Nichts erzählt mehr über ein Land als seine Geschichten. In Äthiopien ist es die Legende der Königin von Saba, die mit der Entstehung des Kaiserreiches Abessinien verknüpft ist. Das Land ist mit mehr als 1 Million Quadratkilometer dreimal so groß wie Deutschland. Etwa 90 Millionenen Menschen leben in Äthiopien.
Äthiopien ist ein Binnenstaat und liegt im Nordosten Afrikas. Es ist umgeben von Südsudan, Kenia, Dschibuti, Eritrea und Somalia. Äthiopien wird vom Hochland von Abessinien geprägt. Durch die jahrtausende währende Vulkantätigkeit wurde eine einzigartige, raue Landschaft geschaffen mit atemberaubenden Panoramen. Einzelne Berge sind höher als 4 000 m. In den Tiefebenen ist es tropisch heiß, in den gemäßigten Zonen herrschen etwa 20 °.
Im äthiopischen Hochland entspringt der Blaue Nil. Wegen seiner dunklen Farbe wird er dort Abbai genannt, der erdige Fluss. Der Blaue Nil fließt nordwärts Richtung Sudan und trägt hauptsächlich zu den Wassermassen des Nils bei.
Die Hauptstadt Addis Abeba liegt im Hochland. Ihr Name bedeutet Neue Blume. Die Stadt war einst Residenz der mittelalterlichen Könige. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Addis Abeba zu einer modernen Stadt mit Banken, Universitäten und Schulen. Ganz nach europäischem Vorbild wurden ein Theater und Kino gebaut, genannt das "Teufelshaus".
Die Sprache der Amharen ist Amtssprache, Englisch ist Bildungssprache, und wird in den Schulen unterrichtet. Daneben gibt es achtzig afrikanische Sprachen, darunter Oromo, das mehr als ein Viertel der Äthiopier berherrschen.
Die einstigen ausgedehnten Waldgebiete mit Schirmakazien, Baobabbäumen, Wacholder- und Maubeerfeigenbäumen wurden durch umfangreiche Waldrodungen im letzten Jahrhundert zerstört. Mit ihnen verschwand der Reichtum an seltenen Pflanzen. Dennoch findet man in den Feuchtwäldern noch einige der ältesten Pflanzen der Erde. Dazu zählt auch die Kaffeepflanze. Äthiopien gilt als Ursprungsland des Kaffees.
Typisch für die Tierwelt Äthiopiens sind Tiere des Mittelgebirges, Ziegen, Esel, Gazellen, viele Vogelarten und Reptilien. In den Bergen ist das seltene Bergnyala und eine besondere Wolfsart, der äthiopische Wolf heimisch. Äthiopien hat eine Reihe von Nationalparks eingerichtet, in der die Tierwelt geschützt wird. Der bekannteste Nationalpark ist der Simien Mountains Nationalpark, vielbesucht wegen seiner landschaftlichen Schönheit.
Es ist 3,5 Millionen Jahre her, dass sich in Äthiopien die ältesten menschenähnlichen Wesen entwickelten. Das Skelett von "Lucy", dem ersten aufrecht gehenden Menschen zeugt von den Anfängen der Menschheit. Tatsächlich ist Äthiopien eines der ältesten Kulturländer Afrikas. Die Geschichte seiner Vorgängerstaaten Da’amot, Aksum und das Kaiserreich Abessinien lässt sich bis ins 1. Jahrtausend vor Christus zurück verfolgen. Das Kaisserreich von Abessinien wurde 980 vor Christus von Menelik I. gegründet, dem Sohn von König Salomon und der Königin von Saba. Mehr über das Kaiserreich von Abessinien
Da'amot lag im nördlichen Äthiopien und war von arabischen Einflüssen geprägt. Aksum wurde im 1. Jahrhundert nach Christus an der Küste des Roten Meeres gegründet. Die Aksumiter waren ein Volk von Seefahrern, die mit Indien, Arabien und dem römischen Reich Handel trieben. Im 5. Jahrundert nach Christus wurde Aksum zum ersten christlichen Königreich. Mehr über das Reich von Aksum
Äthiopien - kein Reich für KolonialistenÄthiopien war über viele Jahrhunderte eines der wenigen afrikanischen Länder, das sich nie von stärkeren Mächten vereinnahmen ließ. Das Land widerstand den Arabern, die im Mittelalter die Herrschaft über die meisten ostafrikanischen Länder übernahmen. Es wehrte sich erfolgreich gegen die Kolonisierungsversuche der Portugiesen, die im 16. Jahrhundert ihre Vormachtsstellung im Indischen Ozean ausbauten. Als Äthiopien Gefahr drohte von dem mächtigen Sultanat Adal, schaffte es das Land, die Portugiesen als Verteidigungsmacht zu gewinnen, ohne von ihnen abhängig zu werden. Im 19. Jahrhundert unternahm Italien den Versuch, das Land zu erobern. Doch die Äthiopier wehrten sich erfolgreich. Der äthiopische Kaiser Menelik II. schlug gemeinsam mit britischen Truppen die italienischen Invasoren zurück. Bis in die Gegenwart wird dieser Sieg einer afrikanischen gegen eine europäische Armee gefeiert.
Nur vor und während des Zweiten Weltkrieges wurde Äthiopien kurzzeitig von dem damals faschistischen Königreich Italien besetzt. Doch die Besetzung fand mit Italiens Niederlage im Zweiten Weltkrieg ein schnelles Ende. Danach versuchte das Land unter Kaiser Haile Selassie zu seiner alten Ordnung zurückzufinden. Doch das Regime des Kaisers war autoritär. Es bildeten sich Widerstandsbewegungen. Das Land erlebte lange Dürrezeiten und Hungersnöte. Nach vielen Jahren des Bürgerkrieges eroberte die Rebellengruppe Revolutionäre Demokratische Front der Äthiopischen Völker die Macht in Äthiopien. 1974 wurde das mehr als zweitausend Jahre bestehende Kaiserreich nach einem Staatsstreich abgeschafft und von der Demokratischen Volksrepublik Athiopien abgelöst.
Der politisiche Wandel brachte der Bevölkerung nur wenig Verbesserungen. Auch das heutige Äthiopien gilt als autoritär regiertes Land. Er werden Wahlen abgehalten, aber Oppositionelle Kräfte werden unterdrückt, die Pressefreiheit ist eingeschränkt. Gemäß den Berichten von Amnesty International werden die Menschenrechte kaum geachtet. Nach langen Dürreperioden lebt ein Großteil der Bevölkerung in Armut. Nur jeder zweite hat Zugang zu sauberem Wasser. Dennoch wurde die Hauptstadt von Äthiopien, Addis Abeba, von der Afrikanischen Union zum Hauptsitz erkoren. Die Afrikanische Union ist ähnlich wie die EU eine politische Vereingigung fast aller afrikanischen Staaten. Mehr über die Afrikanische Union
Als Christen feiern die Äthiopier dieselben Feste wie wir, nur zu anderen Zeiten. Ihre Zeitrechnung fußt auf dem julianischen Kalender, darüber hinaus teilen sie das Jahr in 13 Monate ein - zwölf Monate mit je 30 Tagen und einem Monat mit fünf Tagen. So wird Fassika, das Osterfest, später gefeiert als in Europa. Zwei Monate vor Ostern halten alle Menschen eine strenge Fastenzeit ein. Das wichtigste Fest ist Timkat, das Fest von Jesus Taufe im Jordan. Das Fest wird am 19. Januar in Lalibela gefeiert, einer einstigen Königsstadt, in der eine der berühmten in Fels gehauenen Kirchen Äthiopiens zu bewundern ist.
Äthiopien ist ein Land mit bekannten Märchenerzählern, Wandersängern und modernen Schriftstellern. Viele Märchen berichten von den Gefahren der Nomaden auf ihren Wanderwegen, von sagenhaften Königreichen und von den Geistern der Bergwelt. Zu den ältesten Mythen gehört die Legende der Königin von Saba. Die Salomonslegende geht zurück auf das äthiopische Nationalepos "Kibre Negest", was"Herrlichkeit der Könige" bedeutet. Mehr über die Literatur von Äthiopien