Die Republik Malawi ist ein kleines Land im Südosten Afrikas. Mit einer Fläche von etwa 120 000 qkm besitzt Malawi nur ein Drittel der Fläche von Deutschland. 15 Millionen Menschen leben in Malawi.
Malawi ist ein Binnenland ohne Zugang zum Meer. Dennoch ist es sehr wasserreich. Denn auf seinem Gebiet befindet sich der drittgrößte See Afrikas, der Malawisee. Er macht mit 25 000 qkm ein Viertel der Landesfläche aus. Mit seiner länglichen Form hat sich das Land dem See angepasst. Im Norden bildet der See die natürliche Grenze zu Tansania. Im Westen trennt ein Gebirgszug das Land von Sambia. Wie ein Keil ragt Malawi in das südlich gelegene Mosambik.
Im Norden von Malawi ragen die Livingstone-Berge Tansanias auf. Das Mulanje-Massiv erstreckt sich im Süden, südlich der Stadt Blantyre. Das Massiv wird von zahlreichen Teeplantagen gesäumt. Der Gipfel des Sapitwa ist 3002 Meter hoch.

Malawi liegt in der subtropischen Zone. Daher herrschen das Jahr über angenehme 25 Grad. Während der Regenzeit, zwischen November bis April, ist es drückend schwül, die Feuchtigkeit erreicht oft schon am Morgen fast 100 Prozent. Für Europäer kaum auszuhalten!
Der Malawisee liegt im Osten des Landes. Er ist etwa 570 Kilometer lang und 75 Kilometer breit. An manchen Stellen ist er über 700 Meter tief. Das kommt daher, dass der See im ostafrikanischen Grabenbruch liegt. Der Riss, der sich hier durch vulkanische Aktivität in der Erdplatte gebildet hat, wird immer tiefer, und damit auch der See. Geologen vermuten, dass sich Ostafrika im Lauf der nächsten Jahrtausende vom übrigen Kontinent abspalten wird. Im Malawisee leben über 1000 verschiedene Arten von Fischen. Er ist überdies Lebensraum für Flusspferde, Krokodile, Warane und Seepythons. Aufgrund seines Fischreichtums ist der See für die Einheimischen lebenswichtig.
Mehr über den ostafrikanischen Grabenbruch
Lilongwe liegt im Süden Malawis. Die Stadt wurde im Jahre 1947 als Handelszentrum gegründet. Heute ist Lilongwe Hauptstadt und Verwaltungszentrum des Landes. Mit mehr als 670.000 Einwohnern ist Lilongwe die größte Stadt Malawis. Mitten in der Stadt gibt es Felder, Wiesen und viele Schatten spendende Bäume. Sie zählt zu den wenigen Städten, in denen Inder siedeln dürfen. Deshalb gibt es in der Stadt viele indische Geschäfte. Auf dem bunten Markt von Lilongwe kannst du einheimische Handwerkskunst bestaunen und exotische Früchte probieren wie Papaya, Mango und Guave.
Blantyre wurde 1895 von schottischen Missionaren als erste Stadt in Zentralafrika gegründet. Sie benannten die Stadt nach dem Geburtsort des Afrikaforschers David Livingstone, der im schottischen Blantyre geboren wurde. Die einstige Missionsstation wurde bald zum Zentrum des Elfenbeinhandels. Heute ist Blantyre das Finanz- und Handelszentrum von Malawi. Blantyre wird häufig im Zusammenhang mit der Schwesterstadt Limbe als Blantyre-Limbe bezeichnet. In diesen beiden Städten leben zusammen etwa 2 Millionen Einwohner. Die einstige Missionsstadt ist heute noch an ihrer Hauptattraktion zu erkennen, der prächtigen Saint Michael und All Angels Church.
Die Einwohner Malawis gehören verschiedenen Bantuvölkern an. Die größte Bevölkerungsgruppe sind die Chewa, die ein Königreich in Malawi gegründet hatten. Neben ihnen gibt es eine Anzahl kleinerer Völker wie die Ngoni oder die Yao.



Amtssprachen sind die Bantusprache Chichewa, die Sprache der Chewa, und Englisch, denn Malawi war einst eine britische Kolonie. Der größte Teil der Malawier sind Christen, nur wenige sind Muslime. Die meisten pflegen neben den Religionen der Kolonialzeit ihre afrikanischen Naturreligionen. Die Malawier sind sehr aufgeschlossene, freundliche Menschen. Deswegen trägt Malawi auch den Beinamen „Warm Heart of Africa“. Die Bevölkerung auf dem Land lebt noch sehr traditionell. Die Malawier versuchen sich trotz der großen Hitze möglichst elegant zu kleiden. Selbst einfache Bauern tragen an Sonn- und Feiertagen Anzug mit Krawatte, wenn sie es sich leisten können.
Malawi hat zuwenig Schulen! Das weiß die Weltöffentlichkeit spätestens, seit die Sängerin Madonna mit viel Pressewirbel in dem Land zehn Schulen finanzierte. Tatsächlich wurde erst in den neunziger Jahren die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Doch an Schulgebäuden, Büchern und Unterrichtsmaterial mangelt es immer noch. Der Unterricht ist daher für viele Schüler, vor allem auf dem Land, provisorisch. Zum Beispiel fehlen oft Toiletten. Die Regierung unternimmt viel, um die Situation zu verbessern. Neben öffentlichen Schulen wurden immer mehr private Schulen gebaut. Doch die meisten Kinder besuchen öffentliche Schulen, denn für diese müssen die Eltern kein Schulgeld bezahlen. Die Mehrzahl der Schüler besucht zumindest die ersten Jahre der Grundschule und lernt lesen und schreiben. Doch nur wenige können sich den Besuch einer weiterführenden Schule leisten. Die Mädchen in ländlichen Gegenden sind klar benachteiligt. Sie machen oft keinen Schulabschluss. Denn sie müssen schon früh in der Landwirtschaft und zu Hause mithelfen. Auf dem Lehrplan stehen ähnliche Fächer wie bei uns. Rechnen, Lesen und Schreiben, Geographie. Darüber hinaus gibt es praktische Fächer, die für die malawischen Kinder wichtig sind wie Landwirtschaft. Denn die meisten Eltern leben davon. Jungs lernen außerdem Schreinerarbeiten, Metallkunde und technisches Zeichnen. Mädchen erhalten Unterricht in Hauswirtschaft.
Die britischen Kolonialherren brachten einst Fußball in das Land. Heute ist es die beliebteste Sportart in Malawi. Geld für Spielsachen haben viele Eltern nicht. Also wird mit viel Phantasie ein Spielzeug selbst gebastelt aus Holz, Draht oder Muscheln. Kinder vergnügen sich sehr gerne mit einer Art von „Brettspiel“, dem Mancala. Man kann es im Sand spielen. Das Spielfeld wird mit einem Stock in den Sand gemalt. Steine oder Bohnen dienen als Spielfiguren. Kinder machen auch gerne zusammen Musik. Sie basteln sich dafür ihre Instrumente selbst, wie das Daumenklavier. Oft wird daraus ein „Kinderfest“, denn auch die Kleinsten können mitmachen und zur Musik tanzen.

Tanzen ist in Malawi Teil eines jeden Festes. Es gibt kaum eine Zusammenkunft, die nicht in Musik und Tanz endet. Der Große Tanz ist ein besonderes Ereignis in Malawi. Er gehört zum Erbe der Chewa. Die Tänzer tragen bei den Aufführungen Körper- und Gesichtsbemalungen, auch Federschmuck und geschnitzte Masken gehören zu diesem Tanz. Diese Masken werden kunstvoll geschnitzt und bemalt. Die Tänzer tragen sie bei nahezu allen religiösen Festen. Die Masken sind ein beliebtes Souvenir für Touristen. Der Große Tanz ist so kunstvoll, dass er seit dem Jahre 2005 sogar zu den Meisterwerken des mündlichen und immateriellen Welterbes zählt.
Die Mehrheit der Malawier lebt auf dem Land und bestreitet ihren Lebensunterhalt mit Landwirtschaft. Entlang des Sees reiht sich ein Fischerdorf ans andere, hier lebt die Bevölkerung vom Fischfang. Tee, Kaffe und Mais werden exportiert, hauptsächlich nach Zimbabwe. An Bodenschätzen ist das Land arm. Die verarbeitende Industrie in den vier großen Städten Blantyre, Lilongwe, Zomba und Mzuzu ist klein. Im Jahr verdient der Malawier nur etwa 160 US-Dollar. Das liegt unter dem Existenzminimum. Deshalb zählt Malawi zu den ärmsten Ländern der Welt.
Eines der schönsten Naturphänomene in Malawi sind die Kapichira-Wasserfälle. Sie führen das Wasser des Flusses Shire, der mit 402 Kilometern der längste Fluss Malawis ist. Besonders beeindruckend wirkt der Wasserfall wegen der dunklen Granitfelsen. Der Fluss stürzt als Wasserfall nahezu 80 Meter in die Tiefe.
Wenn du dich für Geschichte interessierst, ist das Cultural and Museum Center in Koranga im Norden Malawis ein Muss. Vor Jahrhunderten war das nördliche Seeufer Verkehrsknotenpunkt des arabischen Sklavenhandels. Hier hatte Mlozi, einer der schrecklichsten Menschenjäger Afrikas, ein Sklavengefängnis errichtet. Vermutlich wusste er nicht, auf welch historischem Ort er sein schreckliches Geschäft betrieb. Hier wurden nämlich die weltweit ältesten Menschenknochen gefunden. Dino-Fans aufgepasst: Hier wurde das komplette Skelett eines Dinosauriers gefunden. Das auf den Namen Malawisaurier getaufte Urtier ist mit seiner Länge von 16 Metern einfach gigantisch. Der gewaltige Pflanzenfresser durchstreifte die Berge und Wälder ringsum den Malawisee.
Die Felsmalereien von Chongoni, einem Berg im Süden von Malawi, sind sehr alt und geheimnisvoll. Forscher nehmen an, dass sie 2500 Jahre alt sind. Sie stellen die dichteste Ansammlung von Felsmalereien in Zentralafrika dar. Die ältesten Zeichnungen haben die Pygmäen angefertitgt. Mit roter Farbe ritzten sie geometische Muster wie Strahlenkränze, Kreuze und Figuren in den Felsen. Die Zeichnungen hatten vermutlich eine religiöse Bedeutung. Die Felsmalereien von Chongoni zählen zum UNESCO Weltkulturerbe.
Am Südufer des Sees liegt die Monkey Bay, die Teil des Malawisee-Nationalparks ist. Sie ist beliebtes Reiseziel von Tauchern, denn die Landschaft und die Artenvielfalt sind einzigartig. Innerhalb dieses UNESCO-Weltnaturerbes lebt fast die Hälfte der vorkommenden Arten des Malawi-Sees. In Monkey Bay gibt es außerdem, wie der Name schon sagt, Horden von Affen, vor allem Paviane machen die Gegend unsicher.
Das kleine Land im südlichen Afrika besitzt stolze neun Nationalparks. Zu diesen gehören unter anderem der Kasungu-, der Lengwe- oder der Lake Malawi Nationalpark, ein kleines Schutzgebiet am Malawisee. Zu ihm gehören einige kleine Inseln und ein Teil des Küstenstreifens. In den Parks leben Tiere, die für die südlichen Savannen typisch sind wie Löwen, Nashörner, Büffel oder Zebras.



Der Malawisee ist ungeheuer artenreich. Von den geschätzten 1.000 verschiedenen Arten kommen über 90 Prozent nur hier vor. Die prächtigsten Bewohner dieser Unterwasserwelt sind die Buntbarsche. Es gibt sie in allen Farben und Formen. Da das Wasser des Malawisees kristallklar ist, kann man sie selbst von einem Boot aus beobachten.
Mehr über die Tiere der südlichen Savannen
Afrika ist die Wiege der Menschheit. Das ist heute unbestritten. Doch wo genau die Entwicklung unserer Urahnen begann, darüber sind sich die Wissenschaftler im Unklaren. Jedes Jahr stoßen Archäologen auf neue Funde aus grauer Vorzeit, und jeder neue Fundort wird zum Ursprung der Menschheit erklärt. So geschah es gerade in Malawi. Archäologen fanden in Karonga, im Norden des Landes, die bisher weltweit ältesten Menschenknochen. Demnach wurde die Region um den Malawisee bereits vor rund zwei Millionen Jahren von dem Vorläufer des Homo sapiens besiedelt. Erst sehr viel später hinterließen Völker erste künstlerische Spuren in dem Gebiet. Die Felsmalereien auf dem Berg Chongoni stellen die dichteste Ansammlung von Felsmalereien in Zentralafrika dar. Die frühesten Zeichnungen zeugen von der Kultur der Pygmäenvölker, die vor Jahrtausenden die Wälder in Malawi durchstreiften. Mehr über die Geschichte von Malawi
Seit 1994 ist das Land eine Republik, freie Wahlen werden abgehalten. Ist Malawi heute eine Demokratie? Nicht wirklich. Die Hälfte der 15 Millionen Einwohner sind Kinder und Jugendliche. Sie haben kein Wahlrecht und können die Politik nicht mitbestimmen. Doch sie werden die Zukunft des Landes prägen. Ein Teil von ihnen lebt auf der Straße. Die Krankheit Aids hat sie zu Waisen gemacht. Sie müssen sich auf eigene Faust durchs Leben schlagen mit Gelegenheitsjobs, mit Betteln und Diebstählen. Die Regierung muss große Anstrengungen unternehmen, um sie wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Sie brauchen mehr als ein Dach über dem Kopf. Sie brauchen Ausbildungsmöglichkeiten und eine berufliche Zukunftsperspektive.