
An den seltenen Wasserstellen am Rand der Namib Wüste finden sich einmal am Tag die großen Tiere ein. Nach einem heißen Tag mit 50 Grad und mehr haben Giraffen, Zebras und Antilopen einen Riesendurst. Wüstenelefanten, die sich vor den Jägern in die Wüste zurückgezogen haben, können unterirdische Wasseradern aufspüren. Sie sind meist die "Wasserfinder", denen die anderen Tiere folgen. Die Tiere halten sich oft gemeinschaftlich an einem Wasserloch auf, denn hier ist die Gefahr am größten, dass sie von Hyänen und Schakalen angegriffen werden. Gemeinsam sind sie stärker. Giraffen erspähen Feinde schon von weitem, und auch Gazellen haben ein exzellentes Gespür für Gefahr.
Pferde leben tatsächlich in der Namib Wüste. Es sind verwilderte Pferde, die ein Überbleibsel aus der Zeit darstellen, als Namibia noch ein deutsches Kolonialgebiet war. Die deutschen Truppen hatten sich 1915 eiligst aus Namibia zurückgezogen, die Pferde ließen sie hier. Über ein Jahrhundert haben sich die Pferde an die Wüste angepaßt. Sie haben gelernt, in Herden zu leben und sich Wasserstellen zu erobern. An manchen Orten haben Farmer und Wildhütern Wasserstellen für die Pferde eingerichtet wie links im Bild. Wenn du also irgendwann einmal nach Namibia kommst und in der Wüste ein Pferd entdeckst, ist es keine Fata Morgana.
Auf dem Sand und im Sand leben Schlangen, Echsen, Käfer und Skorpione. Alle haben bei großer Hitze denselben Trick drauf. Wenn es ihnen zu heiß wird, graben sich Sandgecko, Zwergpuffotter oder Rennmäuse im Sand ein. In der Namib ist Wasser praktisch nicht vorhanden. Wie sich also etwas teilen, was nicht existiert, das man aber dennoch dringend zum Überleben braucht?
Der Nebelkäfer, der Gecko und das Wüstenchamäleon bilden eine "Wasserkette":
Der Nebelkäfer hat die seltene Fähigkeit, aus Nebel Wasser zu machen. Den Nebelkäfer gibt es vermutlich nur wegen des Benguela Stroms, der für den Nebel über der Namib sorgt. Der Nebel zieht ins Landesinnere von West nach Ost. Der Nebelkäfer kennt die Richtung genau. Er stellt - ganz in Übereinstimmung mit dieser Himmelsrichtung - sein Hinterteil auf, so dass ein kleiner Luftwirbel entsteht. Der Nebel kondensiert an seinem kleinen Körper und bildet Wassertropfen, die geradewegs in seinen Mund fliessen. Dass auch seine Fressfeinde von seiner Wasserbeschaffung profitieren, weiß er vermutlich nicht. Dazu zählen die Geckos, die überaus schnell sind und sehr gut sehen können.
Der Gecko besitzt keine Augenlider. In der Wüste ist dieses seltsame Fehlen der Lider von außerordentlichem Vorteil. Der Sprühnebel kondensiert auf seinen großen, runden Augäpfeln und bildet Wassertropfen, die der Gecko mit seiner langen Zunge abschleckt. Sie ist wirklich so lang, dass er sich damit sogar über den ganzen Kopf fahren kann. So geht jedenfalls kein Tropfen verloren. Allerdings muss der Gecko aufpassen, dass er nicht in das Revier des Chamäleons gerät.

Nun kommt das Wüstenchamäleon ins Spiel. Wenn du dir das Chamäleon ansiehst, ahnst du sicher schon, was jetzt kommt. Das Chamäleon profitiert von der originellen Wasserbeschaffung der beiden. Es ist überall da, wo auch der Nebelkäfer ist und frisst den fleissigen Käfer, der für das Wasser viel geschafft hat. Er frißt aber auch leidenschaftlich gern Geckos, die viel größeren Wasserlieferanten.
Der Goldmull ist ein Einzelgänger. Er gräbt sich Gänge und Höhlen im Wüstensand und ist so geschützt vor Hitze und Sonne. Er verteidigt sein Revier mit Klauen und Zähnen gegen Eindringlinge, denn er muss ganz schön schuften, bis er sich ein ordentliches Heim gegraben hat. Außerdem ist die Nahrung knapp, unter dem Wüstensand gibt es nicht viele Lebewesen, die auf seinem Speisezettel stehen. Dazu gehören Würmer, Spinnen und Käfer. Sein Verwandter in den Halbwüsten von Ostafrika ist wesentlich geselliger. Er lebt in großen Kolonien. Mehr zu den Tieren in den Savannen Ostafrikas