Sierra Leone ist ein kleines Land in Westafrika. Auf einer Fläche von etwa 72 000 qkm leben 6 Millionen Menschen. Zum Vergleich: In Bayern, das etwa gleich groß ist, leben doppelt so viele Einwohner.

Sierra Leone liegt an der Westküste Afrikas. Es grenzt im Norden an die Republik Guinea und im Südosten an Liberia. Im Süden befindet sich der Atlantische Ozean.
An der Atlantikküste zieht sich eine etwa 100 km breite Ebene entlang. Vor der Küste erstrecken sich zum Teil lange Sandbänke. Hinter der Küstenebene erheben sich die Guinea Highlands mit den Loma Mountains und Tingi Hills. In den Guinea Highlands entspringt der Niger, der größte Fluss in Westafrika. Auf der Freetown-Halbinsel erheben sich die Sierra Lyoa Mountains.



Von den bis zu 1000 Meter hohen „Löwenbergen“ hat das Land seinen Namen. In Sierra Leone herrscht tropisch-feuchtes Klima. Das Jahr unterteilt sich in eine Regen- und eine Trockenzeit. Die Regenzeit beginnt Mitte Mai mit Gewittern und Regenfällen, dann regnet es fest ununterbrochen bis zum September. Mitte Oktober beginnt die Trockenzeit. Von Dezember bis Januar weht der trockene und staubige Harmattan-Wind von der Sahara. Februar, März, April sind die heißesten Monate mit seltenen Niederschlägen und Temperaturen zwischen 35 und vierzig Grad. Mehr über den Niger
Freetown ist mit 830 000 Einwohnern die größte Stadt von Sierra Leone. Die Hauptstadt von Sierra Leone liegt an der Nordwestspitze der Freetown Peninsula, einer Halbinsel die in den Atlantischen Ozean reicht. Dicht bewaldete Hügel umschließen die historische Hafenstadt. Feine Sandstrände säumen die Küste. Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt ist der Cotton Tree. Der "Baumwoll-Baum" steht im Stadtzentrum seit 1787. Hier befindet sich auch das Sierra Leone National Museum, das einzige des kleinen Landes. Architektonisch interessant sind das Gebäude des Obersten Gerichtshofes, die "Portugiesischen Treppen" sowie die verschiedenen Kirchen und Moscheen wie die St. Johns Maroon Church und die Foulah Town Moschee.



Das Fourah-Bay-College ist die älteste Universität Westafrikas. Wegen dieser Universität wird Freetown auch als „Athen Westafrikas“ bezeichnet. Sie wurde bereits 1827 gegründet. Ursprünglich eine Missionarsschule, entwickelte sich Fourah Bay bald zu einem Magneten für gebildete Menschen aus ganz Westafrika. Sie erlangte ihren Ruf wegen ihrer philosophischen und religiösen Schwerpunkte. Der King-Jimmy-Markt ist ebenfalls einen Besuch wert. Früher war der Markt ein Zentrum des Sklavenhandels, heute stellen dort Handwerker und Künstler ihren Waren aus. In Freetown befindet sich ein Internationaler Flughafen. Doch die öffentlichen Verkehrsmittel sind nicht gut ausgebaut. Die meisten sind mit Motorrollern oder in Sammeltaxis unterwegs.
Die Bevölkerung in Sierra Leone besteht aus vielen Völkern. Die verschiedenen Kulturen und Sprachen sorgen für eine buntes Bild. Die größten Bevölkerungsgruppen bilden die Mende und die Tenne. Außerdem leben hier die Fula, Peul, Mandingo und Kreolen. Schließlich leben hier auch die Nachfahren ehemaliger Sklaven, die sich nach Abschaffung der Sklaverei hier angesiedelt haben.



In der ehemaligen britischen Kolonie hat sich das Englische als Amtssprache erhalten. Aber nur wenige beherrschen Englisch. Die meisten sprechen Krio, eine Mischung aus verschiedenen afrikanischen Sprachen und Englisch, Auch die Religion ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. Mehr als die Hälfte der Einwohner sind Anhänger des Islam, wie nahezu über all in Afrika sind es Sunniten. Eine Minderheit gehört den christlichen Glaubensgemeinschaften an. Ein Drittel pflegt seinen afrikanischen Glauben. Es gibt noch viele Geheimbünde, die die alten Bräuche pflegen, die Maskentänze aufführen und die alten Traditionen bewahren. Leider gehören dazu auch die Beschneidungen von Mädchen. Inzwischen gibt es immer mehr, die sich gegen Beschneidungen einzusetzen.

Kein Fest ohne die Tanzenden Teufel: Am Unabhängigkeitstag und an den wichtigsten christlichen Feiertagen Weihnachten und Ostern tanzen in Sierra Leone die Teufel. Die Geheimgesellschaften präsentieren zu diesen Anlässen ihre "Teufel", prachtvoll maskierte Tänzer, und ziehen mit ihnen durch die Stadt. In Freetown werden sie von Musikgruppen mit Flöten und Trommeln begleitet. Wie in einer Love Parade gibt es prächtig geschmückte Wagen mit mächtigen Soundanlagen, aus denen die neusten Hits dröhnen. Diesen folgen Handkarren mit Schnaps und anderen Getränken. Die Umzüge sind nicht ganz umsonst. Mit wilden Gesten fordern die Tänzer die Zuschauer auf, "dem Teufel Geld zu geben". Es ist eine Mischung aus Volksfest und Love Parade.
Sierra Leone besitzt kaum historische Sehenswürdigkeiten. Dafür haben die Landschaft, die langen Sandstrände und die großen Tierschutzparks viel Abwechslung zu bieten. In den Hügeln außerhalb von Freetown liegt das Schimpansenschutzgebiet Tacaguma. Nirgendwo kann man unsere nächsten Verwandten im Tierreich besser beobachten. Unter Tauchsportlern sind die Banana Islands, eine kleine Inselgruppe vor der Freetown Peninsula, ein Geheimtipp. Während der Ferienzeit sind die Sandstrände dicht bevölkert. Für Schnorchler ist die artenreiche Unterwasserwelt ein Paradies. Im Sakanbiarwa-Naturschutzgebiet kann man zur Zeit der Orchideenblüte die buntesten Blütenmeere bewundern, wie sie nur in tropischen Gebieten gedeihen.
Während des Bürgerkrieges in Sierra Leone wurden über 1270 Schulen zerstört. Nach dem Ende 2001 besuchte nur ein kleiner Teil der Kinder in schulpflichtigem Alter die Schule. Auch heute ist nur ein kleiner Teil der Schulgebäude wieder aufgebaut. Es fehlt an Lehrern und Schulmaterial. Die Regierung beabsichtigst zwar die Einführung einer allgemeinen Schulpflicht. Aber in der Realität ist man noch weit davon entfernt. Zwei Drittel der Erwachsenen sind Analphabeten, die Mehrheit sind natürlich Frauen. Sie werden von klein auf zur Mithilfe im Haushalt oder auf den Feldern angehalten. Überhaupt ist die Kinderarbeit in Sierra Leone sehr hoch. Die Hälfte aller Kinder zwischen 5 und 14 Jahren muss teilweise schwere Arbeiten verrichten.
Die Mehrzahl der Menschen lebt von der Landwirtschaft. Kaffe, Kakao, Ingwer, Maniok, Reis, Hirse, Mais, Erdnüsse, Palmkerne und Palmöl, Kolanüsse, Kautschuk. Leider werden viele Farmen im Hinterland noch nicht wieder bewirtschaftet. Es fehlt an Baumaterial, um Dörfer wieder aufzubauen. Viele können sich landwirtschaftliche Geräte und Saatgut nicht leisten, deshalb sind die Erträge zu gering, als dass die Bauern durch Verkauf viel dazu verdienen könnten. Deshalb hat der Fischfang große Bedeutung, die Flüsse und Küstengebiete sind fischreich, vor allem werden Heringe und Thunfisch gefangen.



Sierra Leone ist reich an Bodenschätzen. Diamanten, Gold, Bauxit und Rutil kommen in den Böden vor. Aus dem Bürgerkrieg von Sierra Leone stammt der Begriff „Blutdiamanten“. Rebellen erbeuteten Diamanten und kauften damit Waffen für den grausamen Bürgerkrieg, der das Land über viele Jahre lähmte. Noch heute, vierzehn Jahre nach dem Krieg, kommen diese Bodenschätze der Bevölkerung nicht zugute.
Der Outamba-Kilimi-Nationalpark im Norden ist eines der letzten Rückzugsgebiete großer Tierarten in Westafrika. Hier leben die seltenen Zwergflusspferde. Außerdem sieht man mit Glück Schimpansen oder andere Affenarten, Elefanten, Kaffernbüffel, Bongos, Giraffen und Löwen. Durch die Wälöder streift eine Vielzahl von Duckerarten. Der Nationalpark ist ein Paradies für Ornithologen. Mehr als 220 Vogelarten wurden in Outamba-Kilimi gezählt. Während des 10-jährigen Bürgerkrieges wurden zahlreiche Tiere im Nationalpark von den Rebellen als Nahrung gejagt. Viele seltene und geschützte Arten haben darunter gelitten. Heute bemüht sich die Regierung darum, den Bestand der Arten besonders zu schützen. Mehr über die Tiere der Savanne
Frühzeitliche Funde wie Keramikscherben und Steinwerkzeuge in den Höhlen der Felsengebiete von Sierra Leone erzählen, dass hier schon in der Frühzeit Menschen gesiedelt haben. Die ersten Völker wurden im 15. Jahrhundert von den einwandernden Mendes und Temnes vertrieben. Etwa zu der Zeit erreichte der portugiesische Entdecker Pedro da Cintra die Küste des Gebietes. Er nannte das Land „Löwengebirge“. Sierra Leone ist mit einer zweiten Persönlichkeit aus Europa verbunden: mit dem englischen Juristen Granville Sharp. Der Menschenrechtler war einer der Gründer der Gesellschaft zur Abschaffung der Sklaverei. Er erwarb Land in Sierra Leone, um dort für befreite Sklaven eine neue Heimat zu schaffen. Mehr über die Geschichte von Sierra Leone
Heute ist Sierra Leone eine Präsidialrepublik. Am 11. August 2007 fanden wieder freie Wahlen statt. Die jahrelang regierende Einheitspartei All People’s Congress gewann die Wahl. Präsident wurde Ernest Bai Koroma. Er besitzt sehr viel Macht. Er muss sich nicht mit viel Kritik auseinander setzen. Denn nur eine Partei sitzt im Parlament. Dennoch ist das Land auf dem Weg zu einer Demokratie, dank der vielen Frauen, die heute in der Politik eine große Rolle spielen. Sie wollen nie wieder Krieg. Sie setzen sich ein für ein besseres Leben, für Freiheit und für bessere Bildungsmöglichkeiten. Ihre Kinder sollen nicht mehr für einen Dollar am Tag schuften müssen wie sie. Sie haben die Hoffnung, dass bessere Zeiten anbrechen, nachdem das Land seit mehr als 10 Jahren politisch sstabil ist.
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