Die südafrikanische Schriftstellerin Nadine Gordimer feierte am 20.11. ihren 90. Geburtstag. Ihre Romane und Erzählungen drehen sich um den Rassismus im Südafrika ihrer Kindheit. Zu ihren bekanntesten Romanen zählen Die spätbürgerliche Welt (1966), Burgers Tochter (1979) oder Die Hauswaffe (1997). Darin schildert sie das Land der Apartheid aus der Sicht einer Weißen, die der herrschenden Schicht angehörte. Für ihr Werk wurde Nadine Gordimer 1991 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.
Nadine Gordimer ist das Kind von jüdischen Einwanderern, die während des Goldrausches in Johannesburg ihr Glück suchten. Sie wuchs in einem katholischen Internat in der Nähe von Johannesburg auf. Die einzigen Schwarzen, mit denen sie während ihrer Kindheit in Kontakt kam, waren die Hausangestellten. Zu dieser Zeit behandelte man die Schwarzen nicht mehr wie Sklaven, doch insgeheim verachtete man sie. Als Nadine Gordimer während ihres Studiums die ersten Schwarzen traf, die gegen die weiße Bevormundung kämpften, änderte sich ihre Weltsicht. Sie setzte sich mit dem unterschwelligen Rassismus der gebildeten, liberalen Weißen auseinander. Mit der Short Story Eine südafrikanische Kindheit (1954) gewann sie die Sympathie der Leser, indem sie von der allgegenwärtigen Überheblichkeit der Weißen erzählte und sich selbst davon nicht ausnahm.
Hatte eine weiße Schriftstellerin zu ihrer Zeit überhaupt eine andere Wahl, als gegen die Apartheidpolitik anzuschreiben? "Die Kunst steht auf der Seite der Unterdrückten", verkündete sie. Denn die Politik der Apartheid war menschenverachtend, ähnlich wie die der Nazis in Deutschland. Nadine Gordimer wurde zwar Mitglied beim ANC, der Partei der Befreiungsbewegung der Schwarzen Südafrikas. Doch um ein politisches Amt bemühte sie sich nie. Sie verstand sich als Stimme ihrer Zeit. Die Apartheid endete 1989. Mit Nelson Mandela kam 1994 der erste schwarze Präsident an die Macht. Der lange Jahre infhaftierte Freiheitskämpfer trat für eine Versöhnung zwischen schwarz und weiß ein. Das Land veränderte sich. Die Schwarzen erhielten mehr Einfluss, sie regierten nun das Land. Hätte das für Nadine Gordimer nicht das Ende ihrer Mission bedeutet? Sie veröffentlichte einen neuen Roman Keine Zeit wie diese (2012). Darin greift sie die Missstände unter der Regierung des Nachfolgers von Nelson Mandela auf. Jacob Zuma ist Schwarzer wie Nelson Mandela, er gehört wie dieser dem ANC an. Doch was hat dieser neue Präsident verkehrt gemacht, dass wieder finstere Zeiten in Südafrika herrschen? Erzähler vom Schlag Nadine Gordimers sind wachsame Zeugen gegen die Unwahrhaftigen. Egal, welche Hautfarbe sie besitzen.
Hier siehst du ein Interview mit Nadine Gordimer über ihren Roman Keine Zeit wie diese
Anlässlich ihres 90. Geburtstages sind die literarischen und politischen Schriften Nadine Gordimers auf Deutsch erschienen. Sie erzählen mehr über die Apartheid als manches Geschichtsbuch: Nadine Gordimer: "Erlebte Zeiten, bewegte Zeiten". Zwei Bände: Erzählungen 1952-2007, Leben und Schreiben 1954-2008. Berlin Verlag, Berlin 2013.
Hier liest du einen Auszug aus Nadine Gordimers Erzählung Die Diamantenmine
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