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Madagaskar ist eine Insel voller Abenteuer. Von hier stammen einige der spannendsten Piratengeschichten, leider auch einige der traurigsten Sklavenberichte. Nur hier leben Lemuren, und nur hier wachsen bestimmte Pflanzen und Gewürze. Madagaskar gilt als zweitgrößter Inselstaat der Welt. Mit etwa 590 000 Quadratkilometern ist die Insel so groß wie Deutschland, Holland, Belgien, Österreich und die Schweiz zusammen. Rund 22 Millionen Einwohner leben in Madagaskar.
Madagaskar liegt vor der Ostküste von Afrika, im Indischen Ozean. Da sich die Insel südlich vom Äquator befindet, ist es das ganze Jahr über tropisch heiß. In der Mitte befindet sich eine Hochebene mit einem mittelhohen Gebirge, dem Ankaratra Gebirge. Hier herrscht ein gemäßigtes Klima. Die Ostseite ist fast das ganze Jahr hindurch feucht und beherbergt dichte Regenwälder. Im Westen erstrecken sich Steppen und Trockenwälder. Jeden Sommer ziehen tropische Wirbelstürme über die Insel hinweg und richten große Schäden an. Wegen ihrer roten Böden wird Madagaskar auch die rote Insel genannt. Die Insel besitzt vor allem im Norden viele Buchten, die vor hunderten von Jahren ideale Verstecke für Piraten boten.
Man nennt Madagaskar auch den sechsten Kontinent, denn die Insel beherbergt die verschiedensten Landschaften.


Die Insel wurde vor 150 Millionen Jahren von Afrika getrennt. Dadurch gibt es in Madagaskar viele Tiere nicht, die sich auf dem afrikanischen Kontinent entwickelten wie Gorillas, Elefanten oder Giraffen. Umgekehrt haben sich hier Tiere und Pflanzen entwickelt, die nirgendwo sonst auf der Erde vorkommen. Über neunzig Prozent aller Tiere kommen nur hier vor! Zu diesen exklusiven Tieren Madagaskars zählen die Lemuren. Die niedlichen Fellwesen gehören zu den Attraktionen in dem Film Madagascar. Die einzigartige Pflanzen- und Tierwelt ist durch die rasch wachsende Bevölkerung leider stark bedroht. Mehr über die Tiere in Madagaskar
Die Hauptstadt Antananarivo liegt in der Mitte der Insel, im Akaratra Gebirge. Auf der Karte oben findest du die Stadt in dem gelb markierten Feld. Der Name Antananarivo bedeutet Die Stadt der Tausend. Sie wurde etwa 1625 am Lac Anosy gegründet und wurde später Hauptstadt der Könige von Merino. Heute zählt Antananarivo 1,8 Millionen Einwohner. Die Stadt ist um den Lac Anosy gebaut, um den herum unendlich viele Treppen und verwinkelte Gassen in die verschiedenen Viertel führen. Jeden Freitag werden überall in der Stadt Märkte abgehalten, auf denen neben Gemüse, Fisch und Obst die heimischen Gewürze, Heilkräuter, Edelsteine, Kleider und Küchengeräte angeboten werden. Viel besucht ist das Piratenmuseum, in dem die lange Geschichte der Piraten erzählt wird, die auf Madagaskar sogar eine eigene Republik gebildet hatten.
Die Vorfahren der Madagassen stammen aus Indonesien, Afrika und dem arabischen Raum. Ihre Sprache nennt sich Malagasy, sie hat sich aus einem indonesischen Dialekt entwickelt.



Der Königssitz der Merina, dem ältesten Königshaus von Madagaskar, befindet sich auf einem heiligen Hügel in der Nähe der Hauptstadt Antananariva. Er liegt versteckt inmitten von Wäldern und wird auch Verborgene Stadt genannt. Sie ist von einer Mauer umgeben, die sieben Eingangstore besitzt. Der hölzerne Palast bildet das Zentrum der Verborgenen Stadt. Einst regierte hier der König. Noch heute gilt Ambohimanga als religiöses und kulturelles Zentrum von Madagaskar.
Die Madagassen pflegen ihre alten Naturreligionen. Darin spielen die Vorfahren und Ahnen eine große Rolle. Aus diesem Grund feiern die Madagassen viele Feste, die mit ihren Ahnen zu tun haben. Die Ahnen gelten nicht als tot. Man glaubt, dass sie nur in ein anderes Reich umgezogen sind. Beim größten Fest auf der Insel, dem Famadihana, werden die Gebeine der Toten aus den bunt bemalten Grabstätten geholt, mit nach Hause genommen, gesäubert und in frische Tücher gehüllt. Danach werden den Toten die neuen Familienmitglieder vorgestellt. Dann wird ein Festmahl abgehalten, es wird getanzt und gesungen. Auch die Kinder feiern mit. Nach dem Fest werden die Gebeine wieder in der Grabstätte bestattet.
Die Madagassen haben panische Angst vor einem Tier, das auf ihrer Insel in den verschiedensten Farben und Größen vorkommt: dem Chamäleon. Sie laufen davon, um ja nicht mit Echsen in Berührung zu kommen. Denn sie glauben, das Chamäleon bringt Unglück, Krankheiten und Sorgen. Sie nennen das Chamäleon fady, also verboten oder Tabu. Vieles ist fady auf Madagaskar. Der Einbaumfahrer darf keinen Aal essen, fady. Eine schwangere Frau darf keinen Ingwer essen. Geht ein alter Mann am Dienstag auf seine Felder, fady! Ein unsichtbares Netz von Verboten durchzieht die ganze Insel. Dorfhäuptlinge dürfen neue fadys aussprechen und alte aufheben. Ganz nach Art der Völker in Indonesien.
Schulgebäude in Madagaskar fallen sofort auf. Es sind meist langgestreckte Gebäude mit der Nationalflagge davor. Meist liegen sie außerhalb der Ortschaften. Wenn nicht gerade Ferien sind, strömen mehrmals am Tag bunt uniformierte Kinderscharen in die Schule. Die Toiletten sind oft ein Problem- es gibt zu wenige. Auch frisches Wasser ist nicht immer verfügbar. Für die Bildung legen die Kinder manchmal bis zu 10 km am Tag zurück. Etwa drei Viertel aller Kinder besuchen eine Schule. Der Unterricht findet in Französisch statt. Das ist erstmal eine Hürde für die Erstklässler. Die Schule kostet nichts, doch für Schulmaterialien wie Hefte und Bücher muss man im Jahr etwa 14 Euro berappen. Ziemlich viel, wenn man bedenkt, dass etwa drei Viertel der Madagassen am Tag nicht mehr als einen Euro verdient. Deshalb muss die Mehrheit der Kinder in der Landwirtschaft mithelfen. Die Schulpflicht beträgt sieben Jahre, doch nur wenige erreichen einen Schulabschluss. Das ist schade, denn am besten verdient man im öffentlichen Dienst. Doch dazu braucht man einen Schulabschluss.
Auch wenn das Leben nicht immer leicht ist in Madagaskar. Kinder wie Erwachsene spielen und feiern gerne zusammen. Kinder spielen ganz ähnliche Spiele wie wir, zum Beispiel Geschicklichkeitsspiele wie die Mädchen im Bild, Ballspiele oder Brettspiele. Das beliebteste madagassische Brettspiel ist das fanorona. Kinder lernen auch früh die Instrumente, die die Erwachsenen spielen. Denn die Madagassen sind bekannt dafür, dass sie zu jeder Gelegenheit Musik machen. In den Straßen der Städte hört man Jazz, Chansons und westlich geprägten Pop-Musik, auf den Dörfern wird traditionelle Volksmusik gespielt. In den Küstenregionen ertönt Tanzmusik, die salegi genannt wird. Das bekannteste Musikinstrument Madagaskars ist die berühmte Bambus-Harfe, die valiha genannt und heute noch in Madagaskar gespielt wird. Die Inselbewohner sind unglaublich erfinderisch im Herstellen von Musikinstrumenten. Sie bauen Trommeln aus Tierfellen, Blasinstrumente aus Seemuscheln und eine Art Alpenhorn aus Rinderhörnern Die Madagassen lieben auch das Theater, und sie spielen gerne selbst alle möglichen Rollen. Sie erfinden auch immer neue Stücke, kein Wunder angesichts ihrer abenteuerlichen Geschichte. Eine ganz eigene Art der Kunst ist das Reden halten, das kabary. Gute Reden zu halten wird sogar im Unterricht gelehrt.
Der Duft von Zimt, Pfeffer, Vanille und Muskat weht über Madagaskar. Schließlich lebt die Mehrzahl der Madagassen von der Landwirtschaft und vom Gewürzhandel. Die Gewürze machten die Insel vor hunderten von Jahren reich und leider auch begehrenswert. Frankreich wollte Madagaskar unter seine Herrschaft bringen, um den Gewürzmarkt zu kontrollieren. Pfeffer ist wohl das weltweit älteste Gewürz. Pfeffer ist eine tropische Kletterpflanze, die bis zu 15 m hoch ranken kann und eine Wirtspflanze benötigt. Schwarzer, weißer, grüner und roter Pfeffer stammen von ein und derselben Pflanze ab. Sie stellen nur unterschiedliche Reifegrade dar. Wo Pfeffer wächst, gedeiht auch Kaffee und Tee. Bald wurden auf Madagaskar neben Gewürzplantagen auch Tee- und Kaffeeplantagen angelegt. Die Küche der Insel ist geprägt durch die Vielfalt an Pflanzen und Gewürzen, die hier gedeihen wie auch durch das, was die Bewohner aus dem Meer fischen. Im Mittelpunkt jeder Mahlzeit, sei es morgens, mittags oder abends, steht Reis. Blattkräuter, Manjok und Bohnen liefern die Beilagen. Gewürzt wird mit Ingwer und Knoblauch. Zu besonderen Gelegenheiten gibt es Rind- oder Schweinefleisch, Geflügel oder Fisch.
Madagaskar wurde als eines der letzten Gebiete auf der Erde besiedelt. Man vermutet, dass sich erst um 350 vor Christus Einwanderer aus Südasien und später auch aus Ostafrika und Arabien auf der Insel niederließen. Vor dem Eintreffen der ersten Siedler war die Insel fast komplett bewaldet. Doch von den ursprünglichen Wäldern sind nur noch vier Prozent erhalten! Leider scheiterten bisher alle Versuche, die Wälder wieder aufzuforsten. Der Rest der Insel ist nur mehr von sekundären Savannen bedeckt. Sekundäre Savannen sind Gebiete, die immer wieder abgebrannt werden und in denen nur noch nährstoffarme Gräser wachsen. Auch viele Flüsse trocknen aus, wie du links im Bild sehen kannst.
Die ersten, die Madagaskar besiedelten, waren indonesische Seefahrer. Nach ihnen kamen Araber. Bereits im 7. Jahrhundert nach Christus beherrschten Araber den Sklavenhandel auf Madagaskar. Sie verschleppten Gefangene aus Europa und Afrika auf ihre Gewürzplantagen. Afrikaner brachten ihr Brauchtum ins Land. Es kamen auch immer mehr Afrikaner von der Ostküste nach Madagaskar, um sich auf der fruchtbaren Insel eine neue Existenz aufzubauen. Mehr über die Geschichte von Madagaskar
Madagaskar war viele Jahrzehnte lang von politischen Unruhen geplagt. Zur Zeit befindet sich eine Übergangsregierung an der Macht. Diese Regierung ist nicht demokratisch gewählt. Wahlen sind für das Jahr 2013 geplant, wurden aber noch nicht durchgeführt. Durch die politischen Unruhen befindet sich Madagaskar wirtschaftlich auf dem Stand eines Entwicklungslandes. Große Teile der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze, nicht alle haben Zugang zu Frischwasser. Vor allem die Kinderarbeit ist ein Problem. Etwa zwei Millionen Kinder arbeiten, statt die Schule zu besuchen. Viele schuften in Steinbrüchen oder in den Saphirminen im Süden des Landes. Ebenso viele sind als Hausangestellte tätig oder arbeiten in der Fischerei und Landwirtschaft. Die Madagassen wissen, dass sich politisch sehr vieles ändern muss. Ihr Wahlspruch heißt: Mora, mora. Wir nehmen uns Zeit, aber wir kommen nie zu spät.
Die Musiker, Sänger und Songwriter von Madagaskar sind die besten Botschafter der Insel. Einer der bekanntesten Sänger war Freddy Mercury, Sänger der Gruppe Queen. Der Sohn persischer Einwanderer startete seine Karriere erst, nachdem er die Insel verlassen hatte. Viele Musiker verlassen die Insel nie. Sie schreiben und produzieren ihre Songs unter einfachsten Studiobedingungen und machen das beste daraus. Hör einen der Hits, die gerade auf Madagaskar gespielt werden: Malaso
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