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Zur Schule bei den Buschmenschen

San Kinder in ihrem Dorf (c) Survival InternationalMüssen die Kinder der San auch in die Schule gehen, fragten einige nach meinem letzten Artikel über die San in der Kalahari. Ja, so viel ist sicher. Auch wenn die Busch-Schule keine Mauern hat, und wenn es weder Stifte noch Tafeln gibt. Denn die Schule der San befindet sich mitten in der trockensten Savanne. Wasser und Nahrung sind knapp. Deshalb wird der Stundenplan von den Notwendigkeiten des täglichen Überlebens bestimmt. Oberster Grundsatz: Solidarität mit allen Lebewesen und der Natur. Man darf nicht mehr nehmen als man gerade braucht. Sonst zerstört man die eigenen Lebensgrundlagen wie auch die Grundlagen der Enkel. Das sagt der San und Menschenrechtler Roy Sesana.

Jagen und Sammeln

San-Kind mit Pfeil und Bogen (c) survival internationalAuf dem Lehrplan der San-Kinder steht Naturkunde ganz oben. Welche Früchte und Beeren sind genießbar, wo wachsen bestimmte Wurzeln, welche Pflanzen sind Heilpflanzen und welche Pflanzen sind giftig. Mehr als zweihundert verschiedene Pflanzen lernen San-Kinder zu unterscheiden. Wir kennen gerade mal dreißig. Tierkunde und Jagd sind für Jungen und Mädchen gleichermaßen wichtig. Tierspuren lesen ist das ABC der San. Schon von klein auf lernen sie, aus Spuren vieles über die Tiere und ihre Eigenarten herauszufinden. Sie können sogar daraus erkennen, ob ein Tier krank ist. Jungs lernen die großen Wildtiere zu jagen, mit Pfeil und Bogen umzugehen und Gift herzustellen. Jeder Junge muss eine Elenantilope erlegen, bevor er mit sechzehn in die Gemeinschaft der Erwachsenen aufgenommen wird. Mädchen lernen, kleinere Tiere zu jagen wie Hasen, Schlangen oder Echsen. Dazu gehört auch, Fallen zu stellen und Bienennester ausfindig zu machen. Honig ist nicht nur ein vitaminreiches Nahrungsmittel, sondern auch hoch gehandelte Tauschware. Eines der spannendsten Fächer ist das Orakellesen aus Tonstücken. Die richtige Deutung ist eine Grundvoraussetzung für jede erfolgreiche Jagd.

Himmelskunde und Naivgation

San-Kinder beim Spielen (c) Steven Gorry - Survival International Wasser ist rar in den trockenen Savannen der Kalahari. Deshalb ist das Auffinden versteckter Wasserquellen ebenso wichtig wie die Kenntnis jener  Wolkenarten, die Regen ankündigen. Denn es gilt, mit dem wenigen Wasser zu haushalten. Die San besitzen keinen Navi. Auf ihrer Jagd entfernen sie sich manchmal viele Kilometer weit weg von ihren Siedlungen. Deshalb lernen sie, sich am Sonnenstand, Mondlicht und an Sternbildern zu orientieren. In einer Gegend ohne Straßen sind die ausgetrockneten Flußläufe wichtige Wegmarken.

Musizieren, Tanzen, Orakel deuten

Rundhütte in einer San-Siedlung (c) Survival International Für Erwachseme sind Rundhütten schnell gebaut, Kinder müssen erst lernen, mit welchen Gräsern Matten geknüpft werden, die Regen fernhalten und vor Hitze bewahren. Mädchen lernen Schmuck aus Muscheln und Kleidung aus Leder herzustellen. Den Bau von Musikinstrumenten wie Rassel, Daumenklavier, eine Art Zitter oder Trommeln gucken die Jüngeren den Älteren ab. Tanzen ist besonders beliebt. Trancetänze anlässlich bestimmter Feste wie der „großen Heiltanz“, der „Regentanz“ oder der „Tanz des Antilopenbullen“ anlässlich einer Hochzeit werden von Kind an eingeübt.

Lernen von den San

Herstellen des Gifts für Pfeile (c) Werner HammerDie San wissen also eine ganze Menge, von dem wir in der westlichen Welt wenig Ahnung haben. In der Wildnis der Kalahari ausgesetzt würden wir verdursten, verhungern oder wären die Beute großer Raubtiere. Doch immer noch leiden die San darunter, dass sie von anderen afrikanischen Völkern und weißen Siedlern als „primitives“ Volk angesehen werden. Es wurde begonnen, Schulen für San Kinder einzurichten. Mit der guten Absicht, den San eine Brücke in die moderne Zivilisation zu bauen. In der Schule wurde jedoch nicht einmal in ihrer Sprache unterrichtet. Die Schulkinder wurden ihrer Gemeinschaft entfremdet, Freundschaften zerbrachen. Die Gemeinschaft bezeichnete sie als „Mensch mit Schatten“. Nach diesen ersten Erfahrungen wurde klar, dass Lernen nur in einem gegenseitigen Austausch funktioniert. Denn die San  zählen zu den wenigen Völkern, die bis heute dem Zwang widerstanden haben, sich der westlichen Zivilisation anzupassen. Auf ihrer Reise durch die Jahrtausende bewahrten sie ihre traditionelle Lebensform und bewiesen eine seltene geistige Stärke. Lernen wir also mehr von den San.

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