Wirtschaft und Bodenschätze

Ghanas Wirtschaft ist in den letzten beiden Jahrzehnten gewachsen. Das Land besitzt vielfältige Bodenschätze und reiche  Ressourcen. Digitale Technologiegüter werden produziert und exportiert. Der Automobil- und Schiffsbau wächst und zahlreiche Kohlenwasserstoffe und Industriemineralien werden exportiert. Die Landwirtschaft ist modernisiert worden, Fischerei ist einträglich und das traditionelle Handwerk wird wertgeschätzt.

Landwirtschaft

 Fast die Hälfte der Ghanaer arbeitet in der Landwirtschaft oder lebt vom Fischen. Kakao, Zuckerrohr, Kaffee, Tee und Kautschuk werden exportiert. Kakao macht dabei den größten Teil aus. Ghana ist weltweit sogar der zweitgrößte Produzent von Kakao. Die Mehrzahl aller Kleinbauern lebt vom Anbau der Bohne. Und viele Kinder helfen bei der Ernte. Die Löhne sind leider mickrig. Ein Kakaobauer verdient nur 50 Cent am Tag. Deshalb wandern immer mehr Bauern in die Städte ab und hoffen, dort besser zu verdienen. Die Kinder rechts im Bild verkaufen geräucherte Makrelen, die ihre Väter gefangen haben.

Schon gewusst? Viele Nahrungsmittel werden importiert. Beispiel Hähnchen: Die Hähnchenzucht war eine der großen Stützen der Landwirtschaft. Doch sie ist mittlerweile fast völlig zusammengebrochen. Warum? Weil die EU Fleisch nach Afrika verschifft, das billiger ist als das der einheimischen Bauern. Wieso ist das europöäische Huhn billiger ist als das afrikanische? Die europäischen Staaten fördern landwirtschaftliche Produktion mit Steuergeldern. Sinnvoll ist das nicht immer.

Bodenschätze

FischerbootFrüher nannte man Ghana  "die Goldküste", denn in den Böden und Flüssen fand man riesige Goldvorkommen. Ghana ist außerdem reich an Erdöl, Diamanten, Mangan und Bauxit. Der Goldreichtum des Landes war der Grund, weshalb europäische Staaten im 19. Jahrhundert die Herrschaft über Ghana an sich rissen. Auch heute ist der Goldbergbau sehr wichtig. Mit dem Export von Gold erzielt Ghana die meisten Einkünfte. Leider befindet sich dieser Wirtschaftszweig überwiegend in der Hand von ausländischen Investoren. Der ghanaische Staat erhält lediglich einen Anteil von 10 Prozent. Das schlimme daran ist, dass die Menschen im Bergbau rücksichtslos ausgebeutet werden und die Natur zerstört wird. Zur kostengünstigen industriellen Förderung greifen die meisten Minenbetreiber zu Quecksilber und Zyanid. Damit wird das Grundwasser verseucht und das Leben von Menschen und Tieren bedroht. Regeln zum Umweltschutz wären dringend notwendig, doch die Regierung kümmert sich nicht sehr darum. Die Industrie ist nur wenig entwickelt. Sie umfasst Nahrungsmittelerzeugung, Holzverarbeitung, Textil- und chemische Industrie.

Handwerk

Das traditionelle Handwerk wie Weberei, Metallverarbeitung, Schnitzerei und Töpferei ist sehr verbreitet. Vor allem die bunten Kente-Stoffe sind in ganz Afrika begehrt. Das Volk der Ashanti und das Volk der Ewe sind in Ghana und darüber hinaus für die Kente-Weberei bekannt. Die aus gefärbten Baumwollfäden hergestellten schmalen Webstreifen werden zu einem großen Kente-Stoff zusammengenäht. Früher war dieser Stoff den Königen vorbehalten. Geometrische Muster, kombiniert mit Motiven aus der Natur wie Fischen, Früchten oder Vögel sind die Basis der Kentestoffe, wie sie vom Volk der Ewe hergestellt werden. Die Weber der Aschanti stellen dagegen häufig Sprichwörter oder besondere Ereignisse dar. Diese Unterscheidung hat sich bis heute erhalten. Übrigens nicht nur dort! In Europa, besonders in den Niederlanden, werden teure Kentestoffe zu europäischer Kleidung verarbeitet.

Ghana und der wirtschaftliche Aufschwung


Die Regierung hat viel für die wirtschaftliche Entwicklung getan und auch einige Erfolge erzielt. Das Durchschnittseinkommen ist in den letzten Jahren gestiegen. Derzeit liegt es im Jahr bei umgerechnet etwa 4.700 US $. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass ein Brot etwa 0.40 US $ kostet und 12 Eier etwa 1,78 US $. Ein Essen im Restaurant für 2 Personen kostet etwa 15 - 16 US $. Die Bevölkerung Ghanas ist nicht arm, aber nur ein Verdiener kann keine Familie mit vier Kindern ernähren. Fast alle Frauen arbeiten mit, viele von ihnen im sogenannten informellen Bereich. Sie arbeiten als Haushaltshilfe oder sie verkaufen auf den Märkten das, was sie auf ihren Feldern erzeugen. Die Kehrseite des beginnenden wirtschaftlichen Aufschwungs im Land ist, dass viele Kinder mit Hilfsjobs zum Familieneinkommen beitragen.

Kinderarbeit auf den Schrottplätzen

Ghana ist einer der wichtigsten Lagerplätze für Elektroschrott aus aller Welt geworden. Der riesige Müllplatz in Agbogbloshie am Stadtrand von Accra gehört zu den größten in Afrika. Der Handel dieser Umwelt schädigenden Ware entlastet zwar die Industrieländer. Doch er bietet illegalen Geschäftsleuten vielfältige Möglichkeiten, sich den relativ strengen Auflagen in Europa zu entziehen. In Ghana gibt es jedoch kaum Vorschriften zur Verwertung von Elektroschrott. Kinder und Jugendliche sortieren den Elektroschrott und verdienen mit dem Verkauf von Batterien und anderen Teilen von Elektroschrott Geld. Gestank, Rauch und die Vergiftung der Luft und des Grundwassers hält sie nicht davon ab. Denn sie müssen ihre Familien unterstützen. Händler kaufen ihnen die freigesetzten Metalle für einige wenige Cedi ab. Für die Jugendlichen aus den Slums gibt es sonst nur wenige Möglichkeiten, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Eine wichtiges Herkunftsland von Elektroschrott und Altbatterien ist übrigens Deutschland. Wir sollten also darauf achten, wieder aufladbare Batterien zu verwenden.

Schon gewusst? Um die Menschen in Ghana wie auch in anderen Schwellenländern nicht über die Maßen auszubeuten, wurde das Fairtrade-Zeichen eingeführt. Produkte mit diesem Siegel sichern zu, dass die Lebensbedingungen von Bauern verbessert werden.