Geschichte des Sudan

 

Taharqa, einer der letzten schwarzen Pharaonen

Im heutigen Sudan entwickelte sich vor mehreren tausend Jahren das antike Nubien. Es reichte vom 1. Nilkatarakt bis weit nach Süden. Im legendären Goldland Kusch vertrieben um 900 v. Christus schwarzafrikanische Fürsten die ägyptischen Herrscher. Sie errichteten ein Imperium, das zeitweilig das ägyptische noch übertraf. Im Laufe der Jahrhunderte versank Kusch im Wüstensand. Erst allmählich werden die Monumente von Sudan wieder ausgegraben. Zahlreiche Pyramiden, prachtvoll geschmückte Grabkammern, gewaltige Ruinen von Palästen und Tempel zeugen von dem einstigen Königreich. Seine Fürsten, einst versklavt von den Pharaonen, schüttelten die Fremdherrschaft ab und eroberten das ägyptische Weltreich.

Sudan, das Land "der Schwarzen"

Sudan bedeutet im Arabischen „Land der Schwarzen“. Tatsächlich herrschten Araber viele Jahrhunderte über die schwarzafrikanischen Völker im Sudan. In einem langen Bürgerkrieg befreiten  sich die Sudanesen von der arabischen Vorherrschaft. Der Krieg endete mit der Unabhängigkeit von Südsudan im Juli 2011. Kaum zu glauben, dass hier in der Nubischen Wüste einst eines der größten Handelsreiche der Antike lag. Das antike Nubien war ein ein schwarzafrikanisches Handelsreich, das über riesige Goldvorkommen verfügte. Sein Reichtum an Gold und der Sklavenhandel machte Nubien zu einem wichtigen Handelspartner von Arabien und Ägypten.

               Pyramidenfriedhof in Meroe, im früheren Königreich Kusch (c) Humboldt Universtität Berlin

Auf dem Foto oben siehst du den Pyramidenfriedhof in Meroe, im früheren Königreich Kusch Die ägyptischen Pharaonen eroberten Teile von Nubien und beherrschten Jahrtausende lang den Norden des Reiches. Doch die Fürsten Nubiens lernten von den Ägyptern die Kriegskunst. Sie kopierten ihre Waffen und wurden sehr mächtig.

Der Aufstieg des Königreiches Kusch

Der kuschitische Pharao Aspelta (c) Keith Schengili RobertsDer ägyptischen Pharao Tutmosis III. legte den Grundstein für das spätere Königreich Kusch. Etwa 1450 vor Christus erweiterte er das ägyptische Imperium in den Süden und gründete am Berg Barkal, im heutigen Sudan, die Stadt Napata. 400 Jahre danach übernahmen nubische Herrscher in Napata das Zepter und herrschten zeitweise über ganz Ägypten. Mit der Christianisierung zwischen dem fünften und sechsten Jahrhundert verdrängten christliche Königreiche das alte Königreich. Vieles von Kusch ist im Sand der Wüste verschwunden. Der Berg Barkal mit der historischen Stadt Sanam birgt noch heute die Überreste des Königreiches von Kusch.

Naqa ist eine weitere Ruinenstätte im heutigen Sudan, die von der Größe des einstigen Königreiches zeugt. Sie ist eine der größten des Landes und lässt auf eine bedeutende antike Stadt Stelle schließen. Zeitgleich mit dem Ptolemäerreich und den römischen Kaisern war sie rund ein halbes Jahrtausend eines der Zentren des Köngreiches von Meroe.

Mehr über das Königreich von Kusch

 Sudan wird islamisch

Madhist im Kalifenhaus in Omdurman (c) wikimediaOsmanische Vizekönige errichteten im 19. Jahrhundert ihre Herrschaft über Sudan. Sie gründeten am Zusammenfluss des Blauen und Weißen Nils ein Militärlager, das spätere Khartum. Der Islam verdrängte die christlichen Königreiche. Zur weiteren Islamisierung trägt das Sultanant von Sannar bei, das zwischen 1504–1821 bestand. Sudan wurde immer mehr von der arabischen Kultur beeinflusst. Im frühen 19. Jahrhundert begannen die osmanischen Vizekönige von Ägypten die Herrschaft vom Sudan zu übernehmen. Doch im Land erstarkte die islamische Bewegung des Führers Muhammad Ahmad, genannt Mahdi. Unter dem Mahdi Aufstand zog sich Ägypten zurück. Das Kalifat von Omdurman bildete die erste nationale sudanesische Regierung. Unter dem Kalifat von Omdurman erlebte Sudan im 19. Jahrhundert eine Blütezeit. Der neue Reichtum kam jedoch nicht der schwarzafrikanischen Bevölkerung zugute.

Sudan gerät unter britisch-ägyptische Herrschaft

Hafen von Port Sudan (c) solagraciaEnglands Hunger nach Kolonien im Osten Afrikas war unersättlich. Sudan mit seinen Häfen am Roten Meer war ein wichtiger Handelsplatz für den Warenaustausch mit Arabien und Indien. 1898 eroberte eine britische Streitmacht unter ägyptischer Beteiligung den Sudan. Gemeinschaftlich herrschten Ägypten und Großbritannien über das Land. Doch Ägypten war nur ein Juniorpartner. Faktisch bestimmten die britischen Kolonialherrscher. Die Häfen wurden ausgebaut, Karthum zu einer modernen Großstadt ausgebaut und die Landwirtschaft wurde intensiviert. Vor allem ging es den Engländern um den Anbau von Baumwolle, das wichtigste Exportgut für England. Bis 1953 blieb der Sudan unter  britischer Herrschaft. Nach einer Volksabstimmung wurde drei Jahre später, am 1. Januar 1956, die Republik Sudan ausgerufen. 

 

Jahre der Putsche und Revolutionen

Die neuere Geschichte des Sudans ist geprägt von Instabilität und Rivalitäten. es wurde mehrfach versucht, eine Demokratie im Sudan einzuführen, was aber am Machtanspruch korrupter und brutaler Regimes scheiterte. Nach der Unabhängigkeit wurden 1958 die ersten Wahlen abgehalten. Militaristen kamen an die Macht, die durch Putsche wieder abgesetzt wurden. Dann übernimmt die Nationale Union die Regierung. Nach einem erneuten Putsch übernimmt 1969 der Oberst Dschafar Numeiri die Macht. Er regiert das Land von 1971 bis 1985.

 

Jahre der Diktatur

Der islamisch orientierte Omar Hasan Ahmad al-Baschir übernimmt bei einem Militärputsch mit seinem Revolutionären Kommandorat (RCC) 1989 die Macht. Er wurde 1993 der Staatspräsident des Sudan. Er regiert mit harter Hand 30 Jahre lang. Die schwarzafrikanischen Völker im Süden und Westen des Landes werden unterdrückt. Es kommt zu Aufständen, die al-Bashir niederschlagen lässt. In einem langen, erbitterten Bürgerkrieg versuchen sich die Südsudanesen von der arabischen Vorherrschaft zu befreien. Der Krieg wurde beendet mit dem Beschluss, Nord- und Südsudan in zwei autonome Länder zu unterteilen. Am 9. Juli 2011 erlangt der Südsudan nach einem Referendum die vollkommene Unabhängigkeit. Im Westen von Sudan, an der Grenze zu Tschad, liegt Darfur. Hier leben die Fur und andere schwarzafrikanische Völker. Einst war Darfur ein Zentrum des Sklavenhandels. Im 21. Jahrhundert geschah hier der erste Völkermord. Die dortige Bevölkerung hatte sich gegen Unterdrückung gewehrt. Insbesondere zwei Rebellengruppen erhoben sich gegen die Regierung. Ein Bürgerkrieg brach aus. Daraufhin beginnt Omar al-Bashir 2003 einen Feldzug gegen die dort lebenden Völker mit Luftbombardements und Bodenangriffen. Über 300 000 Menschen kommen dabei um, und drei Millionen Menschen werden vertrieben. Al-Bashir wird vom internationalen Strafgerichtshof des Massenmordes beschuldigt. Er bleibt weiter an der Macht

Ende der Diktatur im Sudan

Nach 30 Jahren endet die Diktatur von Omar al-Baschir im Sudan. Am 11. April 2019 wird der bisherige Machthaber bei einem Militärputsch verhaftet und abgesetzt. Seitdem herrscht das Militär. Der Militärrat und das Oppositionsbündnis Forces of Freedom and Change verhandeln über eine Übergangsregierung. Der Militärrat beansprucht für sich das Recht, in der Übergangszeit zu regieren. Die Opposition verlangt jedoch, eine zivile Regierung müsse den Sudan in die Demokratie führen. Die Menschen im Sudan begleiten die Verhandlungen mit friedlichen Protesten für Demokratie und Freiheit. Wiederum vertreibt das Militär die Menschen von der Straße. Mehr als hundert Demonstranten kommen um.