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Niger

Flagge von NigerDie Republik Niger ist nach dem Fluss Niger benannt. Das Wüstenland liegt in der Mitte von Nordafrika. Es bildet eine Brücke zwischen arabischer Welt und der Welt Schwarzafrikas. Mit etwa 1 300 000 qkm ist Niger dreieinhalb Mal so groß wie Deutschland, doch nur 14 Millionen Menschen leben darin.

Ein Wüstenland im Herzen von Nordafrika

Karte von Niger (c) CIA WorldFactbook übers. von HeadNiger ist ein Binnenland und hat viele Nachbarn. Im Norden grenzt es an Algerien und Lybien, im Westen an Mali und Burkina Faso. Im Osten liegt Tschad, und im Süden finden wir Nigeria und Benin. Die Grenzen sind wie mit dem Lineal gezogen. Denn sie wurden erst zur Kolonialzeit festgelegt, als Franzosen das Land beherrschten. Bei der Grenzziehung gingen die Kolonialherren ganz willkürlich vor. Sie nahmen keine Rücksicht darauf, welche Gebiete von welchen Völkern besiedelt waren. Sie ignorierten auch, dass  Nomaden über Ländergrenzen hinweg feste Wandergebiete hatten. So legten sie den Keim für Gebietsstreitigkeiten, die noch heute andauern.

Die schönsten Wüsten der Welt

Sandwüüste in Niger (c) Michael MartinNiger liegt am südlichen Rand der Sahara und besteht zu zwei Drittel aus Wüste. Auch das übrige Land ist staubtrocken, denn es liegt zwischen Wüste und dem Sahel. Die Ténéré  gilt als Wüste aller Wüsten. Ihre kilometerlangen Sanddünen und wunderschönen Oasen zählen zu den sehenswertesten Abschnitten der Sahara. Für Dinofreunde bietet Niger eine Fundgrube: Hier entdeckten Forscher die ältesten Dinosaurierfossilien. Zu den Sehenswürdigkeiten Nigers zählt auch das Air Hochgebirge. Es handelt sich um ein rund 2.000 Meter hohes Gebirge, das mit seinen uralten  Felsmalereien zum Weltnaturerbe der UNESCO zählt. Mehr über die Landschaften der Sahara

Der Niger sorgt für Fruchtbarkeit

Der Niger (c) diasUndKompott RolandDer Niger durchfließt den Südwesten auf einer Länge von 650 Kilometer. Er sorgt für eine kleine, landwirtschaftlich nutzbare Fläche. Sie macht nur vier Prozent der Fläche von Niger aus, aber hier wird fast alles an Gemüse und Getreide angebaut. Am Niger finden sich malerische Dörfer und die Hauptstadt Niamey. Im Südosten, an der Grenze zu Tschad, liegt der Tschadsee. Der See ist ein winziger Überrest eines großen Binnenmeeres, das einst weite Teile der Tenéré einschloss. Heute ist hier nur Wüste. Mehr über den Fluss Niger

Niamey - die Hauptstadt von Niger

Der Große Markt in Niamey (c) Roland HuziakerNiamey liegt am Fluss Niger. Einst bestand die Stadt nur aus kleinen Dörfern, die sich rechts und links am Niger entlang reihten. Im 20. Jahrhundert wurden die Dörfer von der damaligen Kolonialmacht Frankreich zu einer Stadt zusammengeschlossen. Heute ist Niamey mit über einer Million Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt Nigers. Und seit der Unabhängigkeit Nigers ist  sie auch die Hauptstadt des Landes. Trotzdem bietet die Stadt dem Besucher heute noch ein dörfliches Bild mit beschaulichen, bunten Märkten, auf denen man neben Obst und Gemüse auch Töpferwaren, Kleider und Handys kaufen kann.

Agadez - ein Zentrum des Karawanenhandels

Agadez (c) Dan LundbergWeitaus älter als Niamey ist Agadez, das ein wichtiges Zentrum des Karawanenhandels war. Sie wurde im 15. Jahrhundert von Berberstämmen gegründet. Agadez liegt mitten in der Sahara. Sie war Hauptstadt des Sultanats Air, das bis heute besteht. Die Stadt ist nur aus Lehmhäusern gebaut. Denn weit und breit gibt es keine Steine und kein Holz.

Ein Fest in der Wüste

Moschee in Agadez (c) Dan Lundberg

Die Moschee von Agadez ist berühmt für ihr sagenhaft hohes Minarett, das 27 Meter in den Himmel ragt. Für einen reinen Lehmbau ist die Höhe ein schieres Wunder. Denn jedes Jahr muss der Turm ausgebessert werden. Das Minarett ist kilometerweit zu sehen und ein wichtiger Orientierungspunkt für die Karawanen. Mehr als 100 000 Menschen leben heute in Agadez. Im November geht es hoch her in der Stadt, dann treffen die Salzkarawanen aus Bilma ein und die Märkte sind belebt wie nie. Zu Beginn des islamischen Monats Muharram wird das zehntägige Neujahrsfest der Tuareg, das "Bianou" gefeiert. Dabei werden Tänze und Straßenprozessionen von der großen Kesseltrommel Tobol begleitet.

Völker

Heute sind fast alle Nigrer Muslime, doch die Mehrheit pflegt ihre uralten Naturreligionen. Islamismus-Einflüsse nehmen in Niger wie auch in den Nachbarstaaten Mali und Nigeria zu, aber selten sieht man völlig verschleierte Frauen. Amtssprache ist französisch, die Sprache der Haussa ist die am weitesten verbreitete Sprache in Westafrika. Die Nigrer setzen sich aus alten, traditionsreichen Völkern zusammen.

Reiterfestival in Zinder (c) Dotavi

Die Hip Hop Gruppe Black Daps in Niamey (c) USGovernment, EmbassytoNiger

Tuareg in Agadez (c) Albert Backer

Etwa die Hälfte der Bewohner gehören zu den Haussa, ein Viertel sind Songhai, Ackerbauern, die westlich des Nigerflusses leben. Die Fulbe, etwa ein Viertel der Bewohner, sind Richterzüchter. Eine Million gehören den Tuareg an, ebenfalls Viehhalter und Kamelzüchter. Sie betreiben den Salzhandel zwischen Bilma und Agadez. Das ungewöhnlichste Volk sind die Wodaabe, eine Untergruppe der Fulbe. Sei wandern mit ihren Rinderherden durch den Sahel. Ihr Name bedeutet „Vögel der Wildnis“, und sie leben in einer heute kaum mehr vorstellbaren Freiheit. Mehr über die Wodaabe

Für die Kinder in Niger ist Schule kein Vergnügen

Grundschule in Niger (c) US Department of State, Embassy to NigeIn Niger besteht eine zehnjährige Schulpflicht. Der Schulbesuch ist gebührenfrei, aber Hefte, Bücher und Stifte muss jeder selbst kaufen. Für viele Familien mit einem Durchschnittseinkommen von 200 Euro im Jahr ist das eine riesige Anschaffung. Die durchschnittliche Schülerzahl pro Klasse liegt bei 60 Kindern. Der Unterricht bleibt da oft auf der Strecke. Das Bildungssystem ist ein Erbe aus der Kolonialzeit. Es ist dem französischen angepasst und nimmt wenig Rücksicht auf die Lebenswirklichkeit der Bevölkerung. Kein Wunder also, dass viele Eltern ihre Kinder lieber zu Hause lassen. Eine Lösung ist das nicht, denn 85 Prozent der Männer und 90 Prozent der Frauen können nicht lesen und schreiben. Neben den staatlichen Schulen gibt es etwa 50.000 Koranschulen, in denen in arabischer Sprache gelehrt wird.

Tiere in Niger

Damagazelle (c) Mike ThorpeIn Niger findet man Tiere der Wüste und des Sahel, dazu zählen viele Antilopenarten, Wüstengeparden, Schlangen, Hyänen und Geier. Rund um den Niger gibt es Nilpferde, Krokodile, Schlangen und viele Vogelarten. Die Damagazelle ist das Symboltier von Niger und findet sich auf dem Emblem der nigrischen Fußballmannschaft. Mehr über die Tiere der Wüste

Wirtschaft und Bodenschätze

90 Prozent der Bevölkerung lebt von Landwirtschaft, obwohl nur auf 4 Prozent des Landes angebaut werden kann. Neben dem Fischfang in Niger und im Tschadsee ist Viehhaltung der wichtigste Erwerbszweig.

Ölbohrturm in Niger (c) Phuong Tran Voice of America

Getreideanbau am Niger (c) Curt ReynoldsKamelmarkt in Niger (c) Albert Backer

 

 

 

Womit erzielt Niger das höchste Einkommen? Mit Uran! Niger ist einer der wichtigsten Uranproduzenten weltweit. Als 1965 Uran entdeckt wurde, errichtete man am Rand des Air Gebirges eine künstliche Stadt. Die Uranstadt Arlit wurde ausschließlich mit Bauteilen aus Frankreich erstellt, die übers Meer und quer über den Kontinent transportiert werden mussten. Heute wird hier von einer französischen Firma Uran abgebaut. Es wird dabei keine Rücksicht auf die Bevölkerung genommen. Beim Uranabbau wird viel Wasser verbraucht, das den Menschen in dem trockenen Gebiet rund um Arlit fehlt. Außerdem wird die Bevölkerung kaum vor der Strahlung geschützt, die beim Abbau frei wird. Deshalb gibt es viel Streit zwischen der Regierung und den dort lebenden Tuareg. Mehr über die Tuareg

Niger Geschichte

Prähistorische Felszeichnungen in der Sahara (c) FranzfotoDie Geschichte Nigers reicht Jahrtausende zurück. Vor etwa 10 000 bis  4 000 Jahren v.Christus  war die Sahara noch fruchtbar. Diese Zeit wird Neolithikum oder auch „Rinderzeit“ genannt, denn die Jägern und Sammler besiedelten das Land und begannen Rinder zu züchten. Das zeigen uns sowohl die Felszeichnungen aus dem Air-Gebirge als auch die Funde von Steinwerkzeugen und Töpferei entlang ehemaliger Seen und Flüsse. Im heutigen Afrika scheint Niger keine bedeutende Rolle zu spielen. Im Mittelalter war das jedoch ganz anders. Die prominente Lage zwischen Nigerbogen und Tschadsee weckte schon früh die Begehrlichkeit großer Reiche im Westen, Norden und Osten des Kontinents. Mehr über die Geschichte Nigers

Niger heute

Die ehemalige französische Kolonie ist seit 1960 unabhängig. Seit der Unabhängigkeit erlebte die Republik Niger viele Wechsel in der politischen Führung. Die autoritäre Herrschaft Nigers begann in den letzten Jahren der französischen Herrschaft. Die Franzosen förderten das Einparteiensystem von afrikanischen Herrschern. Die Präsidenten herrschten autoritär und eigenmächtig. Sie unterdrückten die Völker und bereicherten sich über alle Maßen.

Mädchen in Niger (c) Steve Evans

SteveEvanJunge in Niger (c) Steve EvansMutter mit Kind in Niger (c) Steve Evans

Die Militärs setzten dem Treiben der Politiker immer wieder ein Ende. Mit Waffengewalt leiteten sie den politischen Wandel ein. Aber die Lage verbesserte sich nie wirklich. Es gab auch viele Aufstände der Tuareg gegen die rücksichtslose Ausbeutung ihres Landes. Es liegt genau in der Zone, in der Uran abgebaut wird. Es ist ungewiss, wann in Niger alle Völker gleichberechtigt an dem politischen Wandel beteiligt werden. Am meisten kämpft die  nigrische Bevölkerung mit den Folgen der regelmäßig wiederkehrende Dürren. Sie sind die Ursache für die schlimmen Hungersnöte. Das Land ist deshalb immer wieder auf internationale Hilfe angewiesen. Es zählt zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt.

Mehr über Afrika erfährst du in:

Der große Diercke Kinderatlas von Ulf Dr. Zahn, Achim Bröger und Johann Brandstetter

Der große Weltatlas von Philip Steele.

Das Bertelsmann Kinder Länderlexikon von Marcus Würmli und Ute Friesen

Meyers Länderlexikon für Kinder von Liane Apelt und Isabel Große Holtforth

Meine große Kinderwelt von Katja Baier

Kinder Weltatlas von Dorling Kindersley

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