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Ägypten

Flagge von Ägypten  (c) wikicommons

Ahlan wa sahlan - willkommen in Ägypten! Ägypten war einst das Reich der Pharaonen. Heute ist es eine islamische Republik. Mit etwas mehr als 1 Million Quadratkilometer ist es fast dreimal so groß wie Deutschland und mit 80 Millionen Menschen ziemlich dicht besiedelt, wenn man bedenkt, dass es fast nur aus Wüste besteht. Wie das möglich ist? Das Zauberwort ist der Nil.

 

Ägypten - ein Land zwischen Mittelmeer und Rotem Meer

Karte von Ägypten (c) CIA WFB Ägypten ist fast ein Quadrat mit seinen langen Küsten im Norden und Osten, und den wie mit einem Lineal gezogenen Grenzen im Westen und Süden. Die Sinai Halbinsel ragt wie ein Dreieck zwischen Ägypten und Israel in das Rote Meer. Im Norden besteht die Halbinsel aus Sandwüste. Der Süden ist bergig mit dem höchsten Punkt des Landes, dem Mount Catherine oder Jabal Katrina (2629 m). Die Sinai Halbinsel ist durch den Golf von Sues und den Sueskanal vom restlichen Ägypten getrennt. Der Sueskanal ist ein künstlicher Wasserweg, der das Mittelmeer mit dem Roten Meer verbindet. Mehr über den Sueskanal

Lybische Wüste westlich vom Nil (c) Victor KroniyenkoÄgyptische Wüste (c) Steve EvansBerge auf der Halbinsel Sinai (c) Berthold Werner

Mehr als 90 Prozent von Ägypten besteht aus Wüste. Der Nil fliesst mitten durch die Wüste und teilt sie in eine westliche Hälfte, die Libysche Wüste, und eine östliche Hälfte, die Arabische Wüste. Die Libysche Wüste ist flach mit mehreren Schotter- und Sandplateaus. Außer dem Nil gibt es keine weiteren Flüsse. Wenn Regen fällt, sammelt er sich in Niederungen und bildet kurzfristig Salzseen. Die Arabische Wüste ist zerklüftet mit Bergen und Hochebenen, die zum Roten Meer in Klippen abfallen. Die Wüste ist fast menschenleer, hier wachsen kaum Bäume, nur hin und wieder eine Akazie, Dornensträucher oder eine Palme. Das war nicht immer so. In frühester Zeit war ein Teil der Libyschen Wüste ein Meer. Woher wir das wissen? Durch Wale!

Wüstenklima und Küstenklima

Nil bei Luxor (c) Marek KocjanIn Ägypten ist es trocken, selbst in dem Küstenstreifen am Mittelmeer regnet es kaum. In den Wüstengebieten fällt jahrelang kein Regen. Die Temperaturen schwanken sehr stark. Am Tag kann es  50 Grad heiss werden. Nachts fällt das Thermometer manchmal um 30 Grad oder mehr. Richtig kalt wird es in den Bergen auf der Sinai-Halbinsel. Im Winter schneit es hier oft. Die Bewohner machen das beste daraus und sammeln das Schmelzwasser für den häufig sehr trockenen Sommer.

Kairo und Alexandria – die größten Städte Ägyptens

Kairo mit Blick auf den Nil (c) RaduadandeiKairo ist die Hauptstadt Ägyptens und mit knapp 20 Millionen Einwohnern die größte Stadt von Afrika. Sie liegt etwa 20 km von Theben entfernt, der einstigen Hauptstadt des Pharaonenreiches. Kairo entstammt dem Arabischen und bedeutet „die Starke“. Kairo liegt im Tal des Nils, kurz bevor sich der Fluss in zwei Arme aufteilt, wie du auf der Karte oben sehen kannst. Kairo befindet sich östlich des Nils. Wolkenkratzer, Bankentürme und prächtige Hotelanlagen prägen das moderne Kairo. Auf der anderen Seite des Nils, im Westen, ragen die Pyramiden von Gizeh in den Himmel. Sie sind so nah, dass man von Kairo aus mit der U-Bahn dorthin gelangt. Dass die Pyramiden westlich des Nils gebaut wurden, hatte einen Grund. Die alten Ägypter glaubten, dass ihre Seelen nach dem Tod dorthin ziehen, wo die Sonne untergeht. Die zweite große Stadt Ägyptens ist Alexandria, benannt nach ihrem Gründer Alexander dem Großen. Sie liegt am Mittelmeer, an der Mündung des Nils und besitzt den größten Hafen des Landes. Alexandria ist kleiner als Kairo und hat auch weniger Einwohner. Doch sie  beherbergt bedeutende Bauten der Antike. Mehr über Kairo und Alexandria

Der Nil

Das linke Nilufer (c) RmihDer längste Fluss der Welt fließt vom Süden nach Norden 1 500 km durch Ägypten. Er durchquert die Wüste und bildet die Lebensader des Landes. Er dient den Ägyptern als Verkehrsweg und liefert Wasser sowie fruchtbares Schwemmland. Bei Assuan ist ein Staudamm angelegt worden, um aus Wasserkraft Energie zu gewinnen. Mit dem etwa 25 km breiten Delta sorgt der Nil seit der Antike für die Ernährung von Millionen von Menschen. Der Großteil der Bevölkerung lebt im Niltal und Nildelta auf nur vier Prozent der gesamten Fläche des Landes. Die Felder am Nil gehören zu den ertragreichsten Flächen der Welt. Baumwolle, Mais, Weizen, Zuckerrohr, Reis, Obst und Gemüse werden dort angebaut.

Das Nildelta

Nildelta mit Nilpferden (c) bpblogspotNördlich von Kairo teilt sich der Nil in zwei Arme, die sich immer weiter verzweigen. Durch den fruchtbaren Schlamm, den der Nil in seinen jährlichen Überschwemmungen ablagerte, entstand hier ein überaus fruchtbares Delta. Das Nildelta ist mit über 24 000 qkm etwa so gross wie Baden Württemberg. Im Nildelta wird sehr viel Landwirtschaft betrieben, hier haben sich aber auch eine Menge Industriebetriebe angesiedelt. Trotzdem ist noch Platz für Nilpferde, die hier seit Jahrtausenden heimisch sind. Weil immer mehr Wasser für die Bewässerung entnommen wird, ist der Pegel des Nils in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken. Mehr über den Nil

Wirtschaft und Rohstoffe

Vater und Tochter bei der Erntearbeit (c) USAIDHurghada Altstadt mit Händlern (c) Olaf TauschErdölplattform (c) PetrobalticÄgypten ist der viertgrößte Ölproduzent von Afrika. Daneben sind Gold, Uran, Phosphate, Eisenerz und Erdgas wichtige Exportgüter. Ein Drittel der Menschen arbeitet in der Landwirtschaft und in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte. Ägyptens Baumwoll- und Textilindustrie sind nach dem Staat der größte Arbeitgeber. Viele arbeiten auch in Zucker, Zement- und Kunstdüngerfabriken. Erstaunlich viele Ägypter sind im Tourismus beschäftigt. Sie sind im Hotelgewerbe tätig, als Fremdenführer oder sie arbeiten in kleinen Werkstätten, in denen sie Kunsthandwerkliches für Touristen fertigen wie Souvenirs, Schmuck und Spielzeug.

Völker  und Sprachen

Leben in Ägypten noch Nachfahren der alten Ägypter? Die koptischen Christen im Land behaupten, dass sie die einzigen sind, die ihre Abstammung bis in die Zeit des Pharaonenreiches zurückverfolgen können. Mehr als 90 Prozent der Einwohner sind aus dem Zusammenwachsen von altägyptischer und arabischer Bevölkerung entstanden. Arabische Heere hatten Ägypten 642 n. Christus eingenommen und sich dort angesiedelt. Im Lauf der Jahrhunderte vermischten sich Familien, Kulturen und Religionen. Vor der arabischen Invasion waren die meisten Ägypter Christen. Ein Jahrhundert später hatten fast alle Ägypter den muslimischen Glauben angenommen. Amtssprache ist arabisch, jedoch sprechen viele Ägypter auch französisch und englisch.

Cafe in Kairo (c) Haitham Alfalah

Ländliches Leben in Ägypten (c) hajorBananenverkaeuferin im Nildelta (c) sfHajortVon allen nordafrikanischen Ländern hat der Islam Ägypten am stärksten beeinflusst. Das Leben von Männern und Frauen ist strikt getrennt. Der Platz der Frauen ist in der Familie. Auf dem Land sind Frauen oft verschleiert. In den Städten tragen die jungen Ägypterinnen meist  ein Kopftuch. Öffentliche Verkehrsmittel werden von Frauen und Männern getrennt genutzt. In den Cafes sieht man nur Männer. Eine gute Entwicklung im Land am Nil: Im Berufsleben findet man immer mehr emanzipierte Frauen. Mehr als ein Drittel der Ägypter ist jünger als 14 Jahre. Ägyptens Bevölkerung wächst rasch, jedes Jahr werden etwa 1,2 Millionen Kinder geboren. Dadurch entsteht ein gewaltiger Druck auf die Wirtschaft wie auch auf das dicht bevölkerte Siedlungsland.

Schulen – Unterricht zwischen traditionell und modern

Mädchen in ägyptischer Schule (c) Care, Kimberly CongerIn  Ägypten besteht eine allgemeine Schulpflicht und der Unterricht ist kostenlos. Dennoch besuchen nur zwei Drittel der Kinder aus armen Familien eine Schule. Meist sind es die Mädchen, die zu Hause bleiben. Sie helfen bei der Feldarbeit und werden schon früh darauf vorbereitet, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Die Schulen werden ziemlich autoritär geführt, Schülervertretungen werden erst aufgebaut. Trotz der seit mehr als fünfzig Jahren bestehenden Schulpflicht kann die Hälfte der Ägypter nicht lesen und schreiben. Wie in anderen nordafrikanischen Ländern gibt es auch in Ägypten islamische Koranschulen. Eine Besonderheit ist die Kairoer Al-Azhar-Universität. Sie besteht bereits seit 983 und ist ein Zentrum islamischer Gelehrsamkeit.

Was spielen Kinder in Ägypten?

Kinder in Ägypten (c) Care, EsteyViele ägyptische Kinder müssen nach der Schule arbeiten. Zum Spielen bleibt da nicht viel Zeit. Die Jungs spielen am liebsten Fußball. Einige Spiele lieben alle Kinder, zum Beispiel den "Schlangentanz". Ein Kind steht in einem Kreis. Die anderen Kinder knien außerhalb des Kreises und versuchen, die Füße des Schlangentänzers zu fassen zu kriegen. Wer einen Fuss packt, darf als nächster in den Kreis und tanzen.

Sehenswürdigkeiten in Ägypten

die Pyramiden von Gizeh (c) windroseKein afrikanisches Land hat so viele Sehenswürdigkeiten zu bieten wie Ägypten. Denn keine Hochkultur des Altertums hat uns so zahlreiche sehenswerte Orte und Schätze hinterlassen wie die alten Pharaonen. Rechts im Bild siehst du die Pyramiden von Gizeh, die etwa 20 km von Kairo entfernt liegen. Im Tal der Könige und in der Totenstadt Sakkara kannst du alte Gräber besichtigen, darunter das Grab von Tutanchamun, oder auch ins Mumienmuseum  gehen. Nahe dem Tal der Könige liegt der riesige Totentempel der Pharaonin Hatschepsut. Auch die prächtigen Tempelanlagen von Karnak, Luxor und Abu Simbel, dem Tempel von Ramses II., sind einen Besuch wert. Ein Tipp für Tierfreunde: Das Tal der Wale ist ein Erlebnis für alle, die sich für die Entstehung unserer Erde interessieren und für urzeitliche Lebewesen. Ein Tipp für Sportfreunde:  Die Küste des Badeortes Hurghada ist ein Taucherparadies. Nirgends kann man mehr Fische beobachten als im Roten Meer vor der Küste Ägyptens. Etwa 1500 verschiedene Fischarten hat man hier gezählt. Falls du mehr über die Bibel, Moses und die zehn Gebote erfahren willst, dann musst du den Mosesberg auf der Halbinsel Sinai besteigen. Hier erfährst du mehr über die Tempel in Ägypten  

Die Tierwelt in Ägypten

Ägyptischer Falke (c) Edal Anton LefterovIn Ägypten leben alle Arten von Wüstentieren. Zu den größeren Wildtieren zählen Schakale, Hyänen, Wildkatzen und Wüstenfüche. Kleintiere wie Hasen, Springmäuse, Echsen und Skorpione haben sich an das Leben im heißen Wüstensand angepaßt. Raub- und Aasvögeln wie Geier, Habichte und Milane kreisen am Himmel auf der Suche nach Beute. Am Nil findest du viele Wasservögel wie Reiher, Kraniche und Wildgänse. Während der Wintermonate gesellen sich europäische Zugvögel hinzu. Nilkrokodile, die im Altertum überall im Nil zu finden waren, gibt es heute fast nur noch am Nassersee. Im Nil und in den Seen an der Küste leben fast zweihundert verschiedene Fischarten. Links im Bild ist ein ägyptischer Falke zu sehen. Mehr zu Tieren, die es nur in Ägypten gibt. Hier findest du mehr über Tiere der Wüste

Geschichte

Ägypten ist durch die Sinai Halbinsel mit der arabischen Welt verbunden. Es hat durch seine lange Geschichte eine große  Ausstrahlung in der arabischen Welt. Hier entstand um 3000 vor Christus das Pharaonenreich,  eine der frühen Hochkulturen der Alten Welt.

Pyramide von Gizeh (c)

Alexandria Pompejus Säule (c) Hajor

Al Azhar Moschee (c) Tentoila

 

 

Nach der Pharaonenzeit erlebte Ägypten viele Fremdherrschaften, angefangen mit den Römern, die Ägypten kolonisierten und später den Arabern, die das Land besetzten. Auch die Osmanen beherrschten einige Jahrhunderte das Land am Nil. Erst im Jahr 1936 erlangte das Reich seine Selbstständigkeit. Mehr über das Reich der Pharaonen. Hier findest du mehr über die Zeit nach dem Pharaonenreich.

Ägypten heute - ein Land im Umbruch

Revolution in Ägypten, Mann hisst Fahne auf der Qasr Nil Brücke (c) J bartaÄgypten ist ein islamischer Staat. Der Islam wurde 1980 zur Staatsreligion erklärt. Seit der Unabhängigkeit wurde Ägypten von autoritären Machthabern regiert. Der Präsident hatte umfassende Machtbefugnisse. Seine Macht stützte sich auf das Militär. Es gab keine Gewaltenteilung und keine Pressefreiheit. Die Menschenrechte wurden wenig geachtet. Kein Wunder also, dass der "Arabische Frühling" auch Ägypten erfaßte. 2011 gingen Millionen von Ägyptern auf die Straße. Sie wollten eine demokratische Regierung. Sie stürzten das alte Regime unter dem Präsidenten Mubarak. Freie Wahlen wurden abgehalten. Die islamische Bruderschaft kam an die Macht. Sie versprach, sich für mehr Gerechtigkeit einzusetzen. Doch das genaue Gegenteil geschah. Sie hat alles getan, um eine  Gewaltenteilung zu verhindern. Gewaltenteilung ist ein Kennzeichen demokratischer Staaten. Sie dient dazu, dass nicht ein einzelner oder eine Gruppe die absolute Macht in einem Staat erhält. Wie die autoritären Regierungen der Vergangenheit hat sich die islamische Bruderschaft den Staat zu eigen gemacht. Sie hat in vielen Punkten die Scharia eingeführt. Sie schränkte die Gleichberechtigung der Frauen noch mehr ein. Und sie unternahm nichts gegen den wirtschaftlichen Niedergang im Land.

Tage des Zorns - Ägypten aktuell

Seit 2011 drückt die Bevölkerung ihren Zorn aus in Demonstrationen zum Jahrestag des Sturzes von Mubarak. Sie gehen auf die Straße und demonstrieren gegen die alten und neuen Machthaber, die ihren Willen nach einer demokratischen Verfassung ignorieren. Sie wollen keine islamische Diktatur. Aber ebenso wenig wollen sie eine Militärregierung. Ist der "Arabische Frühling" nur ein kurzer Traum gewesen? Sicher nicht. Doch der Weg zu einer demokratischen Regierung, an der alle politischen Kräfte im Land gleichberechtigt beteiligt sind, ist noch weit.

Mehr über die Geschichte von Ägypten

Mehr über das Reich der Pharaonen

Basbusa, das Rezept für einen ägyptischen Zuckerkuchen

Mehr über Afrika erfährst du in:

Der große Diercke Kinderatlas von Ulf Dr. Zahn, Achim Bröger und Johann Brandstetter

Der große Weltatlas von Philip Steele.

Das Bertelsmann Kinder Länderlexikon von Marcus Würmli und Ute Friesen

Meyers Länderlexikon für Kinder von Liane Apelt und Isabel Große Holtforth

Meine große Kinderwelt von Katja Baier

Kinder Weltatlas von Dorling Kindersley

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