Sudan bedeutet im Arabischen „Land der Schwarzen“. Tatsächlich herrschten Araber viele Jahrhunderte über die schwarzafrikanischen Völker im Sudan. In einem langen Bürgerkrieg befreiten sich die Sudanesen von der arabischen Vorherrschaft. Der Krieg endete mit der Unabhängigkeit von Südsudan im Juli 2011. Mit einer Fläche von mehr als 1,8 Millionen Quadratkilometern ist Sudan etwa fünfmal so groß wie Deutschland. Sudan hat 40 Millionen Einwohner.
Sudan liegt im Nordosten von Afrika. Der Norden ist von der Libyschen Wüste und der Nubischen Wüste bedeckt. Die Wüsten erstrecken sich bis nach Ägypten. Im Westen grenzen Libyen und Tschad an das Land. Im Süden liegt Südsudan. Im Osten besitzt Sudan einen Küstenstreifen am Roten Meer mit Port Sudan als wichtiger Hafenstadt. Durch seine gute Lage am Meer entwickelte sich Sudan schon im Altertum zu einem bedeutenden Handelszentrum. Südöstlich von Sudan liegen Eritrea und Äthiopien.
Der Nil ist die Lebensader von Sudan. Seit Urzeiten schlängelt sich der Fluss durch die Weite der Wüsten. Der Fluss ermöglichte das Entstehen früher Hochkulturen. Östlich und westlich des fruchtbaren Niltals erheben sich hohe Randgebirge. Aus Uganda kommt der Weiße Nil, aus den Bergen Äthiopiens der Blaue Nil. Bei der Hauptstadt Khartum treffen die beiden Flüsse zusammen und bilden den längsten Fluss der Erde. Der Nil ist wichtiger Transportweg und sorgt für fruchtbare Anbaugebiete. Mehr über den Nil
Khartum liegt fast in der Mitte des Landes, wie du auf der Karte rechts oben sehen kannst. Der Name Khartum bedeutet Elefantenrüssel, denn die Stadt liegt wie das Ende eines Rüssels am Treffpunkt der beiden Nilflüsse. Sie besteht aus drei Teilen: Khartum, Nordkhartum und Omdurman. Die Stadt hat viele Verwandlungen hinter sich. Sie wurde 1820 von osmanischen Vizekönigen als Militärlager gegründet. Nach vielen Aufständen und Überfällen wurde sie zu einer Geisterstadt. Als Kriege das Land erschütterten, flüchteten sich Heimatlose in die Stadt und erfüllten sie mit neuem Leben. Heute ist Khartum wirtschaftliches und politisches Zentrum des Sudan. Mit etwa 2,7 Millionen Einwohnern ist sie eine moderne Großstadt mit Universitäten, Museen und luxuriösen Hotels. Als Sudan im vorigen Jahrhundert von der britischen Kolonialverwaltung unabhängig wurde, gründeten die Stadtväter hier die älteste Universität des Sudan.
In der Wüste leben arabische Nomadenvölker. Sie ziehen mit Ziegenherden und Kamelen durch die Wüste, auf der Suche nach den besten Weidegründen. Sie schlafen in schnell aufzubauenden Rundzelten, in denen sie vor den extremen Temperaturschwankungen in der Wüste geschützt sind. Tagsüber kann es manchmal 40 ° heiß werden, nachts ist es dann oft sehr kalt, die Temperaturen fallen auf 4 Grad und weniger. In den Städten leben Araber und Schwarzafrikaner aus allen Teilen des Landes.



Im Süden leben überwiegend afrikanische Völker. Die Nuba betreiben in den Bergen im südlichen Sudan Ackerbau. Sie bauen Hirse und Früchte an. Sie feiern ein großes Erntedankfest, zu dem alle Nuba zusammen kommen. Jeder will die Ringkämpfe sehen, die sie an diesem Fest abhalten. Die Dinka züchten Rinder. Ähnlich wie bei den Massai ist die Anzahl der Rinder Ausdruck ihrer sozialen Stellung und ihres Erfolges. Jeder Junge erhält bei seiner Initiation einen Ochsen als Geschenk. Von da an wird der Name des Tieres zum Namen des Jungen. Die Bevölkerung lebt nach den Geboten des Islam und kleidet sich konservativ. Die Männer tragen eine lange Toga und Turban. Frauen tragen auch eine Toga, darüber hüllen sie einen feinen, bunten Stoff, wie die Sudanesin oben im Bild. Der Islam in Sudan ist volkstümlicher als anderswo in Afrika. Die Sudanesen verehren Heilige und Geister und beten zur Jungfrau Maria. Für einen arabischen Islamgläubigen wäre das undenkbar! Arabisch wird vor allem im Norden gesprochen. Afrikanische Sprachen wie Dinka und Nubisch sind im Süden verbreitet. Sudan war zeitweise englische Kolonie, deshalb ist die englische Sprache weit verbreitet.
Fast alle Sudanesen sind Islamgläubige. Deshalb werden die islamischen Feste im ganzen Land gefeiert, wie der Geburtstag des Propheten Mohammed, das islamische Neujahr und das Ende des Fastenmonats Ramadan. Während des Fastenmonats Ramadan verzichten Erwachsene tagsüber auf Essen und Trinken. Nur Kinder und alte Menschen müssen nicht fasten. Das Ende des Fastens wird groß gefeiert. Kinder erhalten Geschenke und Süssigkeiten. Wie die Ägypter feiern auch die Sudanesen das Frühlingsfest, eine Art Fruchtbarkeitsfest. Die Familien ziehen mit Picknickkörben an die Ufer des Nils und feiern mit Spielen und Tänzen ein geselliges Fest. Im Süden des Sudan leben Christen, die alte christliche Feste feiern. Am 25. Dezember begehen sie den Weihnachtstag ähnlich wie wir. Familien und Freunde besuchen die Messe, kommen zu einem Festmahl zusammen und beschenken sich. Jeden Freitag findet in Omdurman, einem Staddteil von Khartum, ein Tanzfest der Sufi statt. Sufi sind Heiler, die von Dorf zu Dorf wandern und traditionelle Medizin und magischen Zauber anbieten.
Die Bildungsmöglichkeiten waren für die einfache Bevölkerung nicht sehr gut. Etwa dreißig Prozent der Männer und mehr als fünfzig Prozent der Frauen können weder lesen noch schreiben. Das soll sich ändern. Vor allem für Kinder und Jungendliche schafft die Regierung heute Verbesserungen. Das Schulsystem wurde Ende des letzten Jahrhunderts reformiert. Die Schulpflicht wurde eingeführt. Schade, dass trotzdem nur die Hälfte der Kinder die Grundschule besucht. Mädchen weniger als Jungs. Sie müssen in der Familie und im Haushalt mithelfen. Deshalb erhalten nur wenige Mädchen eine bessere Ausbildung. Die Gesellschaft erwartet einfach, dass Mädchen bald heiraten werden. Viele Familien denken, eine lange Ausbildung für Mädchen wäre Zeitverschwendung! Nur langsam findet in der islamischen Gesellschaft ein Umdenken statt. Als Folge des Bürgerkriegs wurden für die Flüchtlinge aus dem Darfur sogenannte „Flüchtlingsschulen“ eingerichtet. Eine davon liegt in Tine-Tschad, eine Siedlung an der sudanesischen Grenze. Lehrer und Flüchtlinge gründeten sie in Eigeninitiative. Dort können Kinder die ersten sieben Schuljahre verbringen. Da macht es dann auch nichts, wenn der Unterricht im Freien statt findet. Hauptsache, die Schüler verlieren nicht den Anschluss an den Lernstoff.
Bürgerkriege und Dürrezeiten haben den Sudan zu einem der ärmsten Länder in Afrika gemacht. Dabei ist das Land rund um den Nil fruchtbar und die Böden enthalten wertvolle Erze, Metalle und andere Bodenschätze. Drei Viertel der Sudanesen leben von der Landwirtschaft und vom Handwerk. Kinder arbeiten schon früh mit auf den Feldern und den Märkten.



Ein wichtiges Exportgut ist Baumwolle, die in den Bewässerungsgebieten zwischen dem Weißen und dem Blauen Nil angebaut wird. Hier wachsen auch Erdnüsse, Sesam, Hirse, Weizen und Zuckerrohr. Aus dem Harz des Akazienbaumes gewinnt man das Gummi Arabicum, aus dem früher Gummibärchen herstellt wurden. Heute ist Arabicum so teuer, dass es nur noch Farben und Eiscremes beigesetzt wird. Seit dem Altertum ist Sudan ein wichtiger Exporteur von Gold. Der Sudan verfügt außerdem über Eisen und Uran. Erst im letzten Jahrzehnt wurden reiche Ölvorkommen erkundet. Die Ölförderung sowie eine gerechte Verteilung der Einkünfte daraus könnte die Armut in dem Land lindern oder sogar beiseitigen.
Sudan ist das Reich von Tieren der Wüste und der Savanne

In den nördlichen Wüsten und Halbwüsten in Sudan wachsen kaum Pflanzen. Aus diesem Grund sind auch Tiere selten. Nur an die Trockenheit angepasste Tiere können hier überleben wie Antilopen, Wüstenfüchse, Springmäuse oder Hyänen. Bessere Überlebenschancen haben Reptilien wie Schlangen oder Echsen. Je weiter südlich man kommt, um so mehr gelangt man in die Savanne. Hier leben Steppenzebras, gesellige Tiere, die in Herden leben. Vor lauter Streifen sieht man manchmal nicht, wo vorne und hinten ist, wie links oben im Bild. Im Südwesten beginnt der Regenwald. Im Sumpfgebiet des Sudd wachsen Schilfgräser, Papyrus und Wasserhyazinten. Es ist ein Paradies für Vögel und Schlangen aller Art. In Sudan wurden große Nationalparks und Vogelschutzgebiete eingerichtet. An den Ufern des Nils und den Sumpfgebieten nisten zahlreiche, seltene Singvögel und Greifvögel. Eine der urtümlichsten Echsen ist in Sudan beheimatet. Es handelt sich um Schildechsen, die wie gepanzerte Skinke aussehen.
Mehr über die Tiere der Wüste

Sudan war die Heimat des antiken Nubien. Das nubische Königreich erstreckte sich vom 1. Nilkatarakt bis weit in den Süden. Im legendären Goldland Kusch vertrieben um 900 v. Christus schwarzafrikanische Fürsten die ägyptischen Herrscher. Sie errichteten ein Imperium, das zeitweilig bis zum Nildelta reichte und dessen Kultur die ägyptische gelegentlich noch übertraf. Mehr über die Geschichte Sudans
Sudan ist eine islamische Republik. Der Islam als Staatsreligion bestimmt das Leben der Sudanesen. Mit dem Übertritt zum Islam winkt ein gesellschaftlicher Aufstieg. Deshalb bekennen sich mehr als 70 Prozent der Sudanesen zum Islam. Wegen des früheren Bürgerkrieges befinden sich noch viele Menschen auf der Flucht und es wird von Menschenrechtsverletzungen berichtet. Die Menschen in Darfur leiden besonders an den Folgen des Bürgerkrieges. In Sudan kämpfte die Sudanesischen Volksbefreiungsarmee zwanzig Jahre lang gegen die Regierungstruppen. Der Krieg wurde 2011 beendet. Ein Friedensabkommen wurde geschlossen. Darin einigten sich die Politiker aus dem Norden und Süden des Landes auf eine Trennung. Südsudan ist seit Juli 2011 eine eigenständige Republik. Afrika hat nunmehr 54 Staaten und nicht mehr 53 wie zuvor.
Schon gewusst? Einmal Prinzessin - dieser Traum ging für die kleine Emily Heaton in Erfüllung. An der Grenze zwischen Ägypten und Sudan gibt es ein Gebiet, das nur aus Wüste und Bergen besteht. Kein Land erhebt darauf Anspruch. Emilys Vater kaufte das Gebiet und ernannte es zu einem Königreich, damit seine Tochter Prinzessin werden kann. Nun müssen nur noch die angrenzenden Länder das Königreich anerkennen. Dann kann Emily ihren Hofstaat gründen. Eine Krone hat sie schon.
Mehr zu Südsudan
Wie in allen afrikanischen Ländern erzählt man in Sudan auch viele Märchen und kennt viele Lieder. Die Nomadenvölker besitzen einen großen Schatz an phantastischen Geschichten, die vom Leben in der Wüste handeln, von exotischen Märkten und von unglücklichen Liebesgeschichten. Einige davon hat der Afrikaforscher Leo Frobenius in seinem Band Spielmannsgeschichten des Sahel gesammelt. Natürlich gibt es auch viele Tiermärchen in Sudan. Hier kannst du das Märchen Das Mädchen aus dem Straussenei lesen.
Mehr über Afrika erfährst du in:
Der große Diercke Kinderatlas von Ulf Dr. Zahn, Achim Bröger und Johann Brandstetter
Der große Weltatlas von Philip Steele.
Das Bertelsmann Kinder Länderlexikon von Marcus Würmli und Ute Friesen
Meyers Länderlexikon für Kinder von Liane Apelt und Isabel Große Holtforth
Meine große Kinderwelt von Katja Baier
Kinder Weltatlas von Dorling Kindersley