Somalia liegt im äußersten Osten Afrikas am Indischen Ozean. Der östlichste Vorsprung des Kontinents sieht tatsächlich aus wie das Horn eines Nashorns. Mit fast 640 000 Quadratkilometer ist das Land doppelt so groß wie Deutschland. Mit etwa 14 Millionen Einwohnern ist es nicht sehr dicht besiedelt.
Somalia grenzt im Osten an den Indischen Ozean und im Norden an den Golf von Aden, Dschibuti und Äthiopien liegen im Westen und Kenia im Süden. Das Land zieht sich am Horn von Afrika entlang wie ein breites Band. Dadurch besitzt Somalia die längste Küstenlinie aller afrikanischen Länder.
Der nördliche Teil des Landes, das Somali-Land, ist gebirgig, der höchste Berg ist 2460 Meter hoch. Der Süden besteht aus flachem Land, hier erstreckt sich die Somali-Wüste.

Somalia ist ein trockenes Land. Nur entlang der Flüsse Schabeelle und Jubba gibt es fruchtbare Anbaugebiete. Zwischen April und Juni regnet es hin und wieder. Wenn der Regen ausbleibt, leidet das Land unter der Dürre. Die Wüste breitet sich immer mehr aus, denn Wälder werden abgeholzt und Trockensavannen werden durch die Viehherden abgeweidet. Wenn dann ein Jahr kein Regen fällt, werden Steppen zu Wüsten.
Mogadischu ist die Hauptstadt Somalias. Früher wurde Mogadischu auch als die Perle Ostafrikas bezeichnet. Der Aufstieg der Stadt begann im 10. Jahrhundert, mit der Ansiedelung von arabischen Händlern. Viele Zuwanderer kamen von der Arabischen Halbinsel. Sie waren wohlhabend und teilten ihren Reichtum mit der ansässigen Bevölkerung. 1296 wurde eine Moschee erbaut, die Fakr-ad-Din-Moschee. Sie zählt zu den ältesten islamischen Bauwerken Afrikas. Heute ist Mogadischu das wirtschaftliche Zentrum des Landes. Auf dem größten Markt Somalias, dem Bakara Markt, werden neben Kleidern, Früchten und Fischen auch Waffen gehandelt.
Der Name stammt vom Volk der Somali, die mehrheitlich das Land bewohnen. Die Somali sind auch in den angrenzenden Nachbarländern ansässig. Sie sind Nachfahren der Kuschiter, der Bewohner des ehemaligen Reiches von Kusch. Sie haben sich mit arabischen Einwanderern vermischt und von ihnen das Clan-System übernommen. Ein Clan besteht ähnlich wie eine Sippe aus vielen miteinander verwandten Familien. Manchmal gehören 100 000 Mitglieder zu einem Clan.



Die vielen Moscheen im Land zeugen davon, dass die Bevölkerung dem Islam angehört. Wie in vielen afrikanischen Ländern wird der sunnitische Islam gepflegt. Diese islamische Glaubensrichtung ist nicht so streng wie der Islam in arabischen Ländern. Somali und Arabisch sind Amtssprachen. Viele Familien leben als Nomaden. Sie ziehen mit ihren Ziegen und Kamelen auf der Suche nach Wasser und Futter durch das Land. Die Männer und Jungen hüten die Kamele, die Mädchen und Frauen die Ziegen und andere kleine Tiere.
Meist werden Pfannkuchen gebacken. Hin und wieder gibt es Hirse oder Reis mit heißer Butter. Häufig trinkt man dazu Joghurt. Gemüse wird kaum gegessen. Nur auf den Märkten findet man ein begrenztes Angebot an Gemüse wie Tomaten, Zwiebeln und einheimische Gemüsesorten. Dafür gibt es ein großes Angebot an Früchten aller Art und Fische.
Es gibt leider nur wenige Schulen, denn in der langen Kriegszeit wurden viele Gebäude zerstört. Nur ein Zehntel aller Kinder besucht den Unterricht. Da es fast nur private Schulen oder Koranschulen gibt, ist die Bildung stark vom Islam geprägt. Aber jedes Kind muss die Namen aller Menschen kennen, die mit ihm verwandt sind. Persönlich kann ein Kind niemals alle Verwandten kennenlernen, denn eine Sippe oder ein Klan besteht manchmal aus Hunderttausend Angehörigen.
In Somalia herrschen häufig Dürren. Durch den langen Bürgerkrieg hat sich die Lage noch verschlimmert. Laut Unicef leidet jedes fünfte Kind unter Mangelernährung. Kinder müssen deshalb schon früh Veranwortung für die Familie und ihre jüngeren Geschwister übernehmen. Da bleibt kaum Zeit zum Spielen. Tagsüber arbeiten sie auf den staubigen Straßen als Schuhputzer oder erledigen Jobs für die Soldaten. Abends kicken die Jungs mit einem aus Stofffetzen und Plastikmüll gebastelten Fußball.
Die Wirtschaft von Somalia liegt am Boden durch den langen Bürgerkrieg. Deshalb gibt es kaum Industrie. Somalia heißt in der Sprache seiner Einwohner etwa "Geh und melke". Die meisten Bewohner Somalias leben von Landwirtschaft, Viehzucht, Fischerei und Lebensmittelverarbeitung. Einträglich ist die Viehzucht. Somalia exportiert jährlich etwa drei Millionen Schafe und Ziegen nach Saudi-Arabien, Jemen und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Tiere werden von Viehzüchtern aus ganz Somalia geliefert. Seit Jahrtausenden haben die Hirten ihre Lebensweise perfekt an die natürliche Umgebung angepasst. In den Böden werden große Vorkommen an Erdöl vermutet. Seit Ende 2011 kehren Somalis in das Land zurück. Seitdem erlebt Somalia einen wirtschaftlichen Aufschwung. Der Tourismus wird gerade entdeckt. Einige der schönsten Strände Afrikas findet man am Golf von Aden. Es ist sehr warm und sonnig, Taucher können hier einzigartige Korallenriffe entdecken.
Große Wildtiere In Somalia sind selten geworden. Früher fand man Krokodile, Elefanten, Giraffen, Leoparden, Löwen, Antilopen, Zebras und eine große Anzahl verschiedener Giftschlangen. Diese Tiere haben nur noch in Nationalparks überlebt. Im Nationalpark in Kismayu kann man die vielen einstigen Bewohner Ostafrikas sehen. Mehr über die Tiere des Sahel
Von der weit zurückreichenden Geschichte Somalias fiden sich überall im Land zahlreiche Spuren. In Mogadischu steht der imposante Garesa Palast, ein Bauwerk aus dem 19. Jahrhundert. Ein Wahrzeichen der Stadt ist die Arba-Rucun Mosque. Die Moschee wurde 1269 errichtet. In der Stadt Hargeisa ziehen die Naasa Hablood-Hügel und die Höhlenmalereien von Laas Geel viele Besucher an. Die Höhlenmalereien entstanden zwischen 9000 und 6000 vor Christus. Sie sind ein Zeugnis der Jahrtausende alten Besiedlung Afrikas. Die Höhlenmalerei rechts im Bild zeigt eine Kuh.

Antike pyramidenartige Gebäude, Mausoleen und Ruinen alter Städte sind Überreste eines alten Königreiches. Vermutlich lag in Somalia das Kernland des einstigen Handelsreiches Punt. Das belegen die Kontakte zum alten Ägypten, zu Griechenland, China und Indien. Punt wurde auch "Myrrheland" genannt. Myrrhe, Gewürze, Gold, Ebenholz und Elfenbein, Felle und Rinder wurden gehandelt. Diese Güter waren so begehrt, dass die Pharaonin Hateschepsut sogar eine Expedition in das Puntland entstandte. Diese Expedition wurde auf den Reliefs des Tempels von Hatschepsut Deir el Bahari festgehalten. Mehr über die Geschichte von Somalia
Somalia ist heute vor allem wegen der Piraten vor seiner Küste in den Schlagzeilen. Meist sind es ehemalige Kämpfer aus dem Bürgerkrieg, die arbeitslos sind und sich auf kriminelle Weise Geld verdienen. Sie überfallen die Nahrungsmittellieferungen der Vereinten Nationen oder kapern Handelsschiffe. Aufgrund des Bürgerkrieges galt das Land viele Jahre als „Staat ohne Regierung“. Millionen Menschen waren auf der Flucht. Unzählige sind heute noch auf internationale Hilfe angewiesen. Im September 2012 wurde erstmals wieder eine gemeinsame somalische Regierung gewählt. Sie versprach den Menschen, Frieden zu schaffen, die Wirtschaft zu verbessern und Schulen und Krankenhäuser wieder aufzubauen. Tatsächlich kehrt langsam Frieden ein in Somalia. Zwar sind überall noch ausgebombte Ruinen zu sehen. Doch jeden Freitag, dem muslimischen Feiertag, ziehen die Somalier an die Strände. Die Kinder spielen Fußball und die Frauen wandern am Strand entlang.