Im 15. Jahrhundert erkundeten europäische Seefahrer die Küsten Afrikas. Ihnen folgten Händler und Abenteurer. Sie errichteten an den Küsten Handelsposten. Nach den Händlern kamen Entdeckungsreisende und erforschten das Innere des Kontinents.


Schließlich betraten Missionare afrikanischen Boden. Sie bauten Kirchen und Schulen. Sie verbreiteten den christlichen Glauben im südlichen Afrika. Dreihundert Jahre später befand sich ganz Afrika in den Händen von europäischen Mächten.

Um 1880 hatten die Portugiesen und Spanier ihre afrikanischen Handelsposten an den Küsten zu Kolonien ausgeweitet. Die industrielle Revolution entfachte einen unersättlichen Hunger nach Rohstoffen. Franzosen und Engländer konkurrierten um jene afrikanischen Gebiete, die diese wertvollen Rohstoffe besaßen. Wer den Zugriff auf Gold, Kupfer und andere Edelmetalle, auf Elfenbein, Gummi, Kaffee oder Edelhölzer hatte, wurde neue Weltmacht. Als Belgien, Deutschland, Holland und Italien ebenfalls Anspruch auf Kolonialgebiete anmeldeten, begann ein richtiger Wettlauf um Afrika.
Der deutsche Reichskanzler Graf Otto von Bismarck lud 1884 alle europäischen Staatsführer zu einer Konferenz nach Berlin ein. Die zerstrittenen Europäer sollten in der sogenannten "Kongokonferenz" den afrikanischen Kontinent unter sich aufteilen. Sie grenzten die Gebiete auf der Landkarte ab wie mit einem Lineal. Sie achteten nicht darauf, dass dabei viele Völker auseinander gerissen wurden. Kein einziger Afrikaner war bei dieser „Kongokonferenz“ anwesend und konnte etwas dagegen unternehmen. So hatten Portugiesen, Engländer, Franzosen, Deutsche, Belgier und Niederländer freie Hand, um die Bodenschätze auszubeuten und Afrikaner zur Arbeit auf ihren Plantagen zu zwingen.
Die Politiker kümmerten sich nicht um angestammte Siedlungsgebiete oder Wanderwege afrikanischer Völker. Mit ihrer Grenzziehung zerstörten sie die traditionelle Lebensweise von Nomaden. Auf der Karte links im Bild siehst du, dass Frankreich - alle blauen Flächen - und Großbritannien - alle roten Flächen - die größten Gebiete besetzten. Die Briten sicherten sich Vorrechte in ihren ehemaligen Handelsstützpunkten von West- und Ostafrika. Ihr Einfluss erstreckte sich von Ägypten über Sudan, Kenia und Tansania bis nach Südafrika. Im Westen bestimmten sie über Nigeria. Alle anderen Gebiete am Atlantik standen unter der Vorherrschaft der Franzosen: Algier, Marokko, Senegal und Mali. Deutschland als noch junge Kolonialmacht sicherte sich große Gebiete im heutigen Kamerun, in Tansania und Namibia.
Zwei Länder spielten eine Aussenseiterrolle in der afrikanischen Kolonialgeschichte: Äthiopien und Liberia. Nur wenige Jahre schaffte es Italien, äthiopisches Gebiet zu besetzen. Kaiser Menelik II. verteidigte Äthiopien erfolgreich gegen italienische Truppen. Liberia, der weiße Fleck auf der oben Karte - an der Westküste Afrikas - war eine unabhängige Insel zwischen besetzten Ländern. Amerikanische Politiker hatten das Gebiet von Liberia bestimmt, um dort freigelassene Sklaven anzusiedeln.
Mehr über Äthiopien