeug experimentieren könnnen.

Kinder in Schuluniform in Kairo (c) Freundeskreis Afrika

Straßenkinder in Kairo (c) Abeer Almadawy

 

 

 

 

 

Obwohl in Kairo sehr viele Kinder wohnen, ist die Stadt nicht für Kinder gemacht. Nach neuesten Schätzungen leben etwa 800 000 Kinder auf der Straße. Vielleicht sind sie von zu Hause ausgerissen, vielleicht haben sich die Eltern getrennt und niemand kümmert sich mehr um sie. Es gibt sehr wenige Heime für elternlose Kinder. Deshalb müssen diese Kinder ihr Leben mit niedrigen, zum Teil auch mit schrecklichen Arbeiten bestreiten. Sie werden von älteren Kindern und Erwachsenen ausgebeutet. Sie schlafen in den Straßen, hausen in verlassenen Häusern oder am Rand von Abwasserkanälen. Es ist die düstere Kehrseite der meistbesuchten Stadt der Welt.