
Die Pygmäenvölker leben verstreut über riesige Waldgebiete im Herzen Afrikas. Neben den Buschmenschen zählen sie zu den ältesten Bewohnern der Erde. Die Waldvölker durchstreifen die Regenwälder von 12 afrikanischen Ländern: Ruanda, Burundi, Uganda, der Demokratischen Republik Kongo, in Zentralafrika, Kamerun, Äquatorialguinea, Gabun, Republik Kongo, Angola, Botswana, Namibia und Sambia. Man vermutet, dass allein im Regenwald des Kongogebietes zwischen 250 000 und 600 000 Pygmäen leben. Die europäischen Einwanderer nannten die Waldbewohner Pygmäen, denn sie sind oft nicht größer als „eine Elle“, also etwa 1,50 Meter. Die Pygmäen selbst nennen sich „Feuermenschen“. Sie lassen nie das Feuer verlöschen. Selbst auf die Jagd nehmen sie die Glut des Lagerfeuers mit. Sie glauben, dass Feuer die gefährlichen Geister des Waldes fern hält.
Die "Feuermenschen" leben im Einklang mit der Natur. Ihrer nachhaltigen Lebensweise verdanken wir es, dass es noch große Gebiete ursprünglicher Regenwälder gibt. Ihr Lebensrhythmus wird bestimmt von den Gesetzen des Regenwaldes. Die Männer sind ausgezeichnete Jäger, die Frauen sammeln Früchte, Pflanzen und Honig. Sie gehen auch auf Fischfang. Sie besitzen wie kein anderes Volk ein großes Wissen über Pflanzen und Heilkräuter. Die Pygmäen-Frauen haben einen wertvollen Helfer beim Honigsammeln. Sie folgen einem Vogel, der Honiganzeiger genannt wird. Tatsächlich weist der dunkelgefiederte Urwaldbewohner mit seinen Rufen auf Bienenstöcke hin. Der Vogel braucht den Menschen, um an Insekten zu kommen, die Pygmäen wiederum sind auf die Hilfe des Honiganzeigers angewiesen, um den besten Honig zu finden. Dann wird geteilt: die Pygmäen ernten den Honig, der Vogel bekommt Insekten und Reste der Waben.
Die Pygmäen sind die Nomaden des Waldes. Ihre Lebensform als Sammler und Jäger hat sich über die Jahrtausende kaum verändert. Sie bauen Hütten aus Ästen, Palm- und Bananenblättern. Sie bleiben nur mehrere Monate an einem Platz. Dann ziehen sie weiter, um die Natur und die Tiere zu schonen. Nach kurzem verfallen ihre kunstvoll errichteten Hütten, und die Natur erobert sich die bewohnten Orte zurück. Die Awá hinterlassen Markierungen an Baumstämmen, wenn sie im Wald unterwegs sind. Einige Pygmäenvölker treiben Tauschhandel mit den Bauern, die in den Randgebieten der Regenwälder leben. Sie liefern Honig, Fleisch und Felle im Austausch gegen Werkzeuge und Geräte. Musik gehört zum Alltag der Pygmäen wie Geschichtenerzählen. Pygmäen sind bekannt für ihre außerordentlich schönen Gesänge. Die Aka Pygmäen pflegen eine ganz eigene Musiktradition. Sie singen scheinbar unabhängige Melodien, die bei jedem zwölften Ton zusammentreffen. Ihre Lieder ähneln der Zwölfton Musik. Sie begleiten ihre Gesänge mit Flöten und einseitigen Harfen, die sie aus Holz fertigen. Sie bauen sich ihre Instrumente aus dem, was der Regenwald hergibt: Flöten und Art Trompeten aus Knochen oder Pfeifen aus Pflanzen. Sie fertigen auch Trommeln aus Tierhäuten. Sie tanzen zu Trommelrhythmen und pflegen so die Sprache der Ahnen.

Die Ba'Aka sind ein Pygmäenvolk, das in den Wäldern von Kamerun, der Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik und Gabun beheimatet ist. Sie zählen zu den Ureinwohnern Zentralafrikas und stellen etwa ein Drittel der Bewohner dieses Gebietes dar. Die Ba'Aka-Pygmäen sind hoch spezialisierte Waldmenschen. Sie achten den Urwald als unendliches und unteilbares Gut. Sie sagen: "Wir lieben den Wald wie unseren Körper. Ohne den Wald existieren wir nicht." Jede Gruppe von Waldmenschen bildet ein eigenes Volk mit eigener Spreche. Doch ein Wort ist allen gemeinsam: "Jengi", das Wort für den Geist des Waldes.
Brandrodende Bauern, Plantagenpflanzer, Immobielenspekulanten und Holzkonzerne dringen mit riesigen Bulldozern und Motorsägen immer tiefer in den tropischen Regenwald ein. Sie verdrängen die Waldmenschen und zerstören ihren Lebensraum. Die Staaten, in denen die Pymäen leben, unternehmen alles, um die Pygmäen sesshaft zu machen. Doch viele Pygmäen wehren sich dagegen. Sie verstehen sich als Hüter des Waldes. Ihre Lebensform trägt zum Erhalt der Regenwälder bei.
Hier erfährst du mehr über den Honiganzeiger und andere Tiere des Regenwaldes
Pygmäen zählen zu den Indigenen Völkern. Für den besonderen Schutz dieser Indigenen Völker tritt die Organisation Survival International ein. Die Mitglieder berichten darüber, wie diese Völker leben und wodurch sie bedroht werden. Ihre Arbeit bestreiten sie aus Spendengeldern.
Unter diesem Link erfährst du mehr über www.survivalinternational.de