Portugiesische Seefahrer erkundeten im 15. Jahrhundert die Küsten Afrikas. An der Atlantikküste fanden sie in dem Fluss Wouri Unmengen von Krabben und nannten das Gebiet "Camaroes". Seitdem heißt das Land Kamerun. Kamerun ist etwas größer als Deutschland, hat jedoch mit 19 Millionen weit weniger Einwohner.
Kamerun liegt im Westen Afrikas, am Atlantik. Es ist um ein Drittel größer als Deutschland, hat aber nur 20 Millionen Einwohner. Kamerun hat die Form eines spitzen, langen Dreiecks. Es erstreckt sich von der Sahelzone im Norden bis zum Atlantischen Ozean. Die Küste liegt am Golf von Guinea. Durch seine langgestreckte Form hat das Land viele Nachbarn: Nigeria liegt westlich von Kamerun, Tschad sowie die Zentralafrikanische Republik liegen im Osten. Im Süden wird Kamerun von Äquatorialguinea, Gabun und der Republik Kongo begrenzt. Im Süden, in Äquatornähe wachsen einige der ursprünglichsten Regenwälder Afrikas.
Kamerun wird Afrika im Kleinen genannt wegen der vielen, verschiedartigen Landschaften. In den nördlichen Trockensavannen rund um den Tschadsee ist es trocken und heiß. Menschen und Tiere leiden unter häufigen Dürreperioden. Das Landesinnere ist geprägt von einer Hochebene. Im Hochland vollzieht sich der Wechsel von den Savannen des Nordens zum Regenwald im Süden. Kamerun verfügt über die zweitgrößte Waldfläche Afrikas. Im Westen erstreckt sich vulkanisches Gebirge mit dem höchsten Berg Westafrikas, dem Kamerunberg. Das Bergland gehört zu den regenreichsten Gebieten der Welt. Hier finden sich viele geheimnisvolle Seen wie der Bosumtwisee.
Jaunde ist die Hauptstadt von Kamerun. Die Stadt wurde einst von einem deutschen Forschungsreisenden als Zentrum des Elfenbeinhandels gegründet. Die Stadt liegt in der Mitte des Landes, zwischen sieben Hügeln. Heute leben dort mehr als eine Million Menschen. Das Leben in Jaunde spielt sich auf den Straßen ab. Es gibt bunte Märkte und Geschäfte, öffentliche Schreibwerkstätten und Kneipen. Auf einem der sieben Hügel liegt der prächtige Palast des Präsidenten, links auf dem Foto zu sehen. Jaunde ist Regierungssitz von Kamerun.

In Kamerun wird Öl gefördert und exportiert. Auch landwirtschaftlich ist Kamerun ein reiches Land. Es wird Kaffee und Kakao angebaut, Zuckerrohr und Hirse. Die Holzwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftszweig, leider zu Lasten der Regenwälder. Die Abholzung der Wälder bedroht die Existenz der Waldvölker, und sie trägt zum globalen Klimawandel bei.
Egal, ob du mit dem Bus, dem Zug oder dem Boot unterwegs bist, überall wirst du Hühner gackern hören. In geflochtenen Körben tragen die Kameruner lebende Hühner mit sich. Denn ein Hahn gilt als traditionelles Gastgeschenk in Kamerun. Kamerun ist der Schmelztiegel Afrikas. Das liegt daran, dass sich in Kamerun die Handelsrouten von Westafrika mit den südlichen Handelsrouten kreuzen. Im Lauf der Jahrhunderte drängten zahlreiche Völker in das Gebiet. Es waren Handelsvölker aus dem Sudan, die von der Sahara in den Süden vordrangen und Bantuvölker aus dem Süden. Ihr Ziel war der Atlantik, das Tor zur Welt. Gegenwärtig leben 200 Völker in Kamerun. Viele Kameruner sprechen englisch oder französisch, denn Kamerun war vor mehr als hundert Jahren eine Kolonie von Engländern und Franzosen. Auch Deutschland beanspruchte zeitweise ein Gebiet als Kolonie. Trotz der europäischen Vorherrschaft haben sich die afrikanischen Sprachen erhalten. Im Norden ist das Hirtenvolk der Fulbe beherrschend. In der Mitte Kameruns leben die Bamileke, Händler, Bauern und Kaufleute. Im Süden, an der Küste siedeln die Duala. Zu den ältesten Bewohnern der Regenwälder von Kamerun zählen die Pygmäen. Sie leben als Sammler und Jäger. Mehr über die Pygmäen
Große und kleine Säugetiere, Reptilien und Insekten leben in den tropischen Wäldern von Kamerun. Der dichte Regenwald ist die Brutstätte vieler Vögel und Amphibien. Die gefährliche Königskobra lebt hiert, und alle Arten von Chamäleons. In den Savannen und Wäldern kann man die schillerndsten Schmetterlinge beobachten. Entlang der Grenze zu Nigeria wurde der Takamanda-Nationalpark eingerichtet, um die vom Aussterben bedrohten Gorillas zu schützen. Mehr über die Tiere der Regenwälder

Fußball ist das beliebteste Spiel in Kamerun, jeder Junge will irgendwann bei den Lions Indomptable, den unbezähmbaren Löwen spielen. Auch der Frauenfußball hält immer mehr Einzug in die Fußballclubs. Kinder und Erwachsene spielen Kalaha, ein Brettspiel, das man mit getrockneten Bohnen oder bunten Glaskugeln spielen kann. Man muss sehr geschickt sein, um die Kugeln in sein Feld zu bringen, doch die Spielregeln sind einfach. Man kann es auch im Sand spielen, das macht es so beliebt.
Der Staat in Zentralafrika feiert jährlich am 20. Mai seinen Nationalfeiertag. An diesem Tag ist das ganze Land auf den Beinen. Den Höhepunkt bildet eine Parade in der Hauptstadt Jaunde. Etwa die Hälfte der Kameruner sind Christen. Deshalb werden die wichtigsten christlichen Feste gefeiert wie Weihnachten. Daneben werden islamische Feste gefeiert und traditionelle Feste. In der Bamileke-Region findet alljährlich das farbenprächtige Bamoun Festival statt, zu dem viele Touristen kommen. Im Bild rechts sieht man Pygmäen bei einem Tanzfest.

Kamerun ist eine präsidiale Republik und wird seit mehr als zwanzig Jahren von Präsident Paul Biya autokratisch regiert. Das Regime geriet durch seine Wahlaffairen und die hohe Bestechlichkeit immer wieder in die internationale Kritik. Die Arbeitslosikeit ist hoch, junge, gutausgebildete Menschen finden oft keine Arbeit. Deshalb kommt es immer wieder zu Protestaktionen und Aufständen. Dabei ist das Land reich an Bodenschätzen und Rohstoffen. Die Menschen Kameruns müßten wohlhabend sein, doch viele Familien sind tatsächlich arm. Kamerun ist im Wandel begriffen. Die Mehrheit der jungen Bevölkerung kämpft für eine gerechte Verteilung des Wohlstandes und für mehr Demokratie. Trotz der trüben Zukunftsaussichten sind die Kameruner bekannt für ihre Lebensfreude, Gastfreundschaft und ihren Humor.
Romane und Geschichten aus Kamerun, die dich interessieren könnten