Äthiopien liegt in Ostafrika. Es ist ein außergewöhnliches Land mit einer langen Geschichte. Vor 25 Jahrhunderten legte die Königin von Saba den Grundstein für das älteste Kaiserreich der Welt. Das Land ist mit mehr als 1 Million Quadratkilometer dreimal so groß wie Deutschland. Etwa 90 Millionenen Menschen leben in Äthiopien.
Äthiopien liegt im Osten des Kontinents, am sogenannten Horn von Afrika. Spitz wie ein Horn ragt der Kontinent an dieser Stelle in den Ozean. Doch Äthiopien selbst hat keinen Zugang zum Roten Meer oder zum Ozean. Die Küstenstreifen sind von Eritrea, Djibouti und Somalia besetzt. Im Nordwesten von Äthiopien liegt Sudan, im Westen Südsudan und im Süden befindet sich Kenia. Das Land wird geprägt vom Hochland von Abessinien. Im Hochland entspringt der Blaue Nil. Wegen seiner dunklen Farbe nennt man ihn hier den "erdigen Fluss“. Der größte See ist der Tana See. Im Nordosten, an der Grenze zu Eritrea, liegt die Danakil Senke mit Salzseen und immer noch aktiven Vulkanen.
Das Hochland von Äthiopien ähnelt den europäischen Mittelgebirgen. In früheren Zeiten wuchsen auf dem Hochland dichte Wälder mit Schirmakazien und Baobabbäumen. Durch die Waldrodungen verschwanden über die Jahrhunderte viele Pflanzen und Tiere. In den Savannen und Feuchtwäldern wachsen noch einige der ältesten Pflanzen der Erde. Dazu zählt auch die Kaffeepflanze. Das Gebiet Kaffa gilt als Ursprung des Kaffees.
Die Danakilsenke ist eine der Regionen unseres Planeten, in der sich die Erde ständig verändert. Hier liegt die Nahtstelle zweier Erdplatten, die den Afrikanischen Grabenbruch bilden. Diese Stelle ist auch der Geburtsort eines einzigartigen Vulkans, des Dallol. Er beherbergt einen der fünf Lavaseen auf dieser Erde. Hier kann man buchstäblich Mutter Natur in den Kochtopf sehen. Der tiefrote Erdboden wird umspült von alkalisch-blauen Tümpeln und smaragdgrüner Säure. Schwefeldämpfe steigen auf. Kein Tropfen Wasser fällt vom Himmel. Das Thermometer steigt manchmal auf unerträgliche 65 Grad. In der Sprache der Afar bedeutet Dallol Auflösung. Manche glauben, dass hier der Leibhaftige wohnt. Tatsache ist, dass an dieser Stelle die Erdplatten des afrikanischen Kontinents immer weiter auseinander gerissen werden.
Im Hochland von Abessinien liegt die Hauptstadt Addis Abeba. Ihr Name bedeutet Neue Blume. Der Ort war einst Residenz der mittelalterlichen Könige. Die Frau von Menelik II. machte baute die alte Residenz Ende des 19. Jahrhunderts zu einer modernen Stadt aus. Heute befindet sich in Addis Abeba das politische Zentrum Afrikas.
Seit tausenden von Jahren trafen am Horn von Afrika die großen Völker Asiens und Afrikas aufeinander. Christen, Juden und Muslime bildeten eine einmalige Mischung des Glaubens und des Brauchtums. Heute leben in Äthiopien sechs große Volksgruppen, darunter die Amharen und die Tigre. Die Amharen und Tigre leben im Hochgebirge, im Norden von Äthiopien. Es gilt als Kernland der früheren christlichen Hochkultur. Die Amharen galten als das Staatsvolk und waren bekannt als unerbittliche Krieger und geschickte Diplomaten. Die besondere Haartracht der Amharen und Tigre Frauen sind viele, eng am Kopf geflochtene Zöpfe, die zu den Schultern kraus auslaufen. Die Menschen auf dem Land leben in Familienhütten. Kochen, schlafen, arbeiten, alles findet vor und in den Hütten statt.
Die meisten Äthiopier sind Christen und feiern dieselben Feste wie wir. Das wichtigste Fest ist Fassika, das Osterfest, das sie allerdings später feiern, denn sie haben nicht 12 sondern 13 Monate. Zwei Monate vor Ostern halten alle Menschen eine strenge Fastenzeit ein. Sie essen kein Fleisch, keine Milch oder Butter. Aber an Ostern feiern sie ein üppiges Fest. Als Festmahl gibt es Lammgulasch und Fladenbrot.
Die Schulpflicht in Äthiopien beträgt 8 Jahre. Doch nicht einmal die Hälfte der Kinder geht zum Unterricht. Die andere Hälfte muss Geld verdienen, damit die Familie überleben kann. Kinder arbeiten auf den Feldern, holen Wasser, suchen Feuerholz oder passen auf die jüngeren Geschwister auf. Denn die Eltern müssen arbeiten. Die meisten lernen deshalb nicht lesen oder schreiben. Besonders Mädchen müssen ihre Eltern lange bitten, bevor sie die Schule besuchen dürfen. Oft glauben die Eltern, dass sie keine Bildung brauchen, denn sie werden bald Hausfrauen und Mütter sein. Der Unterricht in den Schulen beginnt eine halbe Stunde später als bei uns, um 8 Uhr dreißig. In der Grundschule ist Amharisch die Unterrichtssprache, in der Oberstufe wird in englisch unterrichtet. Neben lesen und schreiben sind die Hauptfächer Mathematik, Sprachen, Chemie und Geographie. In Sachkunde lernen Kinder, wie man Gemüse anbaut oder wie Kühe mehr Milch geben. Wenn sie darüber zu Hause berichten, lernen manchmal auch die Eltern dazu. Das schlimmste in den Schulen auf dem Land sind die oft fehlenden Latrinen.

Fans von Indiana Jones aufgepasst: Besucht Axum, wenn ihr nach Äthiopien kommt. Dort soll die Bundeslade aufbewahrt sein, die als einer der größten Schätze der Menschheit gilt. In ihr werden die Tafeln mit den 10 Geboten aufbewahrt, die Mose von Gott erhielt. Heute wacht ein Mönch darüber, dass niemand die Bundeslade sieht oder sie gar öffnet. Man kann nur die Kapelle besichtigen, in der sich der Schatz befindet. Nicht einmal der Hollywood-Archäologen Indy Jones schaffte es, in den Besitz der Bundeslade zu gelangen. Er spürte den "verlorenen Schatz" zwar auf, konnte ihn aber nicht öffnen. Dann wäre er, wie die Bösewichte im Film, zu Staub zerfallen. Mehr über Aksum
Addis Abeba bietet viele staunenswerte Paläste und Gärten. Doch das sehenswerteste ist das Nationalmuseum. Hier kannst du unserer Vorfahrin Lucy begegnen, einem der ersten afrikanischen Frühmenschen. Sie ist nur ein Skelett, doch die Äthiopier nennen sie liebevoll „dinkenesh“, was bedeutet „Du bist wundervoll“ . Auch noch sehenswert: die Felsenkirchen von Lalibela. Die in die Erde gebauten Kirchen sind aus einem einzigen Fels gefertigt und zählen zu den Kulturwundern dieser Welt. Ihre Entstehung ist ähnlich rätselhaft wie die der ägyptischen Pyramiden. Benannt sind die Gebetshäuser nach ihrem Erbauer Lalibela, einem der Herrscher des alten Reiches von Aksum. Mehr über die Felsenkirchen von Lalibela
Durch die intensive Landwirtschaft sind freilebende Wildtiere in Äthiopien selten geworden. Nur in den Nationalparks stehen sie unter einem besonderen Schutz und dürfen nicht gejagt werden. In den Simien Mountains im Hochland lebt noch der äthiopische Wolf. Auf seinen Streifzügen durch die raue Gebirgswelt wird er von majestätischen Raubvögeln begleitet. Ihre Warnrufe verraten Gazellen, Ziegen, Pavianen und Meerkatzen, dass der gefährliche Räuber auf der Pirsch ist. Horden von Pavianen grasen friedlich im ersten Licht des Tages. Sie haben immer einen aus der Gruppe als Wächter auf einem Baum postiert, der sie vor dem Herannahen der Wölfe warnt. Die wenigen Feuchtwälder sind ein Paradies für viele bunte Vogelarten. Die unglaubliche Vielfalt an Reptilien wie Echsen, Frösche sowie Insekten bietet eine reiche Nahrungsquelle für die gefiederten Bewohner.
Äthiopien ist ein ganz besonderes Land. Hier entdeckten Forscher einige der frühesten Spuren der Menschheit. In Äthiopien wurde 10 000 Jahre vor Christus das Kaiserreich von Abessinien gegründet. Die Legende sagt, dass es von Menelik, dem Sohn der Königin von Saba gegründet wurde. Die heutigen Grenzen von Äthiopien ähneln noch den alten Erzählungen: Äthiopien ist das Land Kusch des Alten Testaments. Hier entstand später das erste christliche Königreich Aksum. Es erstreckte sich bis in die arabische Welt hinein. Mehr über das Königreich Aksum
Die Bevölkerung von Äthiopien ist sehr jung. Die Hälfte der fast 98 Millionen Einwohner ist unter 15 Jahre alt. Die Familien haben oft viele Kinder, da sich die Familienmitglieder gegenseitig unterstützen können. Das einstige Kulturland Äthiopien zählt heute zu den armen Ländern Afrikas. Es regnet selten, die Dürren häufen sich und die Ernten sind gering. Die Armut trifft vor allem die einfachen Menschen und Kinder. Es herrscht zwar Schulpflicht, aber viele Kinder müssen zu Hause und auf dem Feld mithelfen. Sie arbeiten mit bei der Kaffee-Ernte oder hüten die Kühe und Ziegen. Sie besuchen deshalb oft nur wenige Jahre die Schule. Für weiterführende Schulen oder gar ein Studium fehlt den meisten Familien das Geld.
In Äthiopien berichten viele Märchen von den Gefahren der Nomaden auf ihren Wanderwegen durch die Wüste. Viele erzählen von Armut und Habgier, denn das Leben in den Bergen Äthiopiens ist beschwerlich. Hier kannst du das Märchen Die zwei Stieftöchter lesen
Hier findest du die Sage über die Königin von Saba und die Zusammenfassung des bekannten Märchens Ali und der Zauberkrug
Schon gewußt: Die Äthiopier leben hauptsächlich von der Landwirtschaft. Über das Land zieht sich ein dichtes Netz von sieben Millionen Farmen. Farmen werden durch Brandrodung gewonnen, und immer wieder geraten dabei die Feuer ausser Kontrolle. Dadurch hat das Land bereits einen großen Teil seiner ursprünglichen Wälder verloren. Einige Experten glauben, dass Äthiopien in den nächsten zwanzig Jahren dadurch seinen gesamten Waldbestand verlieren könnte.
Fladenbrot für das Festessen, ein Rezept aus Äthiopien
Mehr über Schulen in Äthiopien
Mehr über die Geographie von Afrika erfährst du in:
Der große Diercke Kinderatlas von Ulf Dr. Zahn, Achim Bröger und Johann Brandstetter
Der große Weltatlas von Philip Steele.
Das Bertelsmann Kinder Länderlexikon von Marcus Würmli und Ute Friesen
Meyers Länderlexikon für Kinder von Liane Apelt und Isabel Große Holtforth
Meine große Kinderwelt von Katja Baier
Kinder Weltatlas von Dorling Kindersley