Die abenteuerliche Reise der Zugvögel

Zugweg_des_WeistorchsDie Zugvögel reisen über verschiedene Routen nach Afrika. Ihre Bahn kannst du an den roten Pfeilen auf der Karte verfolgen. Einige fliegen über den Osten von Europa und Arabien bis nach Afrika. So haben sie immer Land unter sich und können eine Rast einlegen. Einige reisen nach Spanien und überfliegen die Meerenge von Gibraltar. Das ist eine kurze, aber gefährliche Route. Ziel sind die fruchtbaren Ebenen im Nigerbogen oder die Vogelparadiese an der Westküste. Manche fliegen zum Tschadsee, der etwa in der Mitte von Nordafrika liegt. Welche Vögel nehmen welche Route?

Kraniche und Greifvögel fliegen über Land

KranichKraniche und Greifvögel nutzen die Route über Osteuropa und die Arabische Halbinsel. So verbringen sie die meiste Flugzeit über Land und können die warmen Aufwinde nutzen. Mit ihren langen, breiten Flügeln gleiten sie von Aufwind zu Aufwind und erreichen Höhen bis zu 4 000 Meter. Sie schonen so ihre Energiereserven für den langen Flug. Kraniche fliegen in großen Schwärmen. Man erkennt sie an der typischen Keilformation und den weit hörbaren Kontaktrufen. Auf der Route entlang der ägyptischen Küste lauern die größten Gefahren. Vor allem die kleinen Singvögel bleiben in den Netzen der Vogelfänger hängen. Außerdem lauern ihnen viele hungrige Falken auf. Deshalb fliegen sie nachts über die Sahara.

Die Reise über die Sahara ist  anstrengend

Weistorch_in_MarokkoDer Flug über die Wüste ist besonders anstrengend, denn tagsüber ist es brütend heiß. Die meisten Vögel fliegen deshalb nachts. Tagsüber rasten die kleinen Vögel auf dem Erdboden. Erst bei Sonnenuntergang, wenn es abkühlt fliegen sie weiter. Große und schwere Vögel bevorzugen den Flug am Tag. Sie fliegen in V-Formation, um Energie zu sparen. Dabei lassen sie sich von den heißen Luftmassen nach oben tragen und segeln Richtung Ziel. Ein Teil biegt nach Osten ab und hält Kurs auf den Tschadsee. Ein anderer Teil lässt sich in den Baumsavannen nieder. Hier finden die Zugvögel reichlich Nahrung, so dass es zu keiner Konkurrenz mit den einheimischen Vögeln kommt. Die Störche links im Bild machen Rast auf einer Moschee in Marokko.

Die Autobahn vieler Zugvögel ist der ostafrikanische Grabenbruch

SchwalbeHaben Kraniche und Greifvögel die Reise über die Sahara überstanden, dann kann nicht mehr viel schief gehen. Der Grabenbruch im Osten Afrikas ist die "Autobahn" der Zugvögel. Die Landschaft ist sehr charakteristisch, denn zwischen Bergketten liegen riesige, leuchtend blaue Seen. Hier können sie  sich nicht so leicht verfliegen. Außerdem finden sie an den Ufern der Seenkette jede Menge Futter. Ziel ist das Okavango Delta mit seinen riesigen Sumpfgebieten oder der Sambesi. Sie überfliegen die ätzenden Natronseen in Ostafrika, dann gelangen sie zu den Savannen, den Bergketten des Mondgebirges und kommen vorbei an tosenden Wasserfällen.

Störche, Rauchschwalben und Bussarde ziehen übers Mittelmeer

Die meisten Störche fliegen über Gibraltar bis nach Westafrika, das sind die "Westzieher". Ihre Flugroute führt übers Mittelmeer und erlaubt keine Zwischenlandung. Im Meer würden sie ertrinken. Deshalb sammeln sie sich vor der Küste von Spanien und warten die besten Flugbedingungen ab. Erst wenn ein paar erfahrene Störche zur Überquerung der Meerenge starten, folgen ihnen auch die jungen Störche.

Störche in Marrakesch

Alle Störche sind erleichtert, wenn sie auf der anderen Seite der Meerenge ankommen. Der Flug ist so anstrengend, dass sie erst mal ausgiebig Rast machen und auf Futtersuche gehen, wie hier in Marokko. Einige verabschieden sich bald. Sie reisen weiter in die Sumpfgebiete des Okavango Deltas. Nirgendwo in Afrika gibt es mehr Insekten-, Käfer- und Würmer. Manche reisen sogar bis nach Südafrika. Die meisten sind zwei Monate unterwegs. Wenn sie einen Umweg wählen müssen, etwa wegen schwerer Unwetter, kann ihre Reise sogar 3 Monate dauern.

Mauersegler fliegen um die halbe Erde

MauerseglerDie Langstreckenzieher wie Küstenschwalbe und Mauersegler fliegen bis nach Südafrika. Sie ziehen in der Nacht. Manche Zugvögel legen dabei 10.000 Kilometer und mehr bis zu ihrem Ziel zurück. Auf ihrem Flug machen sie sich über Heuschreckenschwärme her oder über Insekten, die durch Brandrodungen vertrieben werden. Die großen Vögel versuchen die Strecke durchzufliegen. Die kleinen Vögel müssen mehrere Rasten einlegen. Die Mauersegler legen die Strecke zum Teil schlafend zurück. Sie sind die Kunstflugpiloten unter den Vögeln. In atemberaubendem Tempo rasen sie nah an Mauern entlang. Im Sturzflug erreichen sie Geschwindigkeiten von mehr als 200 km/h.

Der Adler hält den Langstreckenrekord

Adler

Ein Adler wurde auf seiner 4monatigen Reise von Rostock nach Südafrika verfolgt. Er verließ Rostock Ende September. Eine Woche später erreichte er den Bosporus. Mitte Oktober überflog er den Suez Kanal. Dieser Teil der Reise verlief gemächlich, verglichen mit der Reise über Nordafrika. Er brauchte nur einen Monat, um durch Ägypten, Sudan, Äthiopien, Kenia und Tansania zu fliegen. Denn ab Ägypten befand er sich auf der "Vogel-Autobahn". Mitte November wurde seine Spur in Sambia wieder aufgenommen. Hier verweilte der Adler sechs Wochen, um wieder zu Kräften zu kommen. Anfang Januar erreichte er Simbabwe. In den Lobombo Bergen an der Grenze des Krüger Parks bezog er ein Nest. Nach vier Monaten machte er sich wieder auf die Rückreise nach Europa.