
Die ersten Missionare betraten im 16. Jahrhundert afrikanischen Boden. Sie kamen mit den Entdeckern und Händlern an die Küsten Westafrikas und drangen entlang der Flüsse ins Innere des Kontinents vor. Zu der Zeit war der Norden Afrikas schon islamisch geworden. Sie wollten nun den Süden des Kontinents für die christliche Religion gewinnen. Ihr großes Vorbild war Heinrich der Seefahrer, der seine Entdeckungsfahrten unter das Zeichen des christlichen Kreuzes gestellt hatte. Für die Missionare waren die leicht bekleideten Schwarzen "Wilde", die sie zu zivilisierten Menschen erziehen wollten. Sie verachteten den afrikanischen Ahnenglauben, denn für sie war der Kult der Einheimischen purer Aberglaube. Sie erklärten, dass ihr Gott besser sei als die vielen afrikanischen Götter. Glaubten ihnen die Einheimischen? Nein, sie wehrten sich gegen die neue Religion und wollten weiterhin nur ihre Götter verehren. Doch der Protest kümmerte die Missionare nicht, sie zwangen den Einheimischen ihren Glauben auf. Schließlich waren sie davon überzeugt, dass sie ein gutes Werk taten.
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Die weißen Priester versprachen den afrikanischen Herrschern und Dorfältesten, Schulen zu bauen und moderne Waffen zu liefern. Sie errichteten prächtige Kirchen und Schulen. Denjenigen, die sich bekehren liessen, versprachen sie die Weitergabe ihrer Kenntnisse. Anfangs waren die Einheimischen noch misstrauisch, denn der neue Glaube unterschied sich sehr stark von ihren religiösen Vorstellungen. Doch die prächtigen Kirchengebäude der Europäer beeindruckten sie. Auch die Kirchenlieder und die Geschichten aus der Bibel gefielen ihnen gut. So ließen sich die ersten taufen und zur Religion der Weißen bekehren. Die Kinder der Getauften wurden auf Missionsschulen geschickt. Sie erhielten europäische Namen und lernten die Sprache der neuen Herrscher, entweder portugiesisch, französisch oder englisch. Außerdem wurden sie in Lesen und Schreiben unterrichtet. Die meisten waren stolz, eine Missionarsschule zu besuchen. Denn sie erhielten später einflussreiche Posten und verdienten besser als ihre nicht bekehrten Geschwister und Freunde. Allerdings mußten sie den Kolonialherren bei der Ausbeutung ihrer Bodenschätze und der Unterwerfung ihrer Völker nützliche Dienste leisten. Wie die islamischen Gelehrten in Nordafrika gingen auch die christlichen Missionare nicht respektvoll mit der einheimischen Bevölkerung um. Immer wieder beklagten sich Afrikaner über die Überheblichkeit und Grausamkeit der Missionare. Wenn sie gegen die Weißen rebellierten, wurden sie bestraft oder in Gefängnisse gesperrt. Rechts im Bild siehst du ein Kirchenkreuz, das portugiesische Missionare in Goma, in der Demokratischen Republik Kongo aufstellten.
Einer der ersten afrikanischen Herrscher, der sich bekehren ließ, war der kongolesische König Afonso I. Mit seinem afrikanischen Namen hieß er Nzinga Mbemba. 1506 wurde er getauft. Die Missionare hatten ihn dazu erzogen, ganz im Sinne der europäischen Eroberer zu handeln. Er ordnete sich den Wünschen der Portugiesen unter und lieferte ihnen Diamanten und Sklaven. Im Gegenzug halfen sie dem Kongo König bei der Organisation des Reiches. Und sie lieferten ihm Waffen für die Ausstattung eines großen Heeres. Als die Portugiesen immer mehr Sklaven forderten, wollte Afonso keine Geschäfte mehr mit ihnen machen. Er verwies die Portugiesen des Landes. Die erste afrikanische Herrscherin, die sich bekehren ließ, war die Königin Nzinga von Matamba. Zum Dank wurde in ihrem Reich eine prächtige Kirche gebaut.
Der bekannteste Missionar war der Schotte David Livingstone. Er unternahm mehrere Expeditionen nach Afrika und war der erste Europäer, der den Kontinent von Westen nach Osten durchquerte. 1854 reiste er den Sambesi flussabwärts. Er wollte das Evangelium zu den Völkern im Herzen von Afrika tragen. Auf seiner Reise stieß er auf riesige Wasserfälle, die Einheimischen nannten sie "donnernder Rauch", er nannte sie nach seiner Königin "Viktoriafälle". Seine Wege kreuzten sich immer wieder mit Sklavenhändlern, die Menschen verschleppten und verkauften. Er war Christ, nach seinem Glauben war Menschenhandel ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Er kämpfte für die Abschaffung des Sklavenhandels, wie viele Missionare in seiner Zeit.
Wußten die ersten Missionare, wie sehr sie mit ihrem Einsatz den afrikanischen Kontinent verändern würden? Vermutlich nicht. Denn heute gehören tatsächlich etwa vierzig Prozent aller Afrikaner dem Christentum an. Aus kleinen Missionsstationen sind große Städte entstanden. Hohe Kirchtürme ragen in den Himmel und erzählen von dem Eifer der Priester. Mitten im Dschungel der Elfenbeinküste steht sogar die größte Kirche der Welt! In den Missionsschulen konnten sich die afrikanischen Völker den Wissensstand Europas aneignen. Selbst das moderne Schulsystem ist noch heute von ihnen geprägt. Schade, dass die Missionare umgekehrt so wenig Wissen aus Afrika nach Europa brachten. Denn die afrikanischen Religionen sind reich an Geschichten und Mythen. Und sie besitzen eine tiefe Verbundenheit mit den Ahnen und eine große Achtung vor der Natur.
Schon gewusst?
Bis heute wird in vielen afrikanischen Schulen in französisch oder englisch unterrichtet, der Sprache der früheren Kolonialherren. Und das, obwohl die fremde Sprache besonders Schulanfängern schwer fällt!
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