Der Niger, der schwarze Fluss

Karte vom Nigerverlauf (c) Astrokey44Der Niger ist der drittlängste Fluss Afrikas. Er entspringt im Bergland von Guinea und fliesst in einem Halbkreis durch Westafrika, bevor er in den Atlantik mündet. Er ist 4180 km lang und bildet die Lebensader von Westafrika. Tatsächlich ist der Niger der wichtigste Verkehrsweg zwischen der Sahara, dem Sahel und den tropischen Wäldern in Zentralafrika.

Der schwarze Fluss

Der Name Niger stammt vermutlich von dem lateinischen Wort niger, das schwarz bedeutet. Schon Ptolemäus berichtet über den „schwarzen Fluss“. Die Farbe stammt von dem Schlamm, der einmal im Jahr durch die Überschwemmungen an den Ufern und Tälern angeschwemmt wird. Dann bewässert der Niger in einem riesigen Binnendelta die trockenen Savannen im Sahelgebiet.

                Niger bei Port de Macina (c) C.hugues

Der Niger durchläuft fünf Länder: Guinea, Mali, Niger, Benin und Nigeria.

Flusspferde im Niger

Im oberen Niger ist der Fluss schiffbar. In kleinen Pirogen gehen die Männer auf Fischfang. Sie müssen auf der Hut sein, denn Flusspferde stellen eine große Gefahr für kleine Boote dar. Wenn ein Fischer ihrem Revier zu nahe kommt, tauchen die Flusspferde plötzlich auf und können das Boot schnell zum kentern bringen. In der Gegend von Mopti, dem "Venedig Afrikas" fliessen der Bani und der Niger zusammen. Der Fluss zerstreut sich in einem riesigen Binnendelta.

             

Das Land ist hier so flach, dass sich das Wasser in unzähligen Armen und Rinnsalen verliert, bevor es sich am Ende als großer Strom Richtung Norden wendet.

Der Nigerbogen reicht bis an den Rand der Sahara

Im Bereich des „Nigerknies“ verkehren keine Schiffe, denn der Fluss ist hier ganzjährig einfach nicht tief genug. In einem Bogen gelangt der Niger bis an den Rand der Sahara, in die Nähe der Wüstenstadt Timbuktu. Erst ab einem Hafen in der Nähe von Timbuktu setzt der Schiffsverkehr wieder ein. Hier befindet sich ein wichtiger Knotenpunkt für den Salzhandel.

Salzverkauf in Mopti (c) Robin Taylor

Salzkarawane (c) Holger Reineccius

Fähre auf dem Niger (c) Albert Backer

Im Hafen von Timbuktu wird Salz, das die Karawanen der Tuareg aus den Salzseen von Touadennie durch die Wüste transportierten, in Schiffe verladen und in den Süden transportiert. Hier macht der Fluss einen Knick und fliesst munter nach Süden.

Der Niger im Sahel - vorbei an Dörfern und Hirsefeldern

Der Niger zieht an Dörfern vorbei, die häufig überragt sind von weiß verzierten Lehmmoscheen. Dazwischen tauchen Hirsefelder auf, Mangohaine und Baobab-Bäume mit ihren wuchtigen Früchten. Eisvögel und Milane, Fischreiher und Kormorane jagen nach Fischen.

Der Niger in Mali (c) upyernoz

Frauen waschen am Fluss (c) Ferdinand Reus

 Eine Herde durchschwimmt den Niger (c) Ferdinand Reus

Auf dem linken Foto siehst du Fischer in Mopti, Mali. In den Dörfern entlang dem Niger waschen Frauen ihre Wäsche im Fluss. Holzhändler transportieren Buschholz in die Dörfer. Wanderhirten treiben ihre Ziegen- und Rinderherden am Ufer des Niger entlang oder treiben sie durch den Fluss ans andere Ufer wie auf dem Foto oben rechts.

Brücken über den Niger

Bisher überspannen lediglich 7 große Straßenbrücken den Fluss. Die meisten Brücken wurden in Nigeria gebaut, und davon wiederum gibt es allein 3 in Lagos. Sie verbinden das Festland von Lagos mit den Inseln Lagos Island, Ikoyi und Victoria Island. Eine weitere Nigerbrücke verbindet die Städte Asaba, Delta State und Onitsha, Anambra State, im Süden Nigerias. Die Kennedybrücke in Niamey, Niger, wurde 1970 eröffnet. Sie wurde nach dem amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy benannt und von den Vereinten Nationen finanziert. Die Kennedybrücke bot über 40 Jahre lang die einzige Möglichkeit, in der Stadt den Fluss zu überqueren, abgesehen von Pirogen, die früher hier verkehrten.

                

Auf dem Foto oben siehst du die Kennedy Brücke in der Stadt Niamey, Niger.

Flussnomaden und Wassertaxis

Das Wasser des Niger wird für die Bewässerung der Felder und für Stromerzeugung genutzt.  Auf seinem langen Weg von der Quelle in Guinea bis zur Mündung im Atlantik ermöglicht der Niger mit seinen Nebenarmen den Reis- und Hirseanbau in fünf Ländern. Mit seinem Nebenfluss Pendjari sichert er den Erhalt ausgedehnter Wildparks und Naturschutzgebiete. Wegen seiner vielen Stromschnellen eignet er sich nur abschnittsweise für die Schifffahrt.

               Flussnomaden auf dem Niger (c) Heinrich Böll Stiftung

In Nigeria wird der Fluss immer tiefer und breiter. Er durchfliesst dichte, tropische Wälder. Je mehr du südwärts auf dem Niger reist, um so mehr Flussnomaden begegnen dir. Die Nomaden leben in Booten auf dem Niger und treiben Handel mit Waren aus dem Norden und "Bushmeat" aus dem Süden. Als Bushmeat bezeichnet mit Fleisch von Wildtieren aus den Regenwäldern Nigerias. Schließlich verteilt sich der Fluss in viele Arme und bildet ein riesiges Delta, bevor er am Golf von Guinea in den Atlantik mündet. Das von ihm bewässerte Nigerbecken ist dreimal so groß wie Frankreich.

Legenden rund um den Niger

Die Völker am Niger erzählen Legenden über den Fluss und seine Götter, denn er speist das Leben in Westafrika. Der Afrikareisende Michael Obert hat eine Legende über den Wassergott Gboloma gesammelt, der über die Quelle des Niger herrschen soll. Sie besagt, dass Gboloma all die, die über seine Quelle springen, mit seiner Rache verfolgt. Deshalb befolgen alle Bewohner der Flussufer die Gesetze der Götter des Nigers.