Aus der Lebensgeschichte von afrikanischen Schriftstellern und Schriftstellerinnen lernen wir einiges über deren Kulturen und politischen Systeme. In den Autobiographien begegnen wir häufig der engen Verbundenheit afrikanischer Erzähler mit ihren kulturellen Wurzeln und nicht selten entstammt ein Autor einer Familie von professionellen Geschichtenerzählern.
Einige Autoren schufen mit ihren Autobiographien Weltliteratur wie Amadou Hampâté Bâ, Wole Soyinka, Nelson Mandela und J. Lemasolai Lekuton. Zwei bekannte Chronisten traditioneller afrikanischer Völker und Lebensformen sind Aniceti Kitereza und Francis Bebey. Nahezu jeder Erzähler verbindet mit seinen Geschichten ein politisches oder soziales Engagement. Dieses Engagement hängt mit der Geschichte des Kontinents zusammen. Nicht wenige Autoren schreiben über Kolonialisierung und die afrikanischen Unabhängigkeitskämpfe wie Chinua Achebe, Meja Mwangi und Ken Saro Wiwa. In Ländern wie Nigeria, Kamerun und Somalia herrscht zwar keine Militärdiktatur mehr wie kurz nach der Unabhängigkeit, aber es existiert noch kein freiheitliches Klima. Aus diesem Grund leben nicht wenige Autoren im Exil. Patrice Nganang schrieb in Deutschland eine witzige Eloge auf seine Heimatstadt Jaunde. Chris Abani schrieb über Elvis Presley’s Graceland, ehe er Nigeria Richtung USA verließ. Schlaglichter auf die Schattenseiten Afrikas, zu denen die Folgen der Epidemie Aids und Bürgerkriege zählen, werfen Henning Mankell, Lutz van Dijk und Troy Blacklaws.
Frauen schreiben Biographien und Chroniken wie ihre männlichen Kollegen. Sie erzählen dabei stellvertretend für viele Afrikanerinnen von typischen Erfahrungen und Konflikten in afrikanischen Gemeinschaften wie Wangari Maathai, Miriam Makeba, China Keitetsi, Miriam Mathabane, Alek Wek, Bessie Head und Gcina Mhlophe. Frauen schildern ihre Erlebnisse während ihrer Zeit des Erwachsenwerdens wie Tsitsi Dangarembga, Fatou Diome und Kagiso Lesego Molope. Ihre Kämpfe um Bildung und Gleichberechtigung unterscheiden sich sehr von den Kämpfen der Jungs ihrer Generation. Über Kinder und Jugendliche, die ihre Eltern verlieren und in soziale und gesellschaftliche Fallen geraten, schreiben europäisch stämmige Autorinnen wie Berlie Doherty, Lesley Milne, Beverly Naidoo und Jenny Robson. An das heikle Thema weibliche Beschneidung wagte sich Marie-France Ehret. Afrikanische Autorinnen wie Chimamanda Ngozi Adichie, Sefi Atta und Amma Darko, die zeitweise in Europa oder in den USA lebten sind erfahren im westlichen „Storybuilding“. Sie erzählen packend über die Schicksale heutiger Afrikanerinnen.